Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1846)
- Date
- 1846-05-21
- Page
- Seite 159 (sequence 5)
- Language
- German
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einmal fallen, bic* uns im Leben von den Christen trennen" äußerte derselbe. Diesem kosmopolitischen Vorschlag widersetzten sich jedoch' sämmliche Anwesende, nur der, Rabbiner schwieg bedeutungsvoll. z. Kvotoschin, 6. Mai. Die Streitigkeiten in der hiesigen israelitischen Gemeinde in Betreff der liturgischen Neuerungen sehen einer baldigere friedlicher: Losung entgegen. Dazu trägt die wohl ansgedachte, crufl rnahuetlde gutachtliche Entscheidung des Oberrabbiners Dr. Frankel viel bei. Bekanntlich opponirten sich eirüge Rigorosen gegen die vom Vorstand eigenmächtig eingesührte Synagogen-Ordnurrg urrd führten dagegen bei dem landräthlichcn Amte Beschwerde. Das von Dr. .Geiger eingeholte Gutachten befriedigte die Beschwerdeführer nicht, urrd sie wandten sich an die Regiermrg, welche ihre Jnkornpetenz n::d ihre Neutralität in Sachen des Gewissens eiugesteherrd, den Vorstand ermahnte, den Willen der Gemeinde mehr zu berücksichtigen. Dadurch war den Opponenten Thur und Thor geöffnet und sie gedachten diesen Triumph zu benutzen, der: alter: Schlendrian im Bethause wieder vorwatten zu (affen. Der Vorstand aber wandte sich in dieser Verlegenheit an das Dresdner und Berlirrer Rabbinat, sie um gutachtlichen Rath bittend. Bisher ist aber nur das Votum des Dr. Frankel eiugelanfen. Das ernste Wort dieses würdigen, durch Wissenschaft urrd Charakter Vertrauet: genießenden Theologen imponirte selbst den Hyperorthodo.ren, seine eindringliche Mahnung, jetzt mehr denn je die Einhelligkeit und Eintracht in den Gemeinden zu wahren , sich vor Entzweiung und Sektirnng zu hüten, machte einer: bleibender: Eindruck ur:d es ist zu hoffen, daß seine liturgische Norm ohne Opposition bei der nächsten Berathnng angenommen und angeführt werden wird. (B. Z.) Breslau, 5. Mai. Mag Herr Geiger sich noch so sehr..bemühen, all die bunten Fetzer: wieder zu sammeln, um daraus einen neuen Vorhang herzustelle», mag er mit noch so unbefangener'Miene die nunmehr durch eigene Schuld so schadhaft gewordene Larve der Frömmigkeit zu übertünchen suchen, — es kann und soll ihm nicht wieder gelingen. Der Riß erweitert sich vielmehr, die Wunden klaffen immer tiefer auseinander und bald wird die Wahrheit die täuschenden Nebelbilder und hüpfenden Irrlichter gänzlich zertheilt und versprengt haben. Da hat man an den Verfasser der ^Sendschreiben von der Mehrzahl ,unserer Jsraelltengerneindc" eine Adresse ergehen lassen, in der man wieder, von positive u: Glauben und den: G eist d er O ffen b aru n g spricht, und .Jenen der Inkonsequenz m:d des unberufenen Auftretens im Namen der Mehrheit unserer Jsraeten-Gemeinde beschuldigt. Doch die wackere Mehrzahl laßt' sich nicht, abschrecken und erklärt in würdigen: Ernst in unseren TageSblättern, daß sie „zu seiner Zeit und am gehörigen Orte schon Nachweisen wird, daß sie wirklich ist, wofür sie sich giebt: die große Mehrzahl re." In der That soll ein Protest gegen die „willkürlicheVcrfahrnttgsweise bei dem Einführen der deutschen Lieder und sonstiger Reformen im Gottesdienste von Seiten unseres Seelenhirten und des ihm zur Seite stehenden Borstehcrkollegnuns vorliegen. Die Zahl der Unterschriften soll schon sehr bedeutend sein und es unterliegt keinem Zweifel, daß dieselbe sich noch bedeutend vergrößern wird, wenn all die guten Vorsätze und Absichten unseres geistlichen Oberhauptes und . der winzigen Schaar unserer Reformer wirklich binnen. Kurzem zur That werden sollten. — Dürfer: wir unseren Angel: traner:, so finden wir, daß das ans der sechsten Seite jenes Drohbriefes, worin dem für die Mehrzahl auftretenden Dr. Freund ans eine etwas vermessene Weise Schweigen anferlegt wird, — Gesagte mit den: später erschienenen und weiter unten zu besprechenden Schristchen G.'s völlig übereinftimmt. Sehen wir G. '.einerseits mit bewmrderuttgöwnrdigen: nicht genug ztt lobenden: Eifer seine e i g e u c n Jntereffen als die der. Gesaulnttheit verthcidigen, seine Fehler und Widersprüche', ans die unschuldigste Weise von der Welt beschöniget:, so können wir unö doch eines ernstlichen Staunens über die gewiß absichtliche Selbsttäuschung desselben enthalten. Nach den: Hr. G. in diesem Schreiber wiederrün seine llebcreLnstimnnmg mit dem Berliner Refornlverein offen genug ausgesprochen und ungeachtet des Widerspruchs nüt der diabbinerwürde nach einigen: Sträuber: eingestanden, daß alles Cerelnoniett, das nicht mit einem-Male abgestreist werden kann, als Erstorbenes ans früherer Zeit gänzlich weggeräumt werden muffe — kann derselbe mit so kühnen: Selbstvertrauen sich die Zustimmung der großen Mehrzahl der Mitglieder der Breslauer Israeliten -Gemeinde znschreiben, .und in ihrem Namen die gegründeten von ihrer eigenen Bütte ausgehende:: Einsprüche nüt Recht zurückweisen? Nimmermehr! Man erwäge doch nur, wie gering selbst in Berlin, dem uralten Sitze der Abtrünnigkeit und radikalen Reformsucht, das Häuflein . derer ist, welche das von Geiger so gut geheißene Princip' der Vernichtung huldigen und nur G., als unser geistiges Oberhaupt wird es wissen, daß -unter, uns,- die wir noch. fast Alle vor: einem ernsten, religiösen Sin:: beseelt sind, und von denen leider der größere Th eil nur eine Zeitläng'durch optische Täuschungen verblendet wurde —^ sich noch weit Wertigere al§'dort zrl demselben verstehe:: werden! — Doch was greift ich unserem - wackeren Wortführer in 'beut „Sendschreiben" vor, von denen an: bevorstehender: Sonnabende das brüte; ausgegebm und das ohne Zweifel auch den Aktenstücken der McssiaSzeit einverleibt werden.wird. Ich begnüge mich, noch/den. weisen Rath, mit .welchem die -genugsam erwähnteAdresse..schließt, zu erwähnen , daß wir uns die Rabbiner wieder ans-Lithanen holen möch- 21 *