Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1846)
- Date
- 1846-06-04
- Page
- Seite 180 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Kriege, nicht zur Verläumdung , auch nicht /zu Spott und Witzeleien, es ist das Jubelhorn, das die Freiheit vom Sklavendienst des alten und neuen Wahnes, und der Frieden stiften soll unter den vom Vaterhaus vertriebenen Kindern. M. M—tu Aachen, 18. Mai. Herr Oberrabbiner Dr Bodenheimer hat die an ihn von hier ergangene Addresse in folgendem Schreiben, in welchem -er se in en Bei tritt zu der von Dr. Frankel in Dresden projektirten Versamml u n g j üd.TH e o l o g e n, erklärt-in solgenderWeise beantwortet : „Mit innigem Vergnügen las ich aus Ihrer verehrlichen Addresse vom 20. v. M., in welcher Sie mich um meine Theilnahme an der zu Breslau stattfindenden Rabbinerversammlung ersuchten, Ihre Liebe' zu reinem, geoffenbarten Glauben, ihre Begeisterung für die Institutionen unserer väterlichen Religion, Ihre Ueberzeugung von deren ewigen Wahrheiten, und Ihre heißen Wünsche für die Darstellung 'des Heiligen und Unvergänglichen, welches den Stürmen der Jahrtausende trotzte, in seiner Klarheit, in seinem Glanze. Mit den gefühlvollster. Ausdrücken bezeichneten Sie die auf religiösem Gebiete immer mehr zum Vorscheine kommenden Gegensätze .als seinen Kamps der Buchstabenvergötternden mit dem verderblichen, alles Ehrwürdige entweihenden Jndifferentismus. Diese Worte haben die Saiten meines Hrrzens um so mehr gerührt, als gerade diese Kämpftschon seit Jahren meinen. Geist beschäftigten, die Wünsche für die Klarmachung und Sichtung der Glaubensprincipien, der Pflichtenlehre und des Ceremonialgesetzes, mein ganzes Wesen erfüllten. Einen Stern sah ich daher mit Freuden vor zwei Jahren am Horizonte des Jüdenthums Mssteigen, ich begrüßte ihn als. den Verkünder des künftigen Heils, als den Friedenstister im Hause Israel. Der ersten Rabbinerversammlung zu Braunschwcig, die mir als ein solcher entgegenleuchtete, schloß ich mich mit Wärme und mancher Aufopferung an; sie schien mir ganz geeignet, die'Ruhe in das Gemüth jedes Einzelnen und die Versöhnung in den Schooß der Gemeinden zurückzuführen, , weil ich mir dachte, daß die Tradition durch die Wissenschaft glänzender hervortrete und im ihrer Begegnung mit der Philosophie der Gegenwart eine ebenso hervorragende Stellung einnehmen werde, wie in. der Blüthmzeit der Philosophie der Araber unter der Herrschaft der, Wellweisheit eines Aristoteles, u. mein fester Vorsatz war es, allen spätern Versammlungen beizuwohnen. Doch -bald machte sich unte.r der Majorität der Versammlung eine. Richtung bemerkbar, mit der ich mich mit meiner Ueberzeugung nicht befreunden, konnte, eine Richtung die im vori- . gen Jahre schon manchen Beförderer des gemäßigten Fortschritts zum Austritte aus der Versammlung Veranlassung gab und die allen^Anscheine nach durch den Einfluß, den'das neue Institut des Berliner,Reformvereins unverkennbar auf die Rab- ' binerversammlung übt, an Macht und Ausdehnung gewinnen . dürfte, und so die meisten Mitglieder einer Versammlung, die zur Berathung vorliegender Fragen nicht vom Standpunkte ' des positiv -historischen Judeuthums beurtheilt wissen wollte, entfernt. Wer vermag eine Stimme in die Wagschale zu legen? , Ihre gerechten Wünsche sollen aber nicht vergeblich an mich gerichtet worden sein; Ihre Hoffnungen werde ich nicht vereiteln; Sie hegen zu mir das Vertrauen, daß mir die Kraft innewohne, für das Wiederaufblühen des Judenthums zu wirken, nun so will ich auch an der Regeneration derselben mit allen zu Gebote stehenden Mirteln arbeiten und gereicht es mir zum besondern Vergnügen, Ihnen mittheilen zu können, daß wie Hr. Dr. Frankel, Oberrabbiner zu Dresden, ich und noch andere gleichgesinnte Männer, entschlossen sind, eine Rabbinerversammlung im gemäßigten Sinne ins Leben zu rufen, deren erste Sitzung, so Gort will, schon im Laufe dieses Sommers abgehalten werden soll. Genehmigen Sie. das Versprechen, daß ich ein treuer Anhänger dieser Rabbinerversammlung sein werde, .die auch nichts anderes bezweckt, als die Aufstellung reiner Glaubensprincipien, die Läuterung des Ceremonialgesetzes, die Veredlung des Gottesdienstes und die Erfüllung jenes großen Wortes eines Jasaja: „Volk,, welches in Finsternis wandelt, möge sehen ein großes Licht. Unter den Ausdrücken meiner vollkommenet^Hoch^^^ung^ habe ich Sie zu ersuchen, die obigen geehrten Mitbeteiligten von diesen meinen Gesinnungen gefälligst in Kenntniß setzen zu wollen. Crefeld, den 12. Mai 1846. L. Bodenheim er, Ober-Rabbiner. An die Herren Dr. Wetzlar u. J. Lev y, Wohlgeb. zu Aachen. Perfonnlchronik nnd Miseelle». Bremen. Unser Prof.We b er leidet am Krebsschaden. Was hat das mit den Spalten des Orients zu thun? werden Sie fragen. Rur gemach. Hören Sie, wie weit es ein Professor, der an den antiken Gestalten von Römern und Griechen sich herangebildet, in der Humanität, in der Elementarlehre eines gebildeten Mannes bringen kann. Doch ich muß auf die Krankheit des Herrn Prof, zurückkommen. Der ewig sprudelnde Quell des Humors hatte Hrn. Prof. Weber einen Trunk-gereicht, in dem einige Tropfen animalischer Rücksichtslosigkeit sich befanden. Diesen labenden Trank, den Hr. Prof. Weber „die Krebse des Alter" nannte, wollte, er den Dresdener Philologen vorsetzen — und sieh' da, er — d. h. der Trank — wollte den anwesenden Philologen nicht münden. Hr. Prof. Weber hat nun eine Dosis'Galle in den humoristischen Trank geworfen und ihn den Lesern der „Jahrbücher der Gegenwart^ aufgetischt.. Prosit\ Der Herr Prof, ärgert sich, daß so viele Judengesichter seinen Scharfblick treffen, das Rabbinenthum wollte ihm nicht behagen und püle - melv greift er die ganze Versammlung an. Herr Prof. Weber hätte aber von den Rabbinen etwas lernen können. Diese sagen nämlich, „wenn zwei dich — nennen, so lege einen Zaum an; Hr. Weber ist zweimal mit seiner Abhandlung abgewiesen worden. Hr.Pros. ist gewiß unter dem Sternbilde des Krebses geboren worden. Verlag von C. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nage l.