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Der Orient · 1846-05-07 · 19 (7.5.1846) · p. Spalte 297-298

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
19 (7.5.1846)
Date
1846-05-07
Page
Spalte 297-298 (sequence 5)
Language
German
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297 Studien. Aktenstück de^ Messiaszeit. 298 und trugen ihre Bedenken vor/ Darauf ward ihnen der Be-' scheid : .„Was wir für den an den hohen Festtagen abzuhaltenden Gottesdienst beschlossen haben , hat die Zustimmung mehrer gelehrten.Rabbiner erhalten, und wir werden nicht früher auch nur das kleinste davon aufgeben,' als bis Sie uns triftige gesetzliche Gründe dagegen Vorbringen werden. Wer von den Herren Mitgliedern übrigens an dem Gottesdienste nicht Theil nimmt, hat niemals zur Genossenschaft gehört"., Das war der Bescheid des Komitv's, und dabei blieb's. Einige schieden.aus/ die Meisten wollten nicht für Zeloten gelten, und nahmen Lheil. - Wenn die Neligions - Geschichte .der Gegenwart von der Reform-Bewegung der Genossenschaften auch nur dieses' Eine Faktum zu erzählen wüßte, so würde die Nachwelt einen genügenden Maßstab zur Beurtheilung dieser Bewegung Haben. An Sie aber, meine Lehrer, richte ich die Frage: Ist das der Weg, das dreitausendjährige Judenthum umzugestalten? dürfen so Rttigiönsreformen zu Stande gebracht werden? und wollen Sie wirklich, daß auch ich auf diese Weise entschieden sei und vorwärts dränge? Haben wir darum die Körper bannende Hierarchie der alten Rabbinen und Parnassim gebrochen, daß wir jetzt'der Seelen fangenden Hierarchie der neuen Rabbinen und Genossenschaften: unterthan werden? - In welch' arge Verlegenheiten nun diean den genossenschaftlichen Reformen iheilnehmenden Rabbiner, ihren Gemeinden gegenüber, jetzt schon kommen, und später,, wenn erst'Synode und Räbbinerversammlung zu einander in Rapport treten, noch mehr kommen werden, das kann keinem aufmerksam Beobachtenden entgehen. Als Freunde der Genossenschaften müssen sie deren Maaßregeln gut heißen, als Rabbiner aber dürfen sie rabbinische Satzungen nur mit Vorsicht, mosaische Vorschriften aber gar nicht antasten. Sie selbst, mein Lehrer, haben jüngst diese Verlegenheit erfahren. In Einer Stunde und vor demselben Publikum haben Sie das beim Neujahrsgottesöienste der Berliner Genossenschaft unterbliebene SchofaMasen damit zu entschuldigen gesucht, daß „ja Niemand'verhindert war, sich zu, Hause Schofar zu bla-' sen oder sich blasen zu lassen"; und doch kurz darauf sich nachdrücklich gegen die Annahme verwahrt, daß Sie etwa die Moseslehre für menschliches Werk betrachten, da Sie die'Moseslehre für eine, göttliche halten. Sie können die Bezeichnung //göttlich damals unmöglich in jenem Sinne gemeint haben, .wornach Moses, als Prophet, vom göttlichen Geiste durchdrungen, die Religionsvorschriften fest gestellt-har, und wornach-darum alles dasjenige in der mosaischen Lehre, dem für die Jetztzeit jener göttliche Geist fehlt, seine Gel-' Lung verloren har. So können Sie den Ausdruck „göttlich" unmöglich gemeint haben. Denn Sie gebrauchten denselben, als Gegensatz gegen die Annahme, daß man möglicher Weife, wie man die Ln der Zeit entstandenen rabbinischen Vorschriften durch die Zeit aufhebe, auch die mosaischen Vorschriften, als in der Zeit entstanden und als Menschenwerk aufheben könne. Sie haben' daher die U n a b ä n d e r l i.ch k e i t d'e r im Pentateuch enthaltenen Vorschriften, als göttlicheranerkannt. Wenn dem aber also ist, — .wie 'können Sie eine Reform anempfehlen und vertreten, welche in der'Beseitigung des Zeitwidrigen den Unterschied zwischen Mosaischem und Rabbinischem prinzipmäßig nicht anerkennt und nicht anerkennen darf? . Hier wäre nun der geignetste Ort, ab-Sie, mein Lehrer,* die Frage zu richten, ob Sie, bei Ihrer gegenwärtigen, offen und öffentlich ausgesprochenen Stellung zur Genoffen- ‘ schaftsreform, an die ^Möglichkeit der Fortdauer unsers bisherigen Verhältnisses glauben?-ob Sie glauben, daß. Sie, als Mann von Charakter, und Gewissenhaftigkeit, als Mann, dem die öffentliche Meinung nicht gleichgiltig ist, am Sonna- ‘ bende .für die Erhaltung der mosaischen Lehre,* und am Sonntage für die Aufhebung derselben werden sprechen und kämpfen können? und ob Sie glauben, daß ich, bei meiner religiösen Ueberzeugung, Sie. mit Gleichgiltigkeit vor dev Lade des Herrn unsers Gottes von der Bedeutung und den Gebräuchen 'unserer Festtage werdesprechen hören, da ich weiß, daß Sie einer Religionsansicht huldigen, welche die Festtagsgebräuche für antiquirt und zeirwidrig betrachtet?. Diese und 'viele andere sich unmittelbar daran knüpfende Fragen könnte und sollte ich wohl an Sie richten : doch ich will der Zeit nichttvorgreifen. Es genügt mir für heute, Ihnen mein offnes Urtheil über die Genossenschafts-Reform und über Ihre ..Stellung zu derselben und zu mir vorgelegt zu haben,« und r wünsche sehnlichst, daß meine offene und aufrichtige Sprache Sie. veranlassen möge, mir eben so offen und der Wahrheit getreu zu antworten., *• In Hochachtung Die große Mehrzahl der Mitglieder der Breslauer Jsraeliten-Gemeinde. « Literarische Aualekte«. Chasdai ben 'Isaak, oder Isaak ben Chasdai. Herr Luzzatto nimmt in seiner Besprechung und theilweisen Veröffentlichung des Briefes von Menachem Ben Saruk an Chasdai ben Isaak (Nr. 8. des Literaturvl.) Gelegenheit, Charist, oder eine Leseart im Lachkemoni gegen mich in Schutz zu nehmen, und zwar durch folgende Worte: „Aus diesem Briefe geht unwiderleglich hervor, daß auch Chasdai's Vater ein Macen war, ja großmüthiger äls der Sohn. Charisi ist also gerechtfertigt,' wenn er im'Kap. 18. Isaak ben Chas.dai als einen Beschützer der Gelehrten besingt, und ohne allen Grund will Le brecht (Orient 1844, col. 702) Charisi und mit ihm Jost der Unwahrheit zeihen." Der von mir hochgeachtete Gelehrte möge mir einige Worte

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