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Der Orient · 1846-05-28 · Heft 22 (28.5.1846) · p. Seite 172

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 22 (28.5.1846)
Date
1846-05-28
Page
Seite 172 (sequence 15)
Language
German
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- 174 - socialen Zustände verspricht*). -Sie erlauben mir darum einen zuverlässigen Bericht, soweit ich mich zu unterrichten Gelegenheit finden werde, von Zeit zu Zeit Ihnen zusenden zu dürfen; ich hoffe den Lesern Ihres geschätzten Blattes damit einen Dienst zu erweisen. Das Bcdürfuiß, den Sinn der Juden auf den Ackerbau hinzulenken., und ihnen in diesem einen ehrenden Nahruugszweig zu eröffnen, ist ein so allgemein gefühltes und anerkanntes, daß es wohl nichterst einer weitern Auseinandersetzung bedarf. In Polen und Rußland ist es fast der einzige Rettungsanker der dort gemißhandelten Juden. -Verwendungen anderer Art, so viel Anerkennung sie auch verdienen, sind doch nur Palliativmittet und fuhren weder in ihren politischen, noch in ihren socialen und religiösen Zuständen eine Radikaleur herbei. - Eine allgemeine Auswanderung ist aber bei den vorherrschenden Verhältnissen eine reine Chimäre und unausführbar. Nur die Erweckung einer bürgerlichen, den Ansprüchen des Staates entsprechende Th'ätigkeit, kann den Unglücklichen Erleichterung ihres grenzenlosen Elends bringen. Aber auch nicht viel weniger fordern die Verhältnisse unserer Provinz dringend genug, daß Schritte für die Beförderung des Ackerbaues geschehen. Auch hier herrscht leider unter den Juden große Nvth, es find ihrer zu viele in kleinen Städten zusammen gepfercht, als daß Sie sich gut und redlich'ernähren könnten. Die Aus-' Wanderungen aus der hiesigen Gegend beweise^ dieses zur Genüge. Und die Ehre der ganzen Jndenheit fordert es nicht mindert; nützliche Beschäftigungen zugäng- - lich zu machen, 'und den schändenden Kleinhandel zu entfernen.- Unser würdiger Oberrabbiner, stillwirkend und mit'Kraft ausdauernd,, hatte darum schon vor zwei Jahren den Plan gefaßt Ackerbäukolonien zu gründen und die geeigneten Schritte theils selbst gethan, theils durch seinen Schwiegersohn den Dr. Hirsch seid thun lassen. Verschwiegenheit war, sollte das Unternehmen Fortgang haben vor Allem nothwendig, weil durch ein frühzeitiges Auöposaunen. dasselbe wie viele andere Vornahmen im ' Keime erstickt wäre, und deßhalb habe ich von den anstrenge ll den Vorarbeiten, die erforderlich waren, Ihnen auch keinen Bericht zukommen lassen, und Stillschweigen .*) Ein Bericht datirt aus Posen, wie der Inhalt aber, die Lobeserhebungen der Kostener jüdischen Zustände, deutlich beweisen, anderwärts angefertigt, brachte zwar einige Bemerkungen darüber; sie waren aber viel zu oberflächlich und nur persönlich, als daß es sich lohnte darauf zurückzukommen; ihr Ton verrieth ihren Ursprung und sie sprechen sich selbst das Urtheil. Schmähungen solcher Art und ganz in derselben Form sind schon einmal aus dem Eldorado des Judenthums ausgegangen, ihre beste Widerlegung ist Stillschweigen, wer da lästert, lästert zunächst sich selbst, und durch den Ladel Anderer, kommt Niemands zu Ehren. Es ist darum zu bedauern, daß gewisse Celebcitäten keinen andern Weg zur Unsterblichkeit finden, als den Schimpf'gegen einen ehrwürdig n Greis; das -schafft doch nur einen herostratischen Ruf. D. E. über das ganze Verhältniß beobachtet. Nach langen Verhandlungen um durch die geregelte Verwaltung unserer vaterländischen Behörden das Unternehmen zu führen und unter Preußens Schutz für die weitern Vorbereitungen desselben nach den östlichen Ländern einen Anfangspunkt zu gewinnen, schien cs endlich gerätheri, vorläufig sich nur ans die Kolonisation derPosner Juden zu beschränken; es sollte dann von hier aus die fernere Kolonisation geleitet werden, und die Kolonien auch in andern Gegenden unter Komitees, die sich der vaterländischen Anerkennung erfreneten, unmittelbar stehen n. wie die desfallsigen Gesuche zur Gründung von Kolonien für dcnAckerban in hiesigek Provinz Anerkennung finden. Die Allerhöchste Anerkennung und eine Allerhöchste Resolution verspricht alle Förderung durch die Behörden. In Folge dessen hat sich unter Protektorat des Herrn Oberpräsidenten v.Beurmann und unter Vorsitz des Oberrabbiners ein Verein gebildet, aus den achtbarsten Gemeindemitgliedern, an welcher auch unser unermüdlicher, für das Wohl der Menschheit rasttosstrebender Polizei-Präsident von Minute l i sich bctheitigt. Derselbe ist jetzt in voller Thätigkcit, die Erfolge seiner Bemühungen sind wahrhaft über alle Erwartungen groß. Es herrscht eii, förmlicher Enthusiasmus für das Unternehme!: in unserer Provinz. Hochgestellte Christen wie Juden betheilig cn sich dabei. Bis zum 1. Mai, noch ehe das Unternehmen ganz bekannt war, haben sich 1064 Familien mit. den heiligsten Versprechungen auszudauern und emsig zu arbeiten gemeldet, 64 Familienväter wollen bewegliches und unbewegliches Jnventarinm nach Angabe des Vereins sich selbst ans eignen Mitteln beschaffen, worunter noch Viele außerdem an die Vereinskasse für die Unbemittelten beitragen wollen. Mehrere Hunderte wollen theils die Hälfte, theils ein Dritttheil der Kosten der Anschaffung aus eigenen Mitteln decken. Essollen nämlich inuner 20—30 Kolonisten zusammenwohnen, mn Gemeindebedürfnisse, als Unterricht der Kinder und Kultusangelegenheit leichter bestreiten zu können. Es fehlt also nur, daß die Mittel für die Armen beschafft werden, welche zum Theit als Anlehen in Vorschüßen, die allmälig'nach einem Tilgungsplan amortistrt werden sollen, zum Theil als Gaben verabreicht werden muffen. Soll das Werk noch weiter gedeihen , darf die Theilnahme nicht fehlen. Es ist hier Gelegenheit geboten, wo jeder nach Kräften beitragen kann; denn Kleines wie Großes wird angenommen und da Portofreiheit laut Reskript d. d. '14. März 1846 für die ganze Monarchie gewährt wurde, so ist ohne allen Kostenaufwand das Wohlthun möglich; es ist eine Gelegenheit, wo man neben der Mildthätigkeit den armen Familien Brod schafft, zugleich die Ehre unserer Nation rettet;'nämlich damit die Wett überzeugt sei, daß der Jude die Arbeit nicht scheut. Wir hoffen auch, daß der WohlthätigkeLtsflnn unseres Volkes

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