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Der Orient · 1846-05-21 · Heft 21 (21.5.1846) · p. Seite 158

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 21 (21.5.1846)
Date
1846-05-21
Page
Seite 158 (sequence 3)
Language
German
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— 158 — öffentliche jüdische Schulen, --- die von mm 400 Schülern besucht werden. Die Talrnnd-Tora-Schn.le und' die Israelitische Freischule unter Direktion'des Dr. E. Kl e Y, außerdem einige Privatanstalten. Zu letzterer: gehört auch die von Herrn Louis Simon vor kaum einem halben Jahre begründete Lehranstalt, mit welcher eine Pension in Verbindung steht, und deren kräftiges Emporstreben zu der: schönster: Resultater: berechtigt. Diese' junge Anstalt erfreuete sich in und außer. Hainburg der regsten Theilnahlne urrd hat sich bereits, einen fthrUgün-? stigen Ruf erworben, der sich unter so kräftiger Leiturrg immer mehr erweitern wird. Außerdem hat Hamburg zwei jüdische- Mädchenschulen, die ebenfalls sehr nützlich wirken. Ein zweites neues Unternehmen der Tempelgemeinde ist die Begründung einer Terr: p e t b i b li o th e k, wozu ' in dieser: Tagen Aufforderungen an alle Mitglieder versandt wurden. —> l So eben erhalte ich von der Hcroldschen Buchhandlung eine Broschüre zugesandt, die den Titel führt: „Offenes Sendschreiben an Dr. Stern in Berlin". Ueber den Inhalt desselben kann ich noch nicht berichten, und will auch deshalb meinen Bericht nicht verzögern. Die Heroldsche Buchhandlung verlegt auch den Zionswächter. —n. .Z Kassel, 10. Mai. Wir haben Fessel gehört und noch einmal gehört; aber da ist^nur eine Stimme in unserer Gemeinde : „Möchten wir Hu nicht zum letzter: Male gehört haben"! Und das will hier viel sagen. Wir sind hier Kenner, die Praxis hat uns zu Meistern gemacht, an der Creme deutscher Prediger haben wir. unser Urtheil zu üben. Gelegenheit gehabt. Wir haben die Reform, der: Stillstand und den langsamen Fortschritt anprcisen hören, wir sahen Rabbiner in Fracks wie in.Tataren, in Baretter: und Käppchen, großen und-kleinen, sahen die Kanzel beschleichen und bestürmen, kurz uns macht man kein & für ein U mehr vor. Nur: sahen wir jetzt einen Mann, einen so einfachen, schlichten Manu, daß diejenigen, welche ihn noch nicht näher kennen gelernt hatten, fragen mußten: Wo steckt denn da der Rabbiner, der Prediger? Ja, da war auf allen Gesichtern zu lesen n? ttyw HO. Aber als er nun gesprochen, so ehrlich, so wahr, so überzeugend uns gezeigt hatte, was uns fehlt und waS noth thne; da hörte jeder gleichsam eine Stimme Gottes in sich rufen: Auf und salbe ihn, denn dieser iffs. Wir sind nicht im Stande über den Inhalt der beiden , von ihm gehaltenen Predigten zu referiren, aber wir fühlen es tief, daß sie die brennendste Wunde unsres religiösen Eemüthes geheilt, daß sie uns mit uns selber und mit allen unsren Brüdern versöhnt hahen. — Ginge hier Wahl und Bestätigung von der Gemeinde aus, Fasset .wäre bereits unser Rabbiner; aber unser Vorsteheramt, dessen weises Zaudern bisher nur zu loben war möge dieseslnal die Volksstinune ja nicht zu geringe anschlagen, es wird ihm schwer halten uns zu befriedigen , wenn es uns nicht giebt, was es uns hat koste:: lassen und was uns so gut geschmeckt -hat. Wir verkennen keineSwegeS die große Veratttwortlichkelt, welche .ftinArnt in Dieser Sache ihm auftegt, aber-wir meinen, daß Fasselö bewährte Gelehrsamkeit, Tüchtigkeit und mehrjährige, befriedigende Wirksamkeit in allen Branchen seines Faches jedes ängstliche Bedenken beseitigen könnend BreslirZi, 12. Mai. Diesmal beginne ich meine -Korrespondenz mit einem Dement: und zwar mit einem Dementi meiner eigenen Angabe, und ich freue mich über die erwiesene Unrichtigkeit meines Berichtes mehr als über dessen Thatsächlichkeit. In Nr. 19 des Orient habe ich Ihnen geschrieben, daß den hiesigen Armen die gewöhnliche Portion rruiD diesmal entzogen worden, das aber, war unrichtig. Es hatte allerdings vor den Feiertagen den Anschein, als wenn die Austheilnng der Mazz o t eben so gut als die wöchentliche Unterstützung geschtnälert werden sollte; denn die Finanzen der . Gemeindekasse sowohl als die der vVDD sind tut höchsten Grade zerrüttet. Auch jammerten vor den Feiertagen die Armen gar sehr über diese trostlose. Aussicht» Allein hierbei bewährte sich der unermüdliche MildthätigkeitSsinu unsrer Genteiude, der jauuntliche Parteien zu den größten Anstrengungen anfeierte. — Sonst aber ist der Zustand der hiesigen Gemeinde noch immer ein trüber, man fühlt allgemein, diese umtatürliche Spannung und Gereiztheit kann unmöglich. fortdanern, - Anarchie, Auflösung ist der vorherrschende Charakter, und jeder gesteht sich, daß nur durch Aufopferung einiger störend und auflösend wirkenden Persönlichkeiten, die alte Ordnung zurückkehren kann. Vielleicht wird die Finanzkrisis der Gemeinde, die allgemein gefühlt und bedauert wird, und wodurch die Armen in Hilflosigkeit gelassen werden, sie zu einer That stacheln. Dieser Tage war zu diesem Zwecke eine Versammlung aus Personen von allen Farben bestehend, eine Armenkasse unabhängig von dem Vorstande zu gründen , was aber vorläufig ohne Resultat geblieben ist. Die heillosen Räbbinerw irren kamen wieder dabei in die Ouere. — Die Raketen der Flugschriften Halten noch immer die Gemüther in Spannung.-' Dieser Tage ist wieder ein Pamphlet von: Stapel gelaufen : „Sendschreiben der großen Mehrzahl an sich selbst", welches in einen: ruhigen, gemessenen Tone die Thatsachen der jüngsten Vergangenheit recht anschaulich macht und daran die Aussichten für die nächste Zukunft knüpft. — Schließlich noch eine Anekdote. Be: der Versammlung des Vereins zum Behufe der Freitische für die Studirendcn, der erst ins Leben treten soll, schlug ein Mitglied, das der Reformgcnoffenschast angehört, vor, die Freitische für jüdische Studlrende an die der Universität anzuschließen: „die Schranke:: müssen

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