Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 20 (14.5.1846)
- Date
- 1846-05-14
- Page
- Spalte 309-310 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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309 Studien. Der Traum bei den alten Hebräern. Kommentators Raschi dem Bileam (Num 24, 4) keine cigent-. lich echte sondern nur eine getrübte Gotresschauung zugelassen, indem Raschi zu dieser Stelle bemerkt riNIJ pN&y aaTE' NlTWa nWa n^>n, welche Ansicht wahrscheinlich der Paraphrast Onkelos hervorgebracht haben mag, indem er die Stelle giebt durch NIT bto Dip ]Q lO’D yDtcn 1EPN '' iw Dip, was übrigens Onkelos bei dem Traumen des Abimelech und Laban ebenfalls thl.it, bei welchen es von Jbn-Esra etwas sonderbar und ungewohnt klingt, daß er daselbst ganz mit dem Talmud übereinstimmend, bemerkt, daß diesen beiden Nichtisraeliten der Traum blos zu Theil geworden fei 3py - D.T13N “ins^ — (vergl. Jbn-Esra zu beiden Stetten). Auch Maim. 50) crftärt die beiden so eben erwähnten.' Träume für keine prophetischen, da er hier unterscheidet zwischen rWn cnSia dtVxv Nai und rnNiraa dm^n ibN'i nWn, welche Ansicht allerdings die vorerst berührte Umschrei-' bung des Onkelos unterstützt. Zu erwähnen ist hier noch was der Biur seinem Kommentar zu Gen. 20, 3' betrügt idu N‘bl aaiw ioa im tb) n'nbto mNio n^t v6n nh in ona D^na pT(HN' HNiDa ncND Dwajn indqt nma .bito tn bbz T>arp bton nnu tob cjön O — n;iaiN la^a 1D1N b)p DiT^N; ND, welche Bemerkung, wegen einer mittelbaren Offenbarung übrigens wohl bei Salomon (1. B. Reg. 3, 5) nicht gelten kann, da es bei dieser. Erscheinung heißt ',-j riNij und Raschi daselbst V. 15' den Ausdruck - deutlich erklärt mit n?:>N idV?TW pan. —• Zweck des Traumes. Der Zweck der Träume ist in den bereits oft erwähnten Worten des Elihu unzweideutig und klar ausgesprochen. Der Mensch soll durch den Traum auf sein Thun und Lassen aufmerksam gemacht, zur Ausführung eines entworfenen Planes und Vorhabens ermuntert und ermahnt, oder von der Vollbringung manches Unternommenen zurückgeschreckt werden, so daß der Traum nicht Zweck und.in demselben nicht schon Glück oder Unglück an und für sich bestehe, sondern derselbe. nur ein Mittel sek, und Glück oder Unglück, welches auch der Traum verkündet haben mag, durch die That ebenso bestätigt, als widerlegt werden können, oder, .wie Schubert sagt:il) „Nicht das, was wir im Traume empfunden oder vernommen, sondern das, was wir im wachen Leben gewirkt und erworben, gehört der Seele selber an. Wir blicken allerdings in solchen Zuständen zuweilen wie ein Auge, das durch's Fernrohr in ein schönes fernes Gebirge' und seine reichen Auen schauete, in eine höhere geistigere Region. Aber die Fruchte, die auf jenen Gebirgen wachsen, werden nur d a n n u n s e r, w e n n w i r u n s nicht ohne A n st'r e ngung zu demselben hinbewegen und es ersteigen." 50) M. N. II, c. 41. 51) Gesch. d. S. Seite 415. 310 .Dem Gesagten zufolge enthalten die Traume, bald eine unmittelbare und symbolische Gottesoffenbarung, d. h. Gott erscheint in ihnen den Menschen und.redet mit ihnen, um ihnen Eröffnungen, Warnungen, ^-) Mahnungen u. s. w. zu ertheilen. So hörte z. B. Laban nicht auf die Stimme des Gewissens und mußte also durch Warnung in jemeni Traume vom Bösen weg- und zum Guten hingelenkt werden, oder wie .Schubert.dies im Allgemeinen sagt:53) .wenn die Wachenden sich zur Lüge verstehen, so muß wenigstens der ungeschickte Traum die Wahrheit reden, ja die Loden möchten gegen die Lebenden zeugen:" Andere biblische Beweisstellen sind r (Gen. 15, 1. 20, 3—6. 28, 12 ff. 31, 24. 46, 2— Nunun. 12, 6- 1 Sam. 28, 6 u. 15 — I Reg. 3, 5 ff — Job. 33, 15 ff.) Oder Gott theilt auch mittelbar durch einen Engel-dieses mit z. B. Gen. 31, 1.0. Bald enthalten die Träume symbolische Einkleidungen -von Gedanken um das .künftige Geschick, sei dies nun freudig ob. traurig voraus zu verkünden, z. B. Josef's Traum > vor den Garben und von Sonne, Mond und Sternen, welche sich vor ihm beugten; Pharao's Traum von den 7 fetten und 7 magern Kühen u. s. f. (Gen. 37. 40. 41. Jud. 7, 13 ff. Dan: 2. 4.) . , Glau b e a n Tra u in e. Der Glaube an Träume zieht sich' bis ms graue Alterthum hinauf. Daß er bei den Griechen geherrscht habe, zeigt vornämlich Hom. .Jl. 1, 63 Kal ydq xovuq in 4iog tGTLv vgl. Jl. 11, 5 ff. Nach Hcro.dot VII, 15 glaubt Xerxes, daß die Träume von Göttern gesendet werden und nach demselben Vll, 18 überzeugt sich auch Artabanus davon, nach-' dem er-vorher daran gezweifelt. Auch berichtet Herodot (VII 127), daß ^die Nasamonen,-wenn sie wahrsagen wollten, sich zu den »Gräbern ihrer Vorältern begaben, daselbst sich schlafen legten, und das, was' ihnen im Traume vorkam, als höhere Weisagung betrachteten. Bgl. des. Cicero de divin. üb. 1. Auch Plin. H. N. VII, 44, XX11L 20, XXXVI, 14, u. Potter griech. 'Archäologie I. S. 672 ff. 54) Den Glauben an Träume in der Bibel bestätigen vorzüglich: ' A b r a ham (Gen. 15, 1) hatte zuerst das nächtliche Gesicht und dann (15, 6) heißt es von ihm deutlich, daß er an, die Mittheilung desselben glaubte, ein Vertrauen darauf setzte, welches von der Gottheit t> na&m'ha pöNm« — Abimelech .(Gen. 20, 6) änderte, nach seinem Traume seine ganz'e Gesinnung und Handlungsweise. Jakob (Gen. 28, 2), vom Hause flüchtig und mit ge- 52) Schub, erzählt in seiner Symbolik d. Traumes (S. 6) einen merkwürdigen Traum, wodurch wirklich Jemand vom Tode gerettet wurde. ' 53) Gesch. d, S. Seite 383. 54) -Vergl. best Scaliger, Jul. Caes. Seal, ad Hippocr. de insomniis, welcher eine Menge Stellen gesammelt hat, die den Glauben der 2üten an Träume beweisen. 20*