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Der Orient · 1846-06-04 · Heft 23 (4.6.1846) · p. Seite 179

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 23 (4.6.1846)
Date
1846-06-04
Page
Seite 179 (sequence 9)
Language
German
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- 179 — kanntschaftcn, welche die Rabbiner während ihrer Studienzeit, oder ftfiifiignt Aufenthalts dort angeknüpst haben, sondern auch wegen - der regen Theilnahme, welche die" Berliner Gemeinde und deren Vorstand fürs Jndenthnm jetzt zeigt, und wegen der dortigen Geistlichen und Gelehrten, die mehr oder weniger für die gute Sache sich bemühen werden. Doch die von Herrn Dr. Frankel vorgeschtagene Zeit, scheint uns schon deshalb weniger passend, weil nach dem Sukkotfeste die Käsualfragen cm: häufigsten Vorkommen, und die Anwesenheit der Rabbiner in den Gemeinden erfordern. Könnte die Zusammenkunft nicht schon int August stattfinden? Schließlich die Bemerkung, daß diese kurz hingeworfenen und nur angedeutcten Vorschläge, weder vorgreifend noch maaßgebend, sondern Lediglich anregend sein sollten, und daß sich Referent als der Geringsten Einer den dortigen Beschlüssen gerne unterordnct.^ Dr. Fraenkel, Rabbiner. Hamburg, 22. Mai. Der Aufruf des Rabbiner Frankel zu einer Versammlung jüdischer Theologen,' hat auch in der hiesigen Gemeinde den gebührenden Anklang gefunden. Denn so sehr die Mehrzahl in derJudenheit sich auch freuen mag, das hundertjährige Joch der Finsterlinge abgeschüttelt zu haben, so ist sie dennoch demReformtreiben abhold» Dieses Zertri'umnern der Heiligthümer, dieses Haschen nach'Fremdartigem, kann nur d em willkommen sein, der sich schon langst gänzlich aus dem Judenthume gestellt, oder dem, der es vernichten will. Lasset uns einen Blick zurück bis auf Mendelssohns. Zeit werfen; die damalige!: ehrwürdigen Rabbiner sahen mit Schmerzen das Aufkommen der Neurer, wußten aber kein anderes Mittel dagegen als den Chercm, andere Waffen , profane Kenntnisse, waren ihnen fremd, auch war sehr oft die Gemeinde noch unwissender als ihr Rabbi, der darum ihrc-Vorurtheile huldigen mußte. Aber in den: Uebel lag die Heilkraft, gerade jene Neurer wie Friedländcr, Euchel, Joel Löwe, die selbst nicht,im strengen Glauben gelebt, haben den Glauben erhalten. Ohne sie würden wir noch jetzt im tiefsten Schmutz und unter der Ruthe slawischer Rabbiner stehen; ohne sie wäre uns die heilige Schrift, die herrliche Agada, und zuletzt der Talmud selbst ein verschlossenes Buch für uns. Sie haben die elende lügenhafte Auslegung der h. Schrift, und den Pilpnl schel Hebel verbannt. Unsere heutigen frommen vielseitig gebildeten Rabbiner sind die Früchte dieser Pflanzungen. Unsere jetzigen Orthodoxen sind in Sprache und Wissen und Bildung das, was mau an den damaligen Neurern verdammt hatte; und die Zahl der unheilbaren Stabilen hat sich sehr vermindert. Aussterben wird die Dummheit nie. Dabei waren die alten Neuerer fast sänuntlich Lamdanirn, Talmudisten und große Schriftkundige, und traten (wie Göthe von Men- .delssohn. rühmt) gar nicht als Reformer auf. Mn höchster Ehrerbietung gegen den Talmud und seine Hand- Haber, mit zarter Schonung gegen das Alte, mit Scheu und Bedacht trugen sie ihre Verbesserungen vor; darum gelang ihnen das Werk. Aber ihre Mission ist beendigt, ihre Arbeit abgeschlossen. Jetzttreten neue Reformer ans. Wir wollen uns nicht ermüden mit der Schilderung ihres anmaßens den Auftretens. Hier verwirft ein sogenannter Rabbiner und Reformer den Talmud und kann ihn kaum lesen. Dort versammeln sich die Hochvermögenden und sprechen über Eid unb Ehe' mii> gewichtiger Autoritätsmicne, und beweisen daß Maimon .nun ausgelebt habe, und der Geringste unter ihnen mehr Geist und Kraft besitze, wie alle alten Schriftgelehrten. * . Frech witzelt dort ein Neu-Rabbinerchen (so echt wie Neu-Silber) selbst über die heilige-Sprache, und sicht nicht, daß seine Frechheit sogar einen christlichen Zuhörer empörte. Dort dringt ein Rabbiner seiner Gemeinde sein neues Gebetbuch aus, die Gebete der Männer der großen Synagoge waren" veralteteste wüßten überhaupt den Weg zur Andacht nicht. Und will.die Gemeinde sich nichts aufdringet: lassen, so wird die Staatsgewalt in Anspruch genommen. Dort predigt eut einjähriger Rabbiner vor der heiligen Lade, daß daS Ceremonial-Gesetz keine'Geltung mehr habe, und voriges Jahr empfahl er es seiner Gemeinde mit verklärter Miene und gekünstelter Begeisterung. . Darf, dieses bittere Treiben noch" länger-in Jakobs Zeiten geduldet werden? Ist Israel verwaist von und mit allen. Fächern der Intelligenz ausgerüsteten Männern, und dürfen diese... wie die alten still sitzen? Bewegt sich ihr Gemüth nicht zum Erbarmen über die zerstreute Heerde,, die durch die Reformer irre geworden und nicht wisse::, zu welchem des Heiligen.sie sich wenden sollen? * Darum haben wir Hrn. Frankel recht dankbar zu sein, daß ihm der Zustand der verlassenen Brüder zu Herzen gegangen. -Gleich jenem S'echaria rufst Du deinen Brüden: zu: „Auf, Zion! entrinne! die Du. wohnst bei der Tochter Babels!" — NQDN 'rßpW HT ]pT, die Aeltesteu an Weisheit und Wissen und Kraft; unter den Rabbiuerrock steckt zuweilen mar:cher hohle Baum. Und Ihr Männer in Israel! Eure Zahl ist nicht geringe, die Volksstimme macht sie noch mächtiger, laßt die Stimme deö begeisterten Boten nicht vergebens gerufen haben. Zögert nicht, macht keine unzeitige Bedenklichkeiten, laßt Euch keine stolze Demuth, keine Gemächlichkeit zurückhalten; Euer Bruder ruft,-versammelt Euch, und besprecht Euch über den .heiligen Bau. Bereitschaben sich, wie Herr F. sagt, viele gemeldet, -aber nicht Einer darf zurück bleiben am Tage des Heils. Wer zurückbleibt, wem Getnächlichkeit oder Kaltsinn zurnckhält, der wird schwere' Abrechnung 'finden vor Gottes Thron am Tage des Gerichts, Die Posaune ruft aber nicht zum

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