Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-04-30 · 18 (30.4.1846) · p. Spalte 283-284

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
18 (30.4.1846)
Date
1846-04-30
Page
Spalte 283-284 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/8555529-9897631-9897650--4483-3532201
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

284 283 - Studien. Landauer, literar-histor. Forschungen. sätze ausgesprochen: aber sie ist entschieden, und entschieden mußt Du auch sein, sonst verlasse ich Dich"..' Ich muß Ihnen nun, verehrter Lehrer, bei aller Hochachtung, die ich gegen. Sie hege, doch offen und frei bekennen, daß die einzige Entschiedenheit, zu der ich mich durch ihr gegenwärtiges Verfahren gegen mich veranlaßt sehe, die Entschiedenheit meines Widerspruches gegen dieses Ihr Verfahren ist. Zuvörderst verletzt und kränkt es mich tief, daß Sie, anstatt mich durch Unterricht und Lehre dahin zu führen, wo Sie das Ziel der religiösen Bildung und Aufklärung zu finden glauben, mich mit einem bloßen fremden Beispiele zu beschwichtigen und abzufinden gedenken. Habe ich mich denn jemals Ihnen gegenüber so geistesschwach und unselbständig bewiesen, daß Sie zu einem solchen Lehrverfahren gegen mich berechtiget wären? Vergessen Sie nicht, daß ich, wie in allen übrigen , so auch in religiösen Dingen eine ächte Schlesierin, eine ächre Breslauerin bin, und daß ich stolz darauf bin es zu sein. Ein wahrer Schlesier aber richtet sich in seinem Urtbeilen und Handeln niemals blindlings nach fremdem Beispiele, sondern prüfet selbst und urtheilt selbst und handelt nach der gewonnenen eigenen Ueberzeugung; und ergäbe allen Glanz und alle ästhetische Abgeschliffenheit sämmtlicher Residenzen nicht um das köstliche.Gut der Selbstständigkeit und des freien eigenen 'Unheils. Darum werden Sie — seien Sie dessen versichert — mich niemals dahin bringen, daß ich prüsungs- und willenlos der Berliner Genossin Nachtreten oder Ihren Machtsprüchen mich fügen werde. Und eben weil meine Natur mich zum Selvstsehen und Selbstprüfen drängt, habe ich mit Aufmerksamkeit und Sorgfalt der Beschaffenheit und den Lebensäußerungen jener neuern Genossenschafts-Reform nachgeforscht, und ich bedauere, nach dem Resultate meiner Forschung, Ihnen sagen zu müssen, daß ich dieselbe Bewegung, welche Sie mir und aller Welt als überaus nachahmenswert anpreisen, daß ich eben diese Bewegung aus> vollster Ueberzeugung und vom Grunde meines Herzens für verwerflich und verderblich halte: wahrlich nicht aus religiöser Unduldsamkeit gegen Andersgläubige — gottlob, ich bin gebildet und hellsehend genug, um jede religiöse Ueberzeugung des Andern zu ehren und zu achten — sondern einzig und allein deswegen, weil unter allen religiösen Bewegungen, von denen die Geschichte erzählt, keine noch so versteckt und so irreführend aufgetreten ist,als eben jene neueste Reform im Juden thum e. Sehen Sie auf die altjüdischen und altchristlichen Sekten, sehen Sie auf Luther, betrachten Sie Rouge und Czerski,. oder Uhlich, oder Wislicenus, oder Krause: überall finden Sie eine bestimmte, klar ausgebildete Glaubensansicht in klaren, allgemein verständlichen Worten ausgesprochen. Blicken Sie dagegen auf die Erklärungen und Manifeste der Reform-Genossenschaften, und Sie finden nirgends eine bestimmte, deutliche Erklärung über das, was dieselben glauben oder nicht glauben: überall unbestimmte, allgemeine Redensarten von Fortschritt und Zeitbedürfniß, von positivem Glauben und Geist der Offenbarung und ähnlichen religiösen Stichworten, die jeder nach Belieben auffassen und deuten kann. Wäre nun dieser gänzliche Mangel an Bestimmtheit und Deutlichkeit in den Manifesten der Genossenschaften die Folge einer noch unklaren religiösen Ueberzeugung, so ließe sich dagegen natürlich nichts Gegründetes einwenden. Wer nicht weiß was er will, von dem kann man billiger Weise nicht verlangen , das er sich über das was er will, bestimmt ausspreche. _Nur wundern könnte man sich alsdann , wie Sie, mein Lehrer, Ihrer in naturgemäßer, besonnener religiöser Entwickelung begriffenen Schülerin ein solches noch völlig unreifes Wünschen und Hoffen, von dem man nicht wissen kann, ob und welchen Boden es jemals unter sich 'gewinnen kann, als hohes Muster nnd nachahmenswerthes Beispiel vorzuhalten, und wie sie jener vagen Lustsprünge wegen das Fortschreiten Ihrer Schülerin ein „ Vorwärtskriechen " zu nennen im Stande sind. (Beschluß folgt.) Forschungen über verschiedene Gegenstände der jüdischen Literatur mit Bezug auf die kritischen Mittheilungen Rapaport's in seinen veröffentlichten Biographien. Bruchstückliche Notizen aus dem Nachlasse von M. H. Landauer. (Schluß.) Diesen Gedanken wegen der beiden vnnw, der anfangs nur Vermuthnng war, fand ich zu meiner Freude an einer andern Stelle des Briefes bestätigt. Es kommen nämlsth nur noch in Einer Stelle des Briefes zwei mriN) hintereinander vor, nämlich bei jrnn m -|D TipD -wnjo und , beide in der Reihenfolgevon ntid zischen und 'p Dies ist nun aber gerade an einem Orte, an dem wir noch jetzt eine Lücke im Brief wahrnehmen. Erstens fehlt bei die Zahl der Jahre — das ist nur Kleinigkeit; aber wir vermissen auch an dieser Stelle eine ganze Erzählung, die ursprünglich im Brief gewesen. Weiter unten bei dem Enkel des bwft&y “ID, in der Reihenfolge von NmuDis zwischen^ und 'i, sagt nämlich Jnsy :?nidpi -.mw “o hw m'p nhyoh /w idd aröno-'Nrm.Nn&i an, mm fanden wir eben bei dem Großvater m diese Erzählm^g nicht. Daß ste aber wirklich da gestanden, das beweist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.