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Der Orient · 1846-05-07 · Heft 19 (7.5.1846) · p. Seite 144

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 19 (7.5.1846)
Date
1846-05-07
Page
Seite 144 (sequence 7)
Language
German
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- 144 - Neujahr , Versöhnüngstage und Ostern Urlaub erhalten, um in die Fremde als Gastprediger zu gehen? Da sagte der geistreiche Dr. R...., ich will Ihnen statt einer Antwort eine Anekdote erzählen: Ein französischer Freigeist, ich glaube Diderot, fragte beim Minister an, ob der König wohl erlauben würde, daß er (der Freigeist) eine Reise nach Rußland mache , wohin er eine Ruf habe? Der Minister antwortete: Seine Majestät erlaube ihm nicht nur dorthin zu gehen, sondern auch dort zu bleiben I O e st e r r e i ch. Stuhlweiszenburg, 20. März. Wenu Hr. S. S. der Meinung ist, daß. man es ihm Dank weiß,' dafür, weil er unlängst in diesem geehrten Blatte die Lage hiesiger Israeliten ihren katholischen Mitbrüdern gegenüber als eine missliche bewehktagte, ist er eben so im Jrrthum, wie dies der Fall mit seiner Kenntniß von hiesiger Lokalität zu sein scheint. Benannter Pseudo- Weissenburger hat sich so ungerufen in unsere Mitte gedrängt und durch seinen mitunter ganz falschen Bericht manches edle Gemüth unserer friedfertigen und Eintracht liebenden christlichen Mitbrüder höchst unsanft berührt. Mehr noch um die Wahrheit als das verletzte Gemüth zu entschädigen, fühle ich mich daher ausgefordert, Nachstehendes der Oeffentüchkeit zu übergeben, und so ich schon elmnal im Zuge bin, erlaube Znan nur, mich über diesen Gegenstand etwas weitläufiger aussprechm zu dürfen. Ueber das Entstehen der israel. Gemeinde zu Stuhlweißmburg von einem Böhmeil daselbst. Wenn bei dem Leiden des Ncbenbruders die Herzenspulse des wahrer: Menschenfreundes etwas schwächer schlagen, sein Auge sich mit Thränen herben Mitleides füllt, so es sieht, daß trotz der Zeiten und des Geistes Fortschritt, Glaubensdutdung und Religionsfreiheit ihnen noch immer nicht das Wort .reden, vielmehr daß Zeit und Geist mit dem Mittelalter buhlen; wem: man ferner aus öffentlichen Blättern entnimmt, wie imNorden Europas, so wie vor nicht gar langer Zeit Ln dem aufgeklärten Deutschland sogar, kleinlicher, schnöder Eigennutz hinter dem Bollwerke der Religion sich verschanzt, und nicht selten heilige Natur-und Menschenrechte mederintt; man da immer noch zwischen Menschen und Menschen die China-Mauer in gutem Stande zu erhalten sucht, daß ja bei Leibe selbst der Zeiten Zahn keine Schmerzen fühle, die nützlichen Hülsen des Unterschiedes noch immer nicht-platzen und abspringen, so muß cs hinwieder dem edlen von solchen Scenen empörten Gemuthe ein theils entschädigendes, herzerhebendes und tröstendes Gewahren fein, wenn wir unsere magyarischen Glaubensbrüder ausrusm hören :/ ü'Dyte u n ser Antheil fiel ms Liebliche. Gleich wie in vielen Städten meines Vaterlandes war noch vor wenigen Jahren den Israeliten der stabile Aufenthalt in Stuhlweißenburg untersagt. Der glorreiche Landtag vom Jahre 1841 aber hat den schlummernden Edelsinn der loyalen Bürger — die den zehrenden Rost mittelalterlicher Vorurtheite bereits abgeschliffen — geweckt, so daß der keimende Same brüderlicher Gesinnungen bereits zur labenden Frucht herangereist ist. Gleich anfangs haben sich einige acht- und ehrbare jüdische Familien hier angesiedelt, die gute Ausnahme, die selbe voll Seiten des löbl. Magistrats gefunden, hat so nach und-nach sehr Wohlhabendes herbeigezogen; so daß sie heute zu einer Gemeinde von 45 Familien herangewachsen sind, an deren Spitze ein tüchtiger, talentvoller Rabbiner steht, Eintracht und Ordnung auf das Erfreulichste handhabend, der ferner durch seine monatlichen gehaltvollen, demZeitgeiste sich anpassendcn Predigten seine Gemeinde für alles Nützliche und Heilbringe nachahmungswürdig zu gewinnen weiß. Von dem Grundsätze ausgehend, daß, sowie ein Baum nur dann zur Festigkeit und Kraft gedeihen kann, wenn man gleich im Anfänge bei dessen Pflanzung darauf bedacht ist, ihn tief in einem guten Boden Wurzel fassen zu lassen j rief derselbe eine nun wohl organisirte Lchrschule ins Leben, worin 80 Schülern die meisten Gegenstände in der National-Sprache mit bestem Erfolge vorgetragen werden. Bei den öffentlich abgehaltenen Prüfungen im Beisein des ganzen lobt. Magistrats und der Herrn Professoren des Gymnasiums, stellte sich nun nicht' minder der unverkennbare Bieder- und Edelsinn unserer katholische!: Mitbrüder musterhaft heraus. Mit schallendem Eljen-Rufe wurden die Schüler bei richtiger Beantwortung der von Sr. Hochwürden des so edlen Herrn Stadtpfarrers alö von ihren eigenen Lehrern an sie gerichteten Fragen zum fernem Fleiß mächtig angespornt. Trotz den bedeutenden Handlungen der Israeliten sowohl en Zro3 und en detail fcC;cn sich die christlichen Kaufleute nichts weniger als beeinträchtigt, erhob sich auch anfangs die kreischende Rabenstimme kleinlichen Brodneides, so schwand sie später, gleich eine::: Atom im Ungeheuern Schöpfungsräume spurlos dahin. Als Beleg edlen Brudersinnes füge ich nur noch hinzu, daß der löbl. Magistrat mit Genehmigung der ganzen Bürgerschaft, der Jsraeliteugemeinde eine Fläche von 130a Klaftern zur Begräbnißstätte ganz unentgeltich angewiesen und überlassen hat. Aehnliche Beweise der Großmuth und Hochherzigkeit findet man außerhalb der Grenzen Ungarns wohl schwerlich; denn dort machen sich die hochlöbl. Obrigkeiten noch verständlicher als der Chitäer Efton , der sich vom Erzvater Abraham für die Höhle zu Machpela 400 vollwichtige, gangbare Schekel zahlen ließ. —

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