Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1846)
- Date
- 1846-06-04
- Page
- Seite 178 (sequence 7)
- Language
- German
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178 Briefe vor, die mir die MMrng überbrachten, daß Ersterer wegen einer Amtsverrichtnng, Letzterer wegen häuslicher Verhältnisse nicht erscheinen könnte. Unzufrieden mit diesem Erfolge kehrte ich zurück- und ließ die Zusammenkunft auf sich beruhen. Darauf' kam die bekannte . Aufforderung zu einer Nabbiner-Versamlniung, zu welcher sich vorschnell genug Männer meldeten, deren Wissen und Streben leider nur zu bekannt in dieser Gegend geworden, Männer, die des Eklat wegen mit aller Gewalt sich hervordrängen, und die zum Theil sich nicht entblödet haben , das Judenthum selber zu verdächtigen oder gar anzugreifen. Wir konnten Alle einer solchen, den Ursprung von nicht jüdisch gesinnten Männern herleitenden Versammlung nicht beiwohnen , ob auch die Meisten von uns vorausgesehen, wie die Wallfahrt nach Braunschwelg ihnen einen Namen machen, sogar materiellen Nutzen, d. h. Beförderung verschaffen' konnte. Der Erfolg billigte unsre Vorsicht. — Eine andere.Versaminlung und zwar von konservativ-fortschreitenden Männern damals zu veranstalten, schien nicht rathsam, weil die Antipathie gegen jede Rabbinerversamllltun'g 31t groß im Volke gewesen, und besonders der ungebildete und größere Theil desselben in jeglicher solchen Versammlung den Verrats) des 'Glaubens und die Vorbereitung zum Abfälle gewittert hätte. Auch durste ein in ‘ euiem entfernten Winkel weilender , in einer kleinen abgelegenen Stadt wohnender und der großen Welt unbekannter Rabbiner, weil' in der Regel rDDD Dix hw lDipö, .mit eine'r solchen Aufforderung nicht hervortreten, wollte er nicht durch dieselbe der guten Sache-mehr Schaden als Nutzen bringen. Doch jetzt hat' das Volk die Rabbiner-Versammlung und die über dieselben verbreiteten lobhudelnden Gerüchte theils vergessen, theils durch Besserunterrichtete erfahren, daß selbst die Rabbiner-Versammlung, so sehr auch das sit *inoclus in rebus außer Acht gelassen, nicht gerade das Taufbecken ihren Schutzbefohlenen vorhält, und in der Abläugnung des positiven Glaubens sich gefällt. Zugleich hat das Volk sich an den Gedanken des Veränderns und Umgestaltens gewöhnt, so daß die Theologen- Znsammenkunft jetzt stattsinden kann, wenn die'Aufforderung von einem Manne ausgeht, dessen Name nicht nur als Neologe oder Reformer nicht verrufen ist, sondern auch als Konservativer einen großen Klang er- . langt hat. Besonders..gerechtfertigt ist der Gedanke an eine Thcologeu-Zusammenkunst / daß also Männer der GotteSgelahrtheit, ob sie an Seminarien oder Universitäten lehren, ob sie durch theologische Werke sich ausgezeichnet oder der Verwaltung«, großer Gemeinden obliegen, an den Berathungen Theil nehmen können. . Wir haben der sogenauuterr Laien gar Viele, die besonders in jüdisch-theologischem Wissen so manches theoretisch-igestikulireude Rabbincrcheu übersehen und übertreffen. Doch dürften die Berathnngen . nicht öffentlich sein, damit nicht jedes'den; Einen oder Andern entschlüpfte Wort zum Nachtheit der guten Sache ins Publikum gebracht, und. von diesem noch leichtfertiger verzerrt und verspottet werde, damit serner nicht einzelne Theilnehmer in Phrasen und Floskeln sich ergießen oder in Witzeleien sich gefallen, um etwa den rauschenden Beifall der Zuhörer oder gar Zuhörerinnen zu erhaschen, und damitendlich die heilige Sache nicht zum Schauspiele herabgezogen und herabgewürdigt werde. Auch mußte irgend eine Norm festgestellt werden, die als Charakteristikum zur Theituahme berechtigt, damit nicht etwa' der Versammlnttgsort ein Tummelplatz von Müssiggängern oder Zanksüchtigen werde*). Ueberhaupt muß der bei solcher Gelegenheit gar zu oft ausbrechende Zank mit aller Kraft und Strenge vermieden werden, und nicht nur der Streit iuderMitte der Versammlung, der das gute Werk im Entstehen auflösen und vernichteu könnte, sondern selbst der Kamps gegen andere Institute, als: gegen die. Rabbiner-Versaunulnng und den Rcsermverein; dann nimmerdar außer Acht gelassen werden, daß jede Erscheinung im Leben etwas Gutes mit sich führt, und daß die Rabbinerversammluug wie der Reformvereiu für gewisse Kreise gar viel Gutes, in sich tragen. ,, Die Tendenz der Theologen-Zusammenkunft sollte sein: V e vH er r l i ch u n.g d e s I u d e n t h u m s und zwar nach Außen wie nach Innen. 1. Nach Außen: a) durch Fortränmung und Beseitigung der gegen das Jlldenthnm gerichteten Verdächtigungen und Vorurtheilc in Betreff des Gewerbes, des Eides, der Vaterlandsliebe, des'Militärdienstes re. li) Durch das Streben für unsere Religion die Anerkennung der verschiedenen deutschen Staaten zu verschaffen, und c) unfern Kultus unter Aufsicht der betreffenden Regierungen zu bringen. 2. Nach Innen: a) durch Besetzung der vakanten Rabbinerstellen, h) Durch Anstellung und Beförderung solcher Rabbiner, die neben den klassischen Studien, auch des Talmuds sich beflissen, . . c) Durch Anstellung geeigneter Neligionslehrer für kleinere Gemeinden, c!) durch Verbesserung des Gottesdienstes. Der für die erste Versammlung am meisten geeignete Ort ftbeint Berlin zu fein, nicht nur wegen des bequemen Hiureiseuö auf den verschiedenen Eisenbahnen, nicht nur. wegen der großen Stadt und der bedeutenden jüdischen Gemeinde und nicht nur wegen der vielen Be- *) So könnten namentlich Gemeinde - Vorsteher Zutritt erlangen, die bei etwas Bildung, Energie und gutem Willen für Reformen mehr als alle Rabbiner thun können.