Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 20 (14.5.1846)
- Date
- 1846-05-14
- Page
- Spalte 317-318 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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317 Kurze Anzeigen. . überzeugenden Gewißheit, daß das Hebräische, sei es. als Gelehrten- oder als Vulgair- Sprache, in den Hintergrund tritt und zu den Beweisen, die As. de Nossi in Meor Enajim (S. 281 ed. Wien) für den Fortschritt des Hebräischen aber nur als die Sprache der Gelehrten aufstellt, wie z. B. die aramäische Fassung aller gerichtlichen Dokumente und Instrumente, die .zerstreuten Sentenzen der ältesten Mischnalehrer, wie z. 35. der Spruch Hillels und die Bat-Kol Stimme in Megillac Taanit (e. 11), hatte Geiger, der diese Meinung annahm, nichts Neues hinzuzufügen. Die Entgegnungen von Grätz (l. c. S. 55) sollten daher eigentlich gegen de Nossi und nicht gegen Geiger gerichtet sein, welche Einwürfe aber überhaupt nicht stichhaltig sind; denn fast alle Ausdrücke, die üv Kidusch in, Gittin und B. Batra als Wil- .lensmeinungUn Bezug auf Kauf-, Ehe- und Gelübde-Angelegenheit, angegeben werden, haben nicht minder auch ein aramäisches Gepräge. Die Neubildungen aushebräischen Wör-. tern, welche Grätz als. Gegenbeweis ansührt, können ebensogut die Resultate der lebenden hebräischen Sprache als die Sprache des Gelehrten, wie des Volkes sein. Ausgestorben und als Umgangssprache dem Volksdialekt ganz entfremdet war sie zu keiner Zeit im Mutterlande, und durch die Mischehen konnten wohl abweichende Idiome Wurzel fassen, aber in einem so kurzen Zeiträume konnte selbst beim Volke die Sprache des Mutterlandes nicht ganz vergessen werden. Der Talmud selbst nennt (Sabb. 36) einige hebräische Wörter, deren Bedeutung sich nach der Zerstörung,des Tempels geändert hat, woraus der. Verfasser vorliegender Schrift*) mit Recht den Beweis mimmt, daß neue.' Wortgebilde, welche wie die dort erwähnten so adoptirt wurden, daß der Talmud sie sowohl in Rechtssällen wie in Kultsachen sanktionirt, keineswegs einer ausgestorben.cn Sprache augehören können. Für diese und ähnliche Untersuchungen hat Herr Dukes im zweiten Hefte, deren Rubriken er im Vorwort vorführt, viel Material geliefert, und eine Bahn vorgezeichnet, die, wenn mit Ernst und Wahrheitsliebe, wie es die Wissenschaft erfordert, darauf fort gearbeitet wird, für die hebräische Sprachkunde sehr ergiebig sein wird. In dem vorliegenden ersten Hefte werden die Bestandtheile der nachbiblischen Sprache lexikalisch und grammatisch übersichtlich geordnet. Der Vers, hat hier selbstständig gearbeitet und von Geigers Lehrbuche der Mischna nur mit der größten Vorsicht Gebrauch gemacht, welches er zwar an logischer Gliederung und reichem Material übertrifft, hinsichtlich der tieferen sprachlichen Forschung demselben aber nachsteht. Wir wollen in der möglichen Kürze den Lesern dieser Blätter den reichen Gehalt des vorliegenden Werkes vorführcn und unsere Bemerkungen anreihen.; (Fortsetzung folgt.) *) In dem uns vorliegenden zweiten Heft. Dukes. Anonymus. ' 318 20) Beurtheilung eines Flugschriftchens, betitelt: „Guter Rath zur Zeit der Noth; ein-treues Wort an meine Landsleute". Herausgegeben von einem Anonymus im Januar 1846 aus der Erzbischöfl. Buchdruckern in Prag. Ein gutes Wort zur Zeit der Noth ist gewiß Jedermann der dessen bedarf willkommen, wenn sich auch der Rathgeber nicht nennt; jedoch muß der Rath wohlgemeint, aus lauterer Quelle fließen und an sich wohl gerathen sein. Dieses Schriftchen hat ein großes Pro und Contra in 2 Parteien. Die eine spricht, besangen von Volksparteilichkeit, über die Gebühr zu seinem Lobe, und das ist die Majorität; die andere abhängige Partei verachtet es und. das ist die Minorität. Wir wollen es mit dem Lichte der Wahrheit und Unbefangenheit beleuchten, und sehen was darin ist. Im Eingänge klagt der Rathgeber über die Theuerung und Noth in Böhmen und andern Nachbarländern, herbeigeführt von Ueberschwemmung und Miswachs; dabei bemerkt der Anonymus, daß auch ibie nächste Zukunft uns nichts Besseres verspricht. Bei widrigen Naturereignissen müssen wir uns ruhig in das allgemeine Misgeschick ergeben und uns in unserer unseligen Lage (bei der so empfindlichen Theurung aller Lebensmittel) mit der Hoffnung und Aussicht auf eine bessere Zukunft, welche die gütige Vorsehung zu unserm Wohle herbeiführen kann, trösten. Wie darf sich aber der kurzsichtige Mensch getrauen den dunkeln Rathschlüffen Gottes mit einer Prophezeiung „die Zukunft werde noch schlimmer werden" vorzugreifen? Und läßt sich das auch nach den jetzigen Zeitverhältnissen ahnen, so leistet , dieser Rathgeber seinen Landsleuten gewiß keinen guten Dienst, wenn, er ihnen die schätzbare Hoffnung auf eine bessere Zukunft durch seine Behauptung vom Gegenrheil raubt. Ferner sagt der Rathgeber „Was ich euch vor Allem zu sagen habe ist eine Wahrheit die schon alt ist; älter als die Welt"! Wahrlich ich weiß, außer der Gottheit selbst, keine Wahrheit und keinen materiellen oder geistigen Gegenstand, der älter wäre als die Welt! Und diese älter als die Welt sein sollende Wahrheit ist folgende: „B ekehren wir uns alle mit ganzem Herzen zu Gott dem Herrn, und entfernen wir aus unserem Sinne, aus u n s e r e m Leben, aus u n s e r n H ä u s e r n, aus unfern Gemeinden Alles was Gott dem Allheiligen misfällt und weswegen wir von der allmächtigen Hand seiner Gerechtigkeit gestraft zu werden verdienen". Nach der Behauptung dieses Rathgebers müssen schon vor Erschaffung der Welt Menschen da gewesen sein, die alles von sich entfernen sollen was Gott mißfällt, und daß diese vorweltlichen Menschen von ihm gestraft zu werden verdienen. Hat dieser Rathgeber, frag ich, seinen Verstand verloren, oder hat er ihn gar nicht einmal angestrengt, ob man diesen Spruch im alten oder neuen Testamente findet, oder wo sonst. Sei aber dieser Spruch da oder dort zu finden, so zeigt der Anonymus im Verfolge seines Schriftchens, daß er diesem Spruche offenbar widerspricht. Der Rathgeber räth ferner zur Sparsamkeit und rügt das