Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1846)
- Date
- 1846-05-14
- Page
- Seite 150 (sequence 3)
- Language
- German
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unauslöschliche unvertilgbare ReligionSgeschichte; durch seüw Blätter zieht sich ein göttlicher Geist, für Göttliches wurde gerungen und geopfert, und es wurde erhalten. Nur der sträfliche Leichtsinn kann über diesen Geist wegsehen, das ganze-heilige Leben der Vergangenheit misachten'.und es in oberflächlichem Deuteln und Nachgeben als nie dagewesen ansehen. Auf historischem'Boden muß entwickelt worden: ist nicht Vernichtung sonderrr Erhaltung des Glaubens düs Ziel, so) dürfen seine in der'Vergattgenheit tief gesenkten Grundpfeiler nicht zerstört 'worden, sondern bilden sie die stützen'des weitern Fvrtbaues. - -i Es haben in den letzten Jahren Rabbinerversammlungeu stattgefnnden, in denen das Positive auf bedauerliche Meise zurückgedrängt wurde und die für Erhaltung des Judenthums keinesfattes befriedigende Resultate lieferten. Ihre Beschlüsse fanden auch nirgends Eingang, denn noch lebt in unfern Gemeinden ein fester Sinn für das'historische .bou den Vatem übergebene Jndenthum; noch tönen die Anktänge früherer Erziehung fort, fühlen wir, Welches hohe Gut wir zu wahren haben, welcher heilige Beruf uns anferlegt ist; und daß, wollen wir die Zeit überdauern, wir nicht auf ihre Eingebungen und die Worte der ihr sklavisch Huldigenden hören dürfen. Aber dieser Sinn soll nicht erkalten: es muß daher gestrebt werden , daß unseren 'Gemeinden die Aufgabe des Judenthnms, auch in 'den geistigen -Stürmen' sich treu zu bewähren, stets gegenwärtig sei und der historische Boden unter uns nicht wanke. Hier genügt übet nicht.dasvereinzelnde Thun, noch ist ausreichend der Kampf in Wort und Schrift: es muß mit vereinten Kräften gewirkt werden. Finden auch die. Gemeinden an jenen Bestrebungen keinen Gefallen, so vermissen sie doch ungern einen Anhalt an den sie sich lehnen, einen Mittelpunkt vöu dem aus Auskunft komme.’ Die Behauptungdaß ,-von Kopf bis Fuß Alles krank sei" ist eine Verkennung des gegenwärtigen Zustandes , . da doch im Gegentheile sich allgemeine Regsamkeit kundgiebt; aber man gewahrt nichts desto weniger von allen Seiten Zerwürfniß. Es zeigen sich in den Gemeinden Parteien, deren eine oft den zur Zerstörung führenden Fortschritt will, die andere auch die billige Erhaltung erzielende Weiterbildung zurückweist es zeigt sich' 'das Misverhaltniß, daß hier die Gemeinde dem Rabbiner mistraut und jeden seiner verbessernden Schritte misbilligt, dort der Rabbiner'zu langsam der ■ Gemeinde fortschreitetundals Finsterling verschrieen wird; hier ein Rabbiner aus bescheidenem. Zweifel gegen sich selbst Nichts zu unternehmen wagt, dort ein anderer m thvrichter Selbstüberschätzung mit Sturmschritteneilt und sich seine Gemeinde und dem Judeuthume entfremdet. Zerklüftung in sich, Jsolirtheit .nach allen Seiten, jede Gemeinde von der andern abgerissen, jede ihren eigenen Weg verfolgend ist das Bild, das sich dem Blicke in die Zukunft zeigt. Liegt schon cut sich in Unthätigkeit kein Segen Und erwirbt das Zusehen selten Vertrauen zu der vorhandenen geistiger: Kraft, so ziehet haß Fernsteherl bei diesen, das Judenthum wahrhaft bedrohenden Gestaltungen eine große Veraniwörttichkeit HMei^ 8s stellt sich^ daher die Forderung als unabweisbar heraus, waß Männer die vom Glauberl erglühet find znsammentreten ttnb sich über die Religiottöaugelcgenhcitcn besprechen. Und so ergeht denn hiermit der Aufruf zu -einer Wersümmlung jüdischer Theologen, die nicht allein der Wunsch des Ünterzeichueten ist, sondern wie er.es mit Gewißheit aussprecheu kann, von der großen Mehrheit in Deutschland ersehnt wird. Eine Versammlung jüdischer Theologen. Das historische Jndenthum, in dessen Geist dieser Aufruf ergeht, verkündet, daß Amt und Stelle/ nicht Bevorrechtigung geben, sondern diese allein sich in der Wissenschaft findet. Ist es nunnatürlich, daß. Rabbiner und Prediger als nutzer'Wissenschaft und den Bedürfnissen ihrer Gemeinde vertraut zu solchen Besprechungen an. sichberufen sind, so kann auch die Theiluahme anderer Theologen, Männer die bei allgemeiner wissenschaftlicher Bildung dem Studium des Judenthnms obliegen nur erwünscht sein, da dem aufrichtigen Streben'jede Hierarchie und'. Alleinherrschaft fremd ist. Und so mögen denn viele Lleichgesirmte Männer, die Erhaltung und Fortbildung wollen, die in einem gernäßigten Fortschritt Erhaltung erblicken, sich zu* einer Zusämmenkunst vereinigen. Ein solches Zusammentreten hat auch die wohlthätigsten Folgen für eine gegenseitige Äenßcrnng; es wird der religiösen Erziehung und Belehrung ersprießlich, sein, - wird 'manche Besprechung im Interesse der Wissenschaft des' Judenthnms und deren Wiederbelebung - förde-rrr, -. wird .. endlich' das’^ Vertrauen der Gesamrntheit stärken und ihr eine Vertretung ihrer geheiligten religiösen Interessen zeigen, die mit Mäßigung beginnt und fortschreitet, deren Resultate nicht auf Umsturz tutb aus Aufsehen Erregendes hmziclen, sondern die erhalten und.mit religiösem Emst, fern von Starrheit wie von verwerflichem Leichtsinn, austreten will. Wohl wird sie hinter den Wünschen der Forieitenden 'und sich Uebcrstürzeneen znrückbleibeir und werden die Resultate Manchen: unbedeutend scheinen; allein ist doch dieses das Zeichen der Mäßigung, daß sic mit Mäßigung vorwärts schreitet; 'ihre Früchte reifen um so sicherer und bringen einen sden Glauben befestigenden und befördernden' Erfolg.' . Der. Unterzeichnete, vdn der Nöthwendigkert emer solchen Versammsung durchdrungen, fühlte sich zu diesen: Aufrufe auch durch Auftnuilterrmg mehrerer Amtsgenossen, die. ihm ihren Beitritt zusicherten, ermnthigt. Möge also -dieser Ausruf den Beitritt vieler von gleicher Gesinnung des gemäßigten Fortschrittes belebter Amtöbrüder-und