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Der Orient · 1846-05-28 · Heft 22 (28.5.1846) · p. Seite 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 22 (28.5.1846)
Date
1846-05-28
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
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169 Punkt, des sowohl von innen als außen so schön hergerichtcten, mit einem Marmor, ans dem in-vergoldeten Buchstaben die Jahreszahl der Gründung, die Chebra ff. eingegrabcn, über dein Portal prangenden ccmon rrD, daß das Herz jedes Vorüberziehenden Orthodoxen mit Freude, Wonne und Hochgenuß erfüllen muß, kräftig trotzig ihr Haupt l Sehet, wie v e rä ch t l i ch sic auf Euch und Euere Bildung herabblicken! Könnt Ihr das ertragen? Sehet, kaum. war von einem W'iim rP3 die Rede, so sielen von alten Seiten Beiträge. Der eine gab Geld, der andere lies Steine führen, der dritte schenkte Holz, der vierte ließ eine ganze Wand aufführen, der fünfte schickte seine Unterthanen ff. Im Mai legte man den Grundstein, im Deeember war daS Gebäude fertig. Weil es bei diesen Leuten Ernst um die Sache war', weil sie hochbegeistert dorr einer religiösen Idee Hand ans Werk legten, weit sie bles ein Institut haben, für Jedermann, gleichviel ob arm oder reich, haben wollten. Und bei ihrer Schule — wie sah eö dort ganz anders aus! Dort nahm man nicht dem Armen die Betten weg — wie Ihr es gethan, und dennoch zur Zeit noch nicht gezahlt — um die Hrn. Lehrer zu befriedigen; vielmehr hat der Gründer jener Schule bedeutende.Summen ausständig. — Der Grund der Sache ist, der Orthodoxe hat zwei kräftige Stützpunkte, t)ic er bei all seinem Thun und Lassen fest hält, zwei Momente, die die ganze Bedeutung seines Leberts ausfüllen : sie heißen nw Md und Dt£/rfW?n.' Während Erstes ihn zu den unglaublichsten Unternehmungen anspornt, und' einmal angefangen, nicht eher abläßt, bis er durchgcführt, was er beabsichtiget, hält ihn Letzteres von so Vielem zurück. Der Schnurbart-Neolog, der Hon- Gebildete kennt weder das Erstere noch beachtet er das Letztere. Ihm ist sein eigenes Ich das Centrnm, um das sich die Peripherie aller seiner Handlungen kreiset — aus sich selbst ausgehet und in sich selbst verlieret! — Wenn dieser Artikel meinem Dresdner Landsmann zu lang sein sollte, so bedenke er, daß derselbe rrach ungarischem Etlenmaaß gemessen wurde. —- Auch, beiläufig gesagt, scheinen die Gründer, oder vielmehr die Einrichter der Schute in Kaschau, gleichzeitig mit der hiesigen cntstarrden, die aber kaum eine Lebensdauer von fünf Monaten erreicht, wenn nicht der spätem Nachwelt- —- doch der Mitwelt eine kleine Verantwortlichkeit schuldig geblieben zu sein. — Hingegen besteht in Somos, einem kleinen Dorfe auf der Straße von Kaschau nach Eperies, von der Familie Schwarz gegründet unter Leitung deö Hrn.Dav. Schwarz eine, wenn nicht stark besuchte, doch schon seit zwei Jahren bestehende Schule, die wohl , wenn nicht auch hier die jüdische Gewohnheit, der hemmende Lehrerwechsel stnttgefunden, und ein Wenig mehr pädagogisches Wissen, die hin und wieder zu stark ln die Augen springende Flecken auszumerzen verstünde, einst einen bedeutenden' Wirkungskreis sich zu erfreuen haben dürste. — Auch in Lemesan, einem Nachbardorfe, besteht seit sechs Monaten eine Schule., wenn man viele Kinder unter Leitung eines Lehrers, der eine wahre. Parodie des Lehrerstandes, unter aller Kritik ist, mit hem Namen belegen darf! Von S. A. Ujhely vernehmen wir, daß die Attsschafsung des dortigen polnischen Rabbinen von der löbl. Komitats-Behörde faktisch beschlossen worden sei. Prag, 3-. April. Von der Ehrlichkeit scheinen die Reformer eine eigene Ansicht zu haben; wahrscheinlich ist sie von ihnen ebenfalls in den Kreis der Reform gezogen worden. Die alte rigoristische Meinung, die jede Falschheit und jeden Trug fanatisch verketzerte, verträgt sich nicht mehr mit dem Geiste der Zeit; das Leben, das mit ihr so oft in Kollision geräth, hat nicht wieder feine Ansprüche an uns; darum muß auch die Lehre von der Ehrlichkeit modifieirt, mit dem Leben der Gegenwart in Einklang gebracht werden. Nur durch einen solchen Riesenfortschritt lassen sich viele Erscheinungen im Lager der jüdischen Lichtmänner erklären, nur durch eine solche aller Halbheit feindliche Konsequenz ist die Gleichgültigkeit begreiflich, mit der die Männer der Bewegung ohne Bedenken zur Verdrehung und zur Täuschung greifen, so ste nur ihrem Zwecke förderlich ist. Die bornirte Orthodoxie, die starrgläubig an dem Buchstaben npty “D1D hängt und an dem ftnftevu Talmud, der jede und auch die unschädlichste Hintergehung untersagt 'ronn njn i^dn niyonb, die kann sich freilich noch nicht des Gedankens entschlagen, daß Redlichkeit und Wahrhaftigkeit die Grundfäulen der Welt wären, und glaubt solche auch von der Neologie, in dein Kampfe, den Letztere gegen sie führt, fordern zu können. O, die heilige Einfalt! Von solch einem Denkgläubigcn, der schon längst den Köhlerglauben an die Pflicht der Wahrhaftigkeit überwunden, lesen wir im „Israelit" Nr. 12 einen Artikel aus Prag, die Vorträge des Hrn. Dr. Wessely betreffend. Zwar scheint es der dortige Berichterstatter sehr gut mit uns Pragern zu meinen; wir wurden so oft'im „Israelit" NückschrittSmänner, Obskuranten, beschränkt und befangen geschimpft und gescholten, daß der gutmüthige Mann uns einen wahren Freundschaftsdienst zu erzeigen glaubte, wenn er eine schickliche Gelegenheit nicht vorübergehcn ließ, auch unserer Gemeinde tn den Augen des Auslandes einen Reformgeist anzudichten. Und so wird von den Vorträgen des Herrn Dr. Wessely und dem allgemeinen Anklang, den solche in unserer Gemeinde wirklich finden ans eine Weise gesprochen, als ob es sich in den erwähnten Vorträgen wenigstens um die Abschaffung des Ceremonialgesetzes handelte, und die eben dazu längst inklinirte öffentliche Meinung die

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