Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1846)
- Date
- 1846-05-14
- Page
- Seite 154 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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auseinanderfttzte, in Beziehung auf die Sütcn unsrer Zeit. Das Gute, das sie uns gebracht nicht verkennend, warnte er andererseits vor dem Ucbel, die sie uns zu bringen droht. So ging ' er nach und nach über ververschiedene Stellen erklärend weg, und ermahnte dann väterlich und mit dem größten Wohlwollen seine Gemeinde, das NOO-Fest gehörig zu beobachten; schärfte . ihnen besonders ein , alle mögliche Vorsicht zu gebrauchen, : daß keine Verwechslung in den Gerätschaften stattfinde - und doch ja an allen talrnudischen Vorschriften fest zu halten, da ohne dieses Band, der Neuerungen kein Ende sein wird. . Die Anwesenden waren tief ergriffen, erschütternd aber war der Eindruck, als er, sich schließlich auf die Stelle, n^n “inj; onm. stützend, - einen Allfrus an die Gemeinde ergehen ließ: unsere polnischen Glaubenöbrüder, die unter dem drükkeUdsten Joch schmachten, nach allen Kräften zu unterstützen ,,Wir, rief er begeistert ans, die wir leben unter der- 9iegierung eines der aufgeklärtesten Fürsten, dürfen nicht müssige Zuschauer sein, des Elendes der leidenden Unterdrückten. Ja es ist unsere höchste Pflicht, ihren Jammer zu mildem und ihnen Mittel zu verschaffen, ihre Freiheit zu erkaufen»^ Gewiß die Worte des Rabbiners werden bei der . ohnehin in Frankreich schon vorherrschenden Sympathie für Polen ihren Zweck nicht verfehlen. —' N.:.. m. Ä n m e r k u n g des E i n seil d er s. Nicht uninteressant wäre'.-es für unsren Pariser Aorrespondeuten gewesen, wenn er an demselben rottf hier in Frankfurt die Predigt des Herrn S t e i n . hätte hören können. . Gewiß er würde die fromme Einfalt und das Kleinstädtische des Groß - Rabbinen in jener Weltstadtder sich in unserer Zeit noch um die Küche kümmert, belächelt Haber;, wenn er die Entschiedenheit und Schärfe (die wir übrigens am' Herrn Rabbiner nun periodisch gewöhnt sind) mit welcher er gegen den lvSgezogen, bewundert haben. *• Wem er recht, gegeben, kann keinem Zweifel unterliegen, d'a unserm 'Korrespondenten sicherlich der tälmudische Ausspruch rpy l“D nicht unbekannt ist, den auch wir anerkennen, wenn er wie der Talmud es haben will,- begründet wird. Hr. Stein, auf die Stelle-.-tib 'rrm>D - "'r sich stützend, wies nach, wie es drei Religionen gibtr die Urreligion, das Heiden thum und das Jude nt hu M. Die Urreligiou sagte uns der Rabbiner , wie fic piy O.^D- oder^ besser (nach H o ld h e L m, wie sie hatte, ist unvergänglich und unveränderlich. Das H eident hum ist veränderlich und vergänglich; das Indenthum unvergänglich aber veränderlich. Welches Judenlhum der Rabbiner gemeint, wurde nicht näher angegeben. Es war wahrscheinlich eine -von jenen Phrasen, die man gegen jeden, selbst gegen die Reformer verteidigen > könnte. — Herr Stein seine-r vorjährigerr' Predigt' amin welcher er das tid geben so sehr empfohlen, noch > eingedenk , ermahnte auch diesesmal wieder , wie schön das biblische Gesetz über rm?D sei; fügte aber noch hinzu : So einfach dieses Gesetz auch in der Bibel da steht, wurde es nach und nach so verunstaltet, daß es eine ganze Revolution in unsrem Häuslichen hervorbringL (sollte wahrscheinlich heißen in unsrer Küche). So werden nach und nach ganze Stücke aus dem "]ny pbw gerissen, dieses Mal lvaren es zuletzt bleibt, wenn es unserm Rabbiner gelingt am NOO nur. ein trieft. Was die Leiden unserer Brüder in Polen betrifft, die der Graud-8!abbin so 'sehr empfohlen, darüber haben unsre Rabbiner bis jetzt geschwiegen, aus welchem Grunde ist uns unbekannt. Ihrer wurde nur von Herrn Dr. Frankel erwähnt. nn HMH np Tw D^pDD nop O—. Deutschland. Randegg, im März. Erst im Laufe dieses Monats wurde ich aus einen Artikel in Nr. 31 u. 52 des „Israelit" v. 1845 aufmerksam gemacht, der mich zu einigen Gegenbemerkungen veranlaßt. Mein Bericht über die Bad. R.-V. im. Oft. Hefte 1845 der Frankelschcn Zeitschrift, hat die Galle und den Witz des Mannheimer Mitarbeiters des „Israelit" aufgeregt, und so sehr er sich im Eingang jenes Artikels über die Waffen der Verläumdung und Verdächtigung, die allerdings zuweilen von den Hyperorthodoxen geführt werden, ereifert, so gerne macht er doch selbst Gebrauch davon,'und zeigt hierin eine ziemliche Fertigkeit. So z. B. will er mir zum großen Verbrechen machen, daß ich meinen Vorgesetzten Weihrauch gestreut *),-■ auch daß ich die quantitative Stärke der Bad. R,-V. zu vergrößern gesucht hätte! Dann ist es ihm wieder nicht recht, daß man sich an einer Versammlung betheiligt, deren Urheber, doch nur zum Th eile, zu den 77 gehört haben, während er selbst die kleinsten Vorfälle bei unsirer.Versammlung des Breiten bespricht, welches doch ein großes Interesse an derselben beweist, und ihn aber, da unsere Verhandlungen nicht öffentlich waren, entweder als Horcher vor unsere Tbüre, oder als Verräther vertraulicher Mittheilungen charakterisirt« Dagegen weiß der beredete Mann, der so viel von Aufschwung, Fortschritt und Entwickelung handlet, kein einziges anerkennendes Wort zu sprechen über ein Institut, wie die Bad. R.-V., das unter 1) Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, ,daß so viele Israeliten gar nicht geneigt sind, gerade ihren israelitischen Vorgesetzten und Behörden die gebührende Achtung zu zollen, und es nicht einmal gerne sehen, wenn es Andere thun. -Wahrlich, das ist Qjn NMVO welche Untugenden mitwirkende Ursachen bei der Zerstörung Jerusalems waren, welche aber auch jetzt ein schlechtes Zeugniß von der politischen Reife und zeitgemäßen Bildung'sind, auf die man so gerne pocht. D. E.