Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 21 (21.5.1846)
- Date
- 1846-05-21
- Page
- Spalte 327-328 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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328 Kritiken. Ein Prager Anonymus gegen die Juden. .327 der großen -Anzahl neuer Derivationen'aus biblischen Stäm men hat der Vers. - in §♦ 12 einige fernliegende als Beispiel ausgestellt. Hinzuzufügen ist zu der gegebenen Ableitung von WiflN?. als ein Kuriosum, daß Maimuni (Kiduschin 1, 5) als Stammwort hat, weil die unbeweglichen Güter hypothesirt werden, so hat die Mischna für unbewegliche Güter überhaupt den Ausdruck Qn^' VJW;Dm3 —mypnp nnn^ und für bewegliche nnnN Cnb)^t<!/D,'DDl=‘l^D^D- Die Ausdrücke von ))p">p und finden sich übrigens in Mischna Sanhrdrin 1, 3 unb ni^p^ipV in Schebuot 6, 4. Nach Aruch ist nv'NNbr — dem biblischen tONfl, welches der Largum mit übersetzt. — Zu ist .zu bemerken, daß dieses die chald. Uebers. von ist. Die Ableitung nV'T), Regen, vor ym, hat der Salm.; Taanit 6 b. Das Zeitwort welches derVxrf. ohne Quellenangabe als von abstammend anführt, findet sich unseres Wissens nicht in der Mischna, und nur im Jerusch. Joma 14 b nach einer Lescart, die nur der Aruch (R. hat, in unseren Ausgaben lesen wir ("pp^QD 11N!2QD, wie mit einer Peitsche (ol. Aruch NpItOft). Der babylonische Lalmnd (Joma 59) hat ^1.1^1). — Von j^d' hebt der Vers. die Form hervor, eine seltenere Form hat die Mischna (Demai 1, 1) nwMON, die Ueberreifen. (Fortsetzung folgt.) 20) Beurtheilung eines Flugschriftchens, betitelt: „Guter ' Rath zur Zeit der Noth; ein treues Wort an meine Landsleute^. Herausgegeben von einem Anonymus im . , Januar. 1846 aus der Erzbischöfl. Buchdruckerei in Prag. (Schluß.) Nun zieht der guteRarhgeber gegen den so geliebten Branntwein los und wirft seinen Landsleuten mit Recht vor, daß keine Taufe, kein Begräbniß, keine Hochzeit, Handel oder Unterhaltung Statt finden könne— ohne Branntwein. Dieser Vorwurf ist zwar nicht älter als die Welt, jedoch so alt als Czechen den Branntwein kennen lernten. Ferner rügt er, daß die Branntweinbrennereien uns'die wichtigsten Nahrungsstoffe das Getreide und die Erdäpfel verzehren. Diese Rüge ist wirklich wahr und verdient allgemeine Beachtung. Ferner sagt der Anonymus „Wird nicht der Jude oder wer sonst Branntweinbren ner ist, a ufh ören m.ü ssen Branntwein Z uberei t en, wenn ihr aufhöret ihn zu trinken und zu bezahlen? An dem Branntweintrinken, an diesem wilden Dämon scheiterten alle wohlgemeinten und besten Predigten, umsomehr ein solches Aggregat; hingegen das Aushören den Branntwein zu bezahlen, das ist 11) Raschi zu Joma 15 a wußte die Abstammung dieses Wortes nicht jnü yh der Targum Jonatan auf M'' hat aber schon dieses Wort in der Bedeutung von schlagen nvpp^ nn nom , welches Targum Raschi bekanntlich nicht hatte. ein überflüssiger. Rath, dessen haben sich viele Säufer längst schon bedient. Wer die Statistik der Branntweinbrennereien in und außer Böhmen kennt, wird wissen, daß sich weit mehrNichtisraeliten d. h. Adelige als Israeliten, mit denselben beschäftigen; daher befördern die erstern, weit mehr als die letztern, das Saufen, die Trunkenheit und die Verschwendung unter dem Volke. Der Anonymus sagt weiter „Njemand kann euch zwingen den B ra n n t w e k n a bzu ka u f e n^. Welcher Branntweinbrenner, frag'ich, hat noch die Leute gezwungen, Branntwein bei ihm zu kaufen? Welch' ein kluger Rathgeber! Und wo braucht es eines Zwanges zum Branntwein trinken, wo die Säufer sich nicht dem Zwange unterziehen können, ihn nicht zu trinken? Ferner sagt der Prediger „Was ihr aber entbehren könnt, meine Lieben! das lasset weg, das kaufet n icht, das sehet e u ch n i ch t e i n m a l a n, so sehreuch auch der Jude oder sonstwer, dazu bereden will^. Ich bemerke hierauf, daß dieser Prediger, entweder nicht weiß oder nicht wissen will, wie es im Handel unter Christen und Juden aussieht; sonst wüßte er, daß Christen, denen das Geld zu ihren Bedürfnissen mangelt, alltäglich zu den Juden kommen oder um sie schicken und sie recht angelegentlich bitten, um ein baares Darlehen, oder um Kleiderstoffe u. dgl., ihnen somit einen später bereuten Kredit zu gewähren. Und wie oft helfen die Israeliten so vielen ihrer Bedrücker aus Noch und Verlegenheit! Der Anonymus spricht dann gegen den überflüssigen Pütz und Aufwand in unfern schlechten Zeiten. Damit hat er zwar recht, aber nur von Seiten der Konsumenten, aber von Seiten der Modewaarenhändler nicht so, denn diese leben nur von Putz und Aufwand. Ferner sagt der gute Rathgeber „J.ch hasse die Juden nicht; denn sie sind unsere Nächsten und der Haß ist eine Sünde". Welch brillanter Styl! Jedoch ist dies'abermals eine Stelle, gegen welche der Rathgeber sich selbst schwer versündiget. Er predigt ferner „Den Juden oder wer sonst dergleichen herumträgt .unb eud) anrühmt, den lasset nicht nieder setzen in eurer Stube, dem gestattet nich t, daß er seinen Bündel bei euch ab lege, dem erlaubt nicht, daß er eure Schwelle überschreite, sonst werdet ihr ihm Putzwerk und andere Nichtigkeiten mit dem unentbehrlichen Lebe ns bedarf bezahlen müsse n". Einige Zeilen weiter finden wir „J.h r müsset ^g^wissenh aft d afür sorg en , daß der Jude, der Spekulant und Wucherer sich eures Getreides nicht bemächtigt, um es auf seinem Kornb öden zu versperren oder ins Ausland zu verführen". .Welcher gutgesinnte unbefangene Leser kann diese, in solch' trivialen Ausdrücken nur Haß und Bosheit anfachenden War- - nungen eines stillgrimmigen Skribenten lesen, ohne von innigstem Unwillen und Abscheu durchdrungen zu werden? Wo er nur eine Warnung vor gewissenloser Gewinnsucht ausstößt ist