Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1846)
- Date
- 1846-05-14
- Page
- Seite 155 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 155 - den ungünstigen Ausspizien sich konstituirte 2\ und doch in den wenigen Lagen seiner ersten Wirksamkeit Wille und Kraft genug gezeigt hat/ um das Judenthum zu heben. Ich will nicht noch einmal einen Bericht erstatten, glaube aber füglich behaupten zu dürfen, daß die Beschlüsse der Bad. R.-V. über den Eid, über Lrauergebräuche und Verbesserung der Liturgie, von größter Wichtigkeit sind 3), und dem Institute ein Recht auf Aufmunterung und Unterstützung geben, keineswegs aber Entmuthigung und Verunglimpfung zuziehen sollten. Freilich, wenn m.ay verfährt, wie der Mannh. Mitarbeiter des „Israelit", der z. B. von den verschiedenen Anträgen, die der H. Oberrath Epstein gestellt hat, gerade den minder wichtigen, und auch diesen mit Entstellung 4), erwähnt, die weit wichtigeren aber, wie z. B. über unverschiebliche Feldarbeiten am Sabbat, ganz mit Stillschweigen übergeht; dann freilich muß sich Alles in einem andern Lichte zeigen. Doch wie nennt man ei» solches Verfahren? Aufschwung des Geistes, oder Neid und Verkleinerungssucht? /Ich würde hier schon abbrechen, mit einem so unendlichen Kritiker zu rechten, und seine zahlreichen persönlichen Ausfälle werde ich wirklich mit gebührendem Stillschweigen übergehen; aber einige Grundsätze, die er indirekt als etwas Unbestrittenes hinstellt, kann ich nicht ohne Zurückweisung lassen. * Er fragt nämlich, in welcher Eigenschaft denn eigentlich der H. Oberrath Epstein Mitglied der Bad. R.-V. war, da er doch im eigentlichen Sinne kein Theologe sei? — Hier haben wir wieder den uralten Sauerteig von der Unterscheidung zwischen Geistlichen und Laien, wovon man aber doch wahrlich, nach den gemachten Erfahrungen der beiden anderen R.-V. radikal kurirt sein sollte! Es ist gerade eine der schönsten Zierden und der stärksten Stützen des Judenthums, daß in derselben von jeher in religiösen Dingen jeder mitzureden hatte, der sich durch Wissen und Kennen auszeichnete, daß unter dieser Voraussetzung ein jedes Gemeindeglied religiöse Fragen zur Entscheidung gebracht werden konnte, und daß solche Laien sehr oft zur Rabbinerwürde erhoben wurden. 2) Unser Kritiker selbst erzählt, daß uns nicht einmal die Mannheimer Gemeindestube als Sitzungslokal verstattet wurde! Ob er übrigens durch diese Veröffentlichung sich den Dank des Mannheimer Vorstandes erworben hat, lasse ich dahingestellt sein. D. E. 3) Auch eine Eingabe an die Landstände, worin die vom Abgeordneten F a u t h auf dem vorigen Landtage vorgebrachten Anschuldigungen der Juden gründlich widerlegt, wurden, ist beschlossen durch Cirkulation 'angenommen, jedoch wegen erfolgter Auflösung der Kammern nicht mehr eingereicht worden. D. E. 4) Jedes Schulkind weiß, daß unterniDD D }\W.rAin nicht gerade ein wirklich Kranker, sondern ein viel weite- - rer Begriff z. B. Unpäßlicher verstanden wird, bei welchem die Erlaubnis von 2'D doch nicht so ganz unbestritten ist. Eben so ist die Gestattung der gewöhnlichen Butter an r)DD schon darum nicht ganz zuverlässig, da zuweilen Mehl darin ist. D. E. > Durch diese schöne Einrichtung avar das Judenthum von jeher vor christlichem Stolz und hierarchischer Herrschsucht bewahrt worden, und wer ihm diesen Borzug rauben will, der meint es gewiß nicht gut mir demselben. Der andere Grundsatz, den unser Kritiker der Bad. R.-V. aufdringen will, den ich aber bestreiten muß,.ist der, daß all dasjenige, was nicht verboten ist, erlaubt sei. — Allerdings ist dies bekanntlich ein-juristischer Grundsatz? -Allerdings hat sich bekanntlich auch die erste Braunschweiger R.-V. (jedoch nur eine sehr schwache Majorität wie ich bereits im Orient 1845, Nr. 8-gezeigt habe), von diesem misverstandenen Grundsätze verleiten lassen, die Ehe zwischen Juden und anderen Monotheisten zu erlauben! Allein jenes ist keineswegs ein theologischer Grundsatz, was gerade am Besten aus dessen Anwendung auf die gemischten Ehen zu erweisen ist und ich nehme Veranlassung, "einen hierauf bezüglichen Artikel ausmeinen Notizen über die Beschlüsse der Braunschw. R.-V. hier mitzutheilen. (Beschluß folgt.) . Aktenstücke in Angelegenheit der Toleranztaxe . d er Israeliten in Ungarn und Nebenländer. ‘ - , (Beschluß.) '3. Schließlich brachte Herr Präses in Anregung, wie notwendig es im Interesse der Israeliten Ungarns wäre, daß jede Gemeinde ihre einzelnen Kontribuenten nach der Art ihrer Beschäftigung genau konskribiren und.klassificiren möchte, um hierdurch eine genaue statistische Uebersicht aller Israeli-, ren Ungarns zu erlangen,.und die faktische Widerlegung so mancher über die Beschäftigung der Israeliten verbreiteten irrigen Meinung zu erzwecken. — In welcher Beziehung die Pester isr. Gemeinde bereits mit" dem Beispiele vorangegangen ist, und sich erlauben wird, allen Gemeinden des Landes ein Exemplar der ihrerseits ausgearbeiteten statistischen Tabelle emzusenden, um nach demselben Muster eine solche für jede Jurisdiktions-Gemeinde zu erlangen. Eben so zweckmäßig dürste es sein, .um so manchen un-> verdienten öffentlichen Vorwürfen in Bezug is.raelit. Verbrecher und deren..Verhältnis) zu der übrigen Bevölkerung , mit *) Diese Notizen waren anfänglich zur Herausgabe eines besondern Merkchens bestimmt. Da dieses nicht ausgeführt wurde, so werde ich von Zeit zu Zeit gelegenheitlich Bruch-, stücke daraus veröffentlichen. Vergl. Orient 1845, 'Nr< 8 u. Frankels Zeitschrift. II. November-Heft. S. 441.