Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 20 (14.5.1846)
- Date
- 1846-05-14
- Page
- Spalte 315-316 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8555529-9897631-9897653--4501-3532237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
315 , Kurze Anzeigen. Dukes über die Mischnasprache. 316 derspruch zu beut Lehrsatz ysp;wyrv hx erscheint, eben so trägt er unverkennbar das Gepräge der mystischen Schule tu sich. ' Die mystische Schule aber mußte immer inehr Bereich im Judeuthum gewinnen, jemchr das Ceremonicll und die Askese an Ausdehnung zngenommen, rurd jede liturgische Erweiterung bei den Massen sogleich kanonische Giltigkeit gewonnen hat. -Man braucht nur dm Unlfang derübernommenen. Alltagögebete nur all ihren Anhängseln gegen die Gebetordnnng der Mischna zu vergleichen — mlsere Zeit-, Maß-, Raum- und Gefäß- Berechnung bei Fleisch- und Milch-Speisen, wobei sogar der Fall eintreten kann, daß zwei an einem Tische speisende Freunde ein Merkmal ihrer zeitweiligen Entfremdung anbringen müssen, gegen das. Zeitalter des Galiläers Rabbi Jose. — »iau vergleiche nur die einfache Weise, nrjt der selbst in der Gemara die Bereitung des ungegohrenen Brodes an dem Festtag selbst vorgetrageu wird , gegen das Riesengebirge von Vorschriften, welche dafür heut zu Tag bestehen, wo der kaum gezeugte Rabbi eines vielleicht mehr als progressiven Ortes mit modernem Talar am Leibe und kritischem Floskel im Munde zur Revue eilet, ob der Teig gerissen oder geschnitten wird. . Ein solcher Zustand heiliger Observanz kann nur in dem Hilfsherre mystischer Phantasiestücke seine Stütze suchen, rlnd dieses Hilfsheer ist nicht das erste und wird auch nicht das letzte sein, das sich zm.n Herrn seines Schützlings macht, und ihm zuletzt alle Freiheit raubt.; Wundern wir uns daher nicht über die uns von Augenzeugerr oder ihren nächsten Nachkourmen mitgetheilten Berichte, daß gerade diejenigen, welche früher mit gemüthlicher Fülle in der Menge strenger Observanzen für ihre lechzende Seele die Labung suchten, später zum SabbaLäismus sich gewandt — wundern wir uns nicht, daß Sabbatai Zebi selbst von dem Uebermaß seiner früher beobachteten Asketik unb Ceremonie zum Schöpfer eines Systems geworden ist, das nur im Sohar seinen Stützpunkt hat — wundern wir uns endlich nicht, daß ihm wie seinen Anhängern der Abfall vom Judenthum so leicht geworden ist. Kurze Anzeigen. 19) Die Sprache der Misch nah. Lexikographisch und grammatisch betrachtet, von E. Dukes. Eßlingen, in der E. Harburgerschen Buchdruckerei. 8. VN. 127 S. Seitdem die talmudische Wissenschaft bei einem großen Thcil unserer Zeitgenossen als Fachwissenschaft in den Hintergrund getreten, ist, und man dem ethischen und halachischen Gehalt des Talmuds, gleich den Gesetzen des Manu, nur einen antiquarischen Werth beilegt, ist es die Exegese und die sprachlichen Gebilde desselben, denen man eine besondere Aufmerksamkeit widmet. Man ist selbst christlicher Seits von dem frühern Irrthum zurückgckommen, daß der biblische Hebra'ismus nicht aus dem verwandten talmudischen Idiom zu erklären sei, und man kennt nunmehr eine traditionelte Kenntniß der hebräischen Sprache an, die sich in den nachbiblischen Schriften beurkundet; nur dem wenigen Gebrauch, den die neueren Sprachforscher von dem talmudischen Sprachschätze gemacht haben und dem Mangel an einem tieferen Eindringen in diese reiche Werkstätte der Fort- und Neubildungen der hebräischen Sprache ist so manches schiefe Urtbeil beizumeffen. Gesenius, der das althebräische Sprachgut, das sich im Talmud erhalten hat, als wichtige Quelle der hebräischen Wortforschung empfiehlt, wagt cs daher doch , den.Talmudisten falsche Auffassung« biblischer Wörter vorzuwerfen und führt als Beispiel an ^rD 'füc Ballen (Ies. 1. 852), wo die Rabbinen das 3 als radikal betrachten. Das exegetische Gewissen desselben läßt ihm jedoch diesen Beweis nicht apodiktisch hinstellen, und er sagt „es sei vielleicht nur aus falscher Auffassung entstanden" (vgl. Grätz LB. d. Or. 1845, Col. 57). Geiger, von dem man mit Recht sagen kann „WD ^yn Hx DDWJW", stellt jedoch diesen Beweis als unwiderlegbar hin (Lehrbuch rc. S. 24). So führt Gesenius (Handwörterbuch Einleit. S. 28) das biblische Wort -jtpn als Beispiel solcher Auffassung an, welches die Talmudisten Traubenkerne übersetzen statt unreife Trauben, nach dem arabischen, mit Versetzung des 8 undund Verwechselung des n und j, gegen welche entfernte Aehnlichkeit jedoch der Zusammenhang $“-jjji -D\}tnnD spricht*). Die Benennung der Feste D^Jn ist ebenfalls keine falsche Auffassung des. Wortes wie Gesenius (1. c.) glaubt, sondern wird,blos vom Talmud kn uneigentlicher Bedeutung ftatt jjrj gebraucht; daß die Talmudisten aber die wahre Bedeutung des.Worts kannten, geht daraus hervor, weil sie von dem ungewöhnlichen Ausdrucke , dreimal" statt avsys den halachischen Satz aufstellten '"»IvD n\snn (Chagiga 4). — Die Fortbildung der hebräischen Sprache ist aber durch die neuere talmudische Sprachforschung so begründet, daß die Untersuchung, ob die hebräische Sprache oder das Aramäische seit der Zeit des zweiten Tempels die gewöhnliche Volkssprache gewesen sei, vor der *) Der Mischna (Nasir 6, 2) selbst scheint jedoch die wirkliche Bedeutung dieser Wörter schon abhanden gekommen zu sein, nach einer Meinung ist o\i$nn die Hülsen und der Kern, nach einer andern umgekehrt; dieselbe Verschiedenheit sinder sich, in den Targumim. Oukelos übersetzt pjsniSD p-m}JV welche Stelle der Targumist R. Josef (Nasir 39) erwähnt, der jerus. Targum übersetzt pD^pD. Im Talmud jedoch ist gewöhnlich pnn 'Äern, so heißt es "iy T fiblSM |snm pton y“W (Berachot 22). Aehnliche Worterklärungen der Mischna wird Herr Dukes im zweiten Heft als Beweis aufstellen, von welcher Wichtigkeit der Talmud für die hebräische Sprachforschung ist.