Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1846)
- Date
- 1846-05-14
- Page
- Seite 152 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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152 - vorn Prediger der! Res. Synagog'e tränen lassen können; es war daher ihr freier Wille- und die gemachte Erklärung bezweckte vielleicht das Güte-, um im Ehestande Zwiespalt wegen religiöser Ansichteil zu Vermeiden, denn/ wie'sollte eine Eintracht möglich sein , wenn der Mann zwei Tage feiert, die Frau aber nur einen? — ■ Wenn; d. Jdnztg. in ihrem unberufenen zudringlichen Aufrufe an -die hiesigen Reformer zu glauben scheint,/daß diese so tief gesunken seien, .daß sie dieselbe der deutschjüdischen Sekte gleichstellen zu können glaubt, so irrt sich dieselbe sehr gewaltig , denn, hier'schämt sich Niemand Jude zu sein, hier will man nicht äffen und sagen, weil eine Deutsch-Katholische Sekte' entstanden, müsse auch eine Deutsch-Jüdische sein, hier glaubt Jude,''Protestant, Katholik und Dissenter an Offenbarung und hält die Bibel heilig. Niemand zweifelt, daß der Sabbat der bestimmte Ruhe-Tag, für den Juden als Brmdniß und Zeichen für ewige Zeiten bestimmt ist, und die Zeit desselben man nicht verschieben kann; Jeder weiß, - daß Jesus und seine Apostel diesen Tag nie streitig gemacht, sondern selbst gefeiert, und daß erst" mehrere hundert Jahre später, der Sonntag zu Ehren Christi, anfänglich nur für die vom Heidenthume znm Christenthnme Bekehrten, cingesi'chrt wurde, und wer da sagt, ich bin ein Jude, will aber anstatt Sabbat Sonntag, feiern, weil es die Christen thun , der bekennt sich entweder offenbar zum Christenthum oder ist dem Affen gleich, der Alles nachmacht, was er von seiner Umgebung sieht. Die Jdnztg. giebt vor, zwei Richter aüzuerkennen/ die parteilose historischeForschung und dieZeit — aber beiderechtsertigen ihre oft geäußerten Ansichten keineswegs , und nur so lange wie dieselbe und ihre Konsorten sich unter der Maske der Scheinheiligkeit versteckt .hielten, haben selbe Viele täuschen , und glauben machen können, daß sie eine Reform im Jndenthume (d. h. Abschaffung von' Aberglauben und Misbräuchen) bezwecken. Seitdem* diese aber seit -der zweiten -Rabbiner-Versammlung die Maske allmälig lüftete , mußte jeder hellsehende an ihrer Absicht zu zweifeln beginnen. Seit nun. sechs Monaten aber ha- Dr. PH. mit noch zwei andern Rädelsführern sich ganz in ihrer wahren Farbe-gezeigt und sich den Berliner-Deutsch Juden angeschlossen; sie haben das Judenthum anfgegeben u. können nicht länger verführen.. Wer Augen hat muß sehen, daß diese nun Ausgeschrittenen, die unter allerhand verstellten Frömmeleien Scheinheiligkeit heuchelten, den Rabbiner-Titel im Staubekriechend gesucht haben, daß diese gewiß Lm Geheimen besoldeten Missionare erscheinen; aber GottLob, sie ha-4 ben frühzeitig genüg ihre Absicht verrathen und können nun weiter nicht mehr wirken , als so viele andere sich federfertige Seelenkäufer öder sogenannte Taufmaschinen. Znr Ehre der Englischen Missions-Gesellschaft sei es gesagt,.- daß diese in 'der Regel Leute, die selbst die.Offenbarung leugnen, -und die Bibel für ungültig erklären, nicht in ihre Dienste aufnimmt. ::; i Ohne Zweifel will man in Deutschland auch 'gerne wissen,- was Dr. Adler seit seinem Hiersein gewirkt? und wenn ich hierauf sage: noch gar nichts, bemerke ich daß daraus die Klugheit des-Dr. A. hervorlenchtet, daß er nicht voreilig ist, er sucht Menschen und Lokal näher kennen zu lernen, durch seine guten Predigten hellere Ansichten zu verbreiten, sich langsanr'das Vertrauen von verschieden Denkenden .zu erwerben, lmt zu seiner Zeit ruhig, ohne Geräusch und.Widerspruch gut wirken -zu können. Dr. A. ist ein vielseitig gelehrter Mann, -außergewöhnlich fleißig und voll Eifer Gutes zu leisten , zu- - gleich sehr., vorsichtig, - fast furchtsam auf Hindernisse zu stoßen. Von einem solchen Ehrenmanne läßt sich mit Gewißheit erwarten, daß er spricht so wie er denkt, und daß er hält was er verspricht, und da derselbe in seiner Antritts-Rede in Gegenwart von mehr als Tausend versprochen, daß es seine Aufgabe sein werde, das GotteS- Haus von Aberglauben und Unfug zu reinigen, und darüber zu wachen , daß darin kein Unterschied zwischen .'Neichen und Armen bemerkbar werde, ferner, daß er die Sillstehenden, an Aberglauben und Vormtheilen festhaltenden in Bewegung bringen will, darf jeder Einsichts- - volle mit Vertrauen der baldigen Bewährung entgegen sehen. Betrachtet man die Sachlage noch näher, und sieht, wie Dr. A. hier so ganz allein ohne Rath und Hülfe.dasteht, denn die ihm zur Seite stehenden Assesoren sind Männer vom alten Zeit-Geiste, die es noch, für Sünde halten, Englisch oder deutsch zu lesen, daher gar nicht wissen, was in dieser Welt vorgeht, und die sich um ihn drängenden sogenannten Frömmler sind bon solcher Fmsierniß geblendet, daß sie kein helles Licht sehen - können, und den Rabbiner nicht für fromm halten, wenn er nicht solche Grimacen wie sein Vorgänger mache, so daß der Dr. A. seine Umgebung entweder bemitleiden oder, belachen muß, so ist und wird Dr. 3(. zu entschuldigen sein, wenn er mehr Zeit zur Ausführung seines guten Vorhabens bedarf, -als die Voreiligen erwarteten. Dr. A. ist klug genug, und wird nicht so lange warten bis man um eine Reform drängen wird, weil dann jene die es erzwingen auch Bedingungen diktiren würden. Am vergangenen Osterfeste habe ich alle Harrpt-Synagogen . hier besucht, in allen ein und denselben Unfug gesunden, welcher die Gotteshäuser entwürdigt, nämlich, alle Ehren-' Bezeugungen werden vom Vorsteher nur an die wenigsten nach Verhältniß ihres Reichthums vertheilt, folglich kamen erst die Millionäre und so herab bis auf die . Zwanzigtausender, mit weniger ist keine Aussicht zu/etwas zu gelangen, aber nicht nur aufgerufen wird der Reichste, sondern es werden ihm noch eine oft zwei Nebensachen als ns&n ober ,^,"1 zugegeben, damit nur der weniger Bemittelte nichts bekommen soll. Freilich