Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 19 (7.5.1846)
- Date
- 1846-05-07
- Page
- Spalte 301-302 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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301 Stuvien. Der-Traum lari, ii quidcm somniant; und wobei er für seine Ansicht noch Beispiele anführt, daß Gott sowohl Traurigen als Zornigen u. s. w. sich offenbare, ist um so weniger fest gegründet, als die obigen und noch viele andere Beispiele.in der Bibel zu sehr für die Meinung des Talmuds sprechen. Denn wäre der menschliche Geist immer und zu jeder Zeit, in allen Affecten und Leidenschaften gleichfähig'Gottes Offenbarungen anzünehmen, so fragt.es sich , warum findet denn diese Offenbarung in der Bibel meistens in Träumen, d. h. in . solchem. Zustande Statt, der gerade getrennt und zurückgezogen und befreit von allen Leidenschaften und Affecten ist? Eben so ungegründet muß daher erscheinen, was Spinoza behauptet, daß die Weissagungen und deren Bilder im Ausdrucke sich' nach den Temperamenten, den Beschäftigungen der Weissagenden richten und sich ihnen vollkommen accommodiren? Woher dann die. herrlichen Bilder in Amos (welchen Spinoza mit aller Gewalt zum gröbsten Bauer stempeln will) c. 2. v. 11 — 16, e. 3. v. 1—12, und unzählige andere. Vollkommen bestätigt diese Ansicht s Schubert,39) T>enn, daß im Traume zuweilen prophetische Kraft sei, erkannte schon das Alterthum mit Recht an, und es hat die neuere Zeit die häufig wiederkehrenden Thatsachen, welche jenes Ferngesicht bestätigen, nicht hinwegläugnen können. Und, sagt derselbe, bis jetzt fast unerreichte Psycholog an einer andern Stelle: ^) Wir erfahren in dem Traume eines kurzen Schlummers öfters mehr als im dem Gange der gewöhnlichen Sprache in ganzen Tagen geschehen' könnte und zwar das Alles öfters ohne'eigentliche"Lücken, in einem in sich-selber regelmäßigen Zusammenhänge, der nur freilich ein ganz eigenthümlicher, ungewöhnlicher ist". Wohl mag der Traum bei Weitem nicht der 'höchste Grad von Prophetie sein, wenn auch Malm, sagt„Es unterliegt keinem.Zweifel, daß der Traum geringer, als die eigentlichste Prophetie sei, da es von ersterem heißt: E'trD D “DIN — daher hatte auch unser Volk (im-Talmud) den Propheten Daniel, als welcher meistens von Träumen handelt, zu den Hagiographen, und nicht zu den Propheten gestellt. Wohl mögen Daniel und Salomo in dieser Art von Prophetie einen Engel in ihrem Traume gesehen haben,41) aber empfunden und gefühlt haben sie in sich nicht, was eine reine Prophetie, sondern nur was ein Traum, ist, der die Wahrheit einiger Dinge ihnen kund that". Zn solchem Sinne erklärt Maim.^-) die Stelle in Gen. 15, 1. dahin, daß diese Vision in absteigender, sinkender Weise Statt gehabt habe, indem nämlich dem Abraham zuerst eine höhere, rein göttliche Vision — ninD,— zu Theil geworden sei, die allmälig in 38) Gesch. d. S. Seite 4LI, .39) Sy mb. d. Tr. Seite 1. 40) M. N. p. 11. e. 45. 41) Vgl. oben. 42) M. N. p. 1. c. 21. bei den alten Hebräern. 302 eine Art von Traum — nD"nn — überging, da Maim.") einen großen Unterschied zwischen der höhern Prophetie — ri.NQ — und der niedern — taftn — statuirt. Auch Ralbag ist dieser Ansicht; Äbrawanel jedoch durchaus gegen dieselbe, indem er behauptet, es sei die hier erzählte Vision des Abraham eine und dieselbe fortlaufende, von Anfang bis >zu Ende sich gleichbleibende gewesen, wie dies auch Raschi, auf den Talmud gestützt, zeigt': 1, d-qk b]} nDTlril HN13J bttl riDTin, und Iwelche talmudische Paraphrase sich wiederum auf die Umschreibung des Onkelos gründet, der das -Wort rimr mit gibt. Zbn-Esra hält ganz identisch mit wie aus seinem »Kommentar zu dieser Stelle und noch deutlicher zu Num. 12, 6 erhellet, wo er sagt' tes. — Ramban 'neigt sich sich der. Ansicht des. Maim. der Art zu, daß er annimmt, die Geschichte Abraham's sei anfangs blos in nächtlichen Visionen —^niNlD] — später aber durch Erscheinungen bei Tage — Tim mp — geschehen. " . Herder"»^) stellt zwar die Traume unter die Prophetie, doch so, daß sie ein Grad der letztem sind, denn er, sagt: „Die spätern Propheten, die ihre Aussprüche nur in Figuren, in Rathseln, Bildern und diese zwar etwa nur in Träumen empfingen, sprechen daher weit schwächer (als jene frühem Seher »des Glückes oder des Unglückes), Gott selbst setzt jene klare Stimme, in der er mit Moses'sprach , den Offenbarungen durch Geschichte/ Figuren, Räthselbilder und Träume vor (Rum. 12, 6.) und die Reihe der Propheten, die wir haben, bestätigt genugsam diese Unterscheidung".; - Knobels unterscheidet chie- Traumgesichte von den ekstatischen, indem er erstere während des Schlafes vermöge der ' Phantasicthätigkeit entstehen läßt, während diese ein Erzeugniß der Entzückung seien." Nach dem bisher Gesagten stellen sich die Merkmale wohl heraus, durch die man erkennen kann, was ein echter, was 'ein unechter oder falscher Traum gewesen sei, denn 1) der echte Traum kommt in einer gewissen Ordnung und erst nachdem der Geist gleichsam sich dazu vorbereitet hatte; und wenn auch gleich die Imagination die Mittheilung des Traumes mit anderen, ähnlichen, ihr im wachenden Zustande schon vorgekommenen Dingen zusammenstellt und vergleicht; so herrscht doch selbst in dieser Zusammenstellung eine, freilich blos von dem Geiste zu erkennende,'systematische, und durchaus nicht zufällige Ordnung, — welches Alles bei den falschen Träumen gerade umgekehrt ist, welche ohne alle Ordnung und (wie Aristoteles treffend bemerkt) verwirrt und vermengt mit fremden, äußern Dingen, die durchaus mit den Träumen keinerlei Verbindung stehen, erscheinen. (Beschluß folgt.) 43) M. N. p. 1. e. 27. u. p. II. e. 41. u. 45. 44) Geist der hebr. Poesie, Th. 3, „über Beruf und Amt der Propheten." - ... 45) Prophetismus der Hebräer. Breslau 1839. Th.-I. S. 174.