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Der Orient · 1846-05-07 · Heft 19 (7.5.1846) · p. Seite 142

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 19 (7.5.1846)
Date
1846-05-07
Page
Seite 142 (sequence 3)
Language
German
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142 fein wollenden Orthodoxen schüttelten unwillig das Haupt und brummten Verschiedenes in. den Bart. Und dieses kuriose Schauspiel dauerte so lange, bis endlich in den letzten Tagen folgende Bekanntmachung vom Rabbiner erschien, welche auf einmal allem Gerede .ein Ende machte: '; - - - „Es soll sich in meinem Namen das Gerücht der-. breitet haben, daß man gewöhnliche Butter durch das Auswaschen derselben noDn D2 gebrauchen darf. Dies Gerücht erkläre ich hierdurchrfitr fatfd), mit beut fernerken, daß ich zwar dieselbe (die gewöhnliche Butter) in Lesondern Fällen pm noriD (d. h. nothgedrungen bei den im hiesigen Orte sich mir darstellenden Verhältnissen großem ■ unb oniow vorzubengen) für auf nps erklärt habe, jedoch nur, wenn bei dem Vorkommen-- den Falle durch die von mir angegebene 'und unter Aufsicht eines min )3 nw auszuführende Behandlung jeder uwn (wobei die frühem Gefäße und dergl. in Betracht kornmerr) beseitigt werden kann, und haben die Butterhändler zuvor einen pp ny’pn Eides Statt zu geben, daß sie nur solche Butter 1I£0 5,pM2 verkaufen werden"*). In Nr. 5 Ihres Blattes (in einem Artikel, datirt: „Aus dem Posenschen, 15. Jan.") macht sich Jemand ein Vergnügen daraus, auf das greise Haupt unseres Rabbiners die spitzesten Pfeile seines Sarkasmus abzuschießen. N’importe l Es giebt einer: Panzer, an dem jede^Pfeil , und . sei er noch so spitz ) abprc!lltH— ünd dieser Panzer heißt Stoieismus. . Was aber derselbe Korrespondent in demselben Artikel von unfern: Herrn Pl e ß n er haben will, kann ich vollends gar nicht begreifen. Es ist dem Herrn Pl. durchaus nicht zur Last zu legen, wenn er für das hiesige Schulwesen Nichts Lhut. Er kann Nichts thun. Ihr Korr, will zwar wissen, daß Herr Pl. sich eines großen Einflusses auf die hiesige Gemeinde erfreue. Den: ist aber durchaus nicht so. Denn sonst dürfte wohl Hr. Pl., nachdem er nun schon über drei Jahre hier ist, nicht mehr darauf hingewieseu sein ] von den Brosamen der Spendabilitat einiger humanen Gemeirrdemitglieder seine und seiner zahlreichen Familie Existenz kärglich zu fristen. — Auch von dem hiesigen katholischen Schullehrer- Seminar ist in dem erwähnten Artikel die Rede, und wird nämlich berichtet, daß es den Juden nicht gestattet sei, in dieser Anstalt zu hospitiren. Ich freue mich, dies widerlegen und der Oesfentlichkeit sagen zu können, daß der zeitige Direktor, Herr Kaliski (früher Geistlicher und Religionslehrer am katholischen Seminar zu 1) Diese Anzeige war erst geschrieben an den Synagogenthüren und dann (am 7. d. M.) auch gedruckt in der hiesigen Zeitung zu lesen. Trzemesno) den Juden das Hospitiren n L ch L versage. —. Und wenn dies der vorige Direktor im Jahre 1843 gethan, so war dies etwa nicht einer Inhumanität von seiner Seite (denn Herr Nepitty war im höchsten Grade human und tolerant) , sondern , wie Nef. genau weiß , lediglich den damaligen jüd. Hospitanten selbst, deren einige sich schlecht betragen hatten,'zur Last zu legen. In dem, mit der genannten Lehrerbildungsanstalt in Verbindung stehenden Taubstnmmeninstitute, werden nunmehr auch jüd. Taubstumme Aufnahme finden', und soll für 'diese sogar ein besonderer Religionslehrer aus der Mitte ihrer Konfession angestellt werden. Dasselbe soll für die, die königl. Louisen-Schule besuchenden, jüd. Mädchen geschehen ^). Um aber wieder auf den. mehrgenannten Artikel zurückzukommen, so habe ich noch zu bemerken, daß ich mir Vorbehalte, denselben nächstens in seinem ganzen Umfange (und besonders in dem von meiner Vaterstadt Lissa handelnden Theite) zu beleuchten. Ich werde nicht schmähen und schimpfen, aber ebensowenig heucheln und schmeicheln. Beides ist fern von mir. Für heute noch einige Kleinigkeiten. — In einer der letzten Sitzungen des hiesigen Stadtverordnetenkollegii wurde beschlossen, den Antrag zu stellen, daß die Anzahl der ans der Mitte der Juden zu wählenden Stadtverordneten von rum ab keine beschränkte^) mehr sein solle; denn dcr die Juden nur: gleiche Pflichten mit den Christen zu erfüllen haben, ^so mögen sie auch mit diesen gleiche Rechte genießen. —- Daß dieser Passus durch nichts Anderes , als durch die - Kabiuetsordre vom 31. Decbr. v. I. hervorgerüfen worden, versteht sich von selbst. — In seiner letzten Derascha am Sabbat ha- Gadol hat unser Rabbiner auf einen piarj iwn bei den Cigarren aufmerksam gemacht! — Aber was aus einem Prediger nicht Alles werden kann! Herr M. Liepschntz, seit 1843 Prediger in der Schule des Brüder- Vereins, hat seinen Poster: anfgegeberr und sich auf ein Gütchen, welches ihm sein reicher Schwiegervater bei Danzig gekauft hat, zurückgezogen, wo er nunmehr Landwirthschast treibt. — Es ist gewiß ein angenehmer Tausch, und wäre manchem Reformer zu empfehlen. Will's auf der Kanzel nicht mehr so gut gehen, da ergreift rnan den Pflug; lassen sich die Menschen nicht mehr so gut bearbeiten, so versucht man's, die Erde zu bearbeiten, kann man die Ge-, müther der Zuhörer nicht mehr so gut erbauen, so säugt mar: an, das Feld zu bebauen; — aber die reichen 2) Der Direktor dieser Anstalt, Herr Dr. Barth verdient besonders als ein höchst toleranter Mann genannt zu werden. Nef. hat ihn neulich von dieser Seite selber kennen gelernt. 3) Bisher war das Verhältniß der aus der jüd. Konfession zu wählenden Stadtverordneten zu den andern, wie 1 zu 5.

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