Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 21 (21.5.1846)
- Date
- 1846-05-21
- Page
- Spalte 329-330 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/8555529-9897631-9897654--4509-3532254- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
329 Studien. Literarische Analekten. die erste Person der Jude. Es ist doch unverkennbar., daß dieser Nathgeber von einem ergrauten Judenhaß, oder eigentlich Chriftenhaß gegen die Juden aufgeblasen ist. Und dies erbärmliche Aggregat ist ein Produkt aus der Mitte unseres so aufgeklärten und civilisirten 19. Jahrhunderts! — Und wie schamlos widerspricht dieser Anonymus, seinen in heuchlerischer Frömmigkeit angeführten Texten, in denen es unter andern heißt: „Entfernen wir aus unserem Sinn e, au s unserem Leben, aus un seren Hause r n, a u s unfern Gemeinden Alles was Gott dem Al l.m a ch t i ge n m i s f ä l l t u n d w e ß w e g e n w i r von der allmächtigen Hand seiner Gerechtigkeit gestraft zu werden verdienen". Was »kann wohl Gott misfälliger fein , frag ich, als wenn ein Individuum einer herrschenden Nation eine andere gedrückte öffentlich verleumderischer Weise und unverdient anfeindet, da der Gott der Barmherzigkeit auch der Vater aller Erdensöhne ist? — Ist dieser unberufene Nathgeber diesem von ihm selbst angeführten Spruche nur in Etwas nachgekommen? Hat er auch aus seinem Sinne aus seinem Leben oder Herzen Alles entfernt, was Gott misfällig ist? — oder hat er nicht mit verstellter Bosheit diesen Spruch verspottet? Und verdient er nicht, wie er sich selbst das Unheil gesprochen, daß er von der allmächtigen Hand der göttlichen Gerechtigkeit gestraft werde? — Eben so zeigt uns der edle Nathgeber, daß er mit der bereits angeführten Stelle: „Ich hasse die Juden nicht, denn sie sind unsere Nächsten und der Haff ist eine Sünde" in solchem Kontraste steht, wie Nacht gegen Tag. Ich frage hieraus: führt er in diesem Schristchcn die Sprache der Nächstenliebe oder des Nationalhaffes? und ist dieser Skribent nicht selbst dadurch ein Sünder? — Und was anbelangt den Haupt- oder Drehpunkt seines Aufsatzes, den Getreidehandet, gegen dessen wucherischen Verkehr er so eifrig warnet — ist er nicht von der österreichischen Regierung erlaubt, oder kann gar der Handel mit einem so unentbehrlichen Lebensbedarf, wie das Getreide, beschränkt werden? Und beschäftigen sich nicht viel mehr Christen als Israeliten mit dem Getreidehandel? Ganz gewiß die ersternz denn diese sind doch als Herrschaften oder Bauern die Besitzer des Getreides. Wer aber, muß ich abermals fragen, kann Jemand zwingen ihm sein Getreide zu verkaufen, wenn der Verkäufer es nicht gutwillig verkaufen will? Haben sie es aber erworben, um es selbst zu verzehren, oder es den Insekten, Mäusen oder sonst verderblichen Einflüssen Preis zu geben? Und wer besitzt denn mehr Menschenliebe und Uneigennützigkeit, Jener der zur Zeit der Noth bas Getreide bald verkauft, oder jener der es aufbewahrt? Ganz gewiß ist es der wucherische Getreidehändler, der das Getreide zurückha'lt, um bei größerer Noth einen höhern Preis seiner gesuchten Waare zu erzielen. Und doch sagt dieser superkluge Rathgeber „daher rathe ich euch und bitte euch noch einmal, behaltet das Getreide in euern Händen und verkaufet nicht ein 330 Körnlein an die Juden, an die Wucheren Wenn aber der Getreidebesitzer mit dem Verkaufe desselben zufrieden ist, so ist es ja gleichviel ob Jude oder Christ der Käufer ist. Noch weiter sagt der Anonymus „Aber ich weiß auch sehr wohl, daß euch die Juden (da spricht er nur von Juden allein) nicht so ganz in ihrer Macht hätten, wenn ihr dem guten Rathe eures Verstandes besser nachgekommen wäret".: Dem guten Rath seines Verstandes soll jeder folgen der Verstand hat, was kaum bei unfern anonymen Prediger der Fall ist. Wie kann er aber von Macht sprechen, da die israel. Unterthanen in unfern Staaten noch so sehr beschränkt sind, daß die allermeisten recht froh sind bei ihrem erlaubtem Gewerbe, nur ihr Leben erhalten zu können. Ich könnte noch mehr dergleichen Stellen anführen, wenn die angeführten nicht schon hinreichend wären, den Charakter dieser Geburt zu bezeichnen. Heißt das aber im Geiste Christi predigen, der doch zu seinen Grundsätze hatte: „Liebet eure Feinde"? Um wie vielmehr soll man seine Nebenmenschen lieben, die nicht unsere Feinde sind. Daß dieses Schriftchen in wahrer Form einer Rustikalpredjgt für eine Dorfgemeinde geschrieben ist, wird jeder einsichtsvolle Leser erkennen. Jedoch die königlicheHauptstadt Prag ist kein Dorf, und seine Bewohner sind keine Bauern. Dieser haßerfüllte Prediger facht aber nur Feindschaft und Unduldsamkeit zwischen zwei Konfessionen in einem Staate an, die friedlich und freundlich neben einander leben sollen und können , ja deren beiderseitiger Vor.theil es erheischt, freundschaftlich neben einander zu leben. Es ist nun unläugbar wahr, daß dieser erbärmliche Rachgeber dieses Schriftchen für den D r u ck geschrieben hat, und da es einmal gedruckt wurde, so wünsch ich herzlich, daß es zu keinem ferneren Druck Anlaß geben möge. Jedoch die edlen und humanen Gesinnungen der österreichischen Regierung sind zu erhaben über die Misgeburt der Feder eines gallsüchtigen Skribenten, und gewiß wird sie noch ferner die israelitischen treuen Unterthanen unter ihrer mächtig schützende Aegide schirmen. Prag, 1846. U. Z. Literarische Analekten. Im Literaturblatt Nr. 12 bemerkt Herr L., daß bereits ■>Vl nDD 3 d. (Die anderen Stellen beweisen nichts deutlich) die Ansicht ausgesprochen, bniDD und -)D1D nrpy fei identisch, welche Ansicht von 'oin das. aufs entschiedenste bekämpft wird, und daß mir dies entgangen sei. Ich gestehe, daß mir dies, (weil mir pci) 'Din von früher im Gedächtnisse war, und ich den Gegenstand nicht näher untersucht) entgangen ist, und fühle mich H. L. für diesen Nachweis verpflichtet. Wenn H. L. aber meint, daß demnach bei 'Din von einer Jdentisicirung nicht die Rede