Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1846)
- Date
- 1846-04-30
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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der reichsten aus der jüdischen KausmannSwelL, dessen Haus früher zu den fr ö m m st e n der Gemeinde gezählt wurde, wie es auch das wohlthätigste ist, der sich der Seelsorge jenes Geistlichen ganz überläßt uub mit Eifer für die Reform strebt, hat an diesem NOO den zahlreichen Gliedern seines Hauses und Geschäftes Chamez- Speisen aufgezwungen, mit der Drohung, sich TlUO zu suchen, da er es für eine Gewissenssache Halte, ihnen solche zu verabreichen. Jedermann, der diesen Kaufmann kennt, weiß, daß nicht sein Geist ihm solche Gedanken eingegeben, sondern ein fremder Einfluß — es verräth zu sehr den Unglauben eines Theologen. Aber selbst der WohlthätigkeitSsinn dieses sonst achtbaren Mannes hat dadurch gelitten und es wird nur den Bedürftigen von seiner Farbe zugewendct., Uebrigens scheut sich selbst das Obervorsteherkollegium, bei aller Liebe für ihn, ihm unter den jetzigen Umständen rabbinische Funktionen zu übertragen und ein Scheiduirgsakt ist vom Vorstande dieser Tage dem provisorischen Dajan überwiesen worden. So ist faktisch G.'s Titel Rabbiner ein leerer Schall geworden, denn die einzige Funktion der Trauung, die ihm noch geblieben, wird hierorts nicht selten auch von Laien vorgenommen. — Die Erlaubnis', hier die Rabbiner-Versammlung zu empfangen, ist dieser Tage vom Ministerio eingelaufen, jedoch mit Ausschluß der Oeffentlichkeit. Man zweifelt jedoch hier allgemein, ob, außer den wenigen Rabbinen, die bereits anrüchig sind, und mit ihrer Gemeinde in Zerwürstliß leben, sonst noch Jemand diese Versammlung besuchen wird, da sie nicht nur die Reformen der Genossenschaft diesmal gut heißen, sondern wo möglich noch darüber hinausgehen müssen wird, wenn sie diese ihre natürliche BundeSgenossiu nicht aufgeben will. Schließlich noch die angenehme Nachricht, daß die Wahl eines jüdischen Stadtrath es hier durchgegangen ist. Herr Milch, einer der geachtesten und biedersten unserer Gemeinde, zweiter Kurator des Fränkel'schen Nachlasses, ist mit 40 Stiminen gegen 35 zu diesem Amte erwählt worden. —r. Aktenstücke tu Angelegenheit der Toleranztaxe d er Israeliten in Ungarn und Nebenländer. (Fortsetzung.) Am 7. März 1846 ließ Herr Präses den vom Konnte ausgearbeiteten Vertrag, rücksichtlich der Ernennung eines Verwaltungs-Komites verlesen, welcher wörtlich so lautet: Vertrag. Nachdem die Israeliten Ungarns und der Nebenländer in tiefster Dankbarkeit die allerhöchste Gnade Sr. Majestät rücksichtlich der Toleranztax-Befreiung angenommen, und die Hauptschuldverschreibung per 1,200,600 si. C. M. an die Ordre des allerhöchsten Aerars unterfertiget haben/ in welcher die für jede einzelne Jurisdictions-Gemeinde hievon entfallende einzelne Quote genau bezeichnet ist, und worin zugleich, jede Iurisd.-Gemeinde für die sie betreffende Quote sich solidarisch verbindlich gemacht, so betrachten "sie die Toleranztax - Befreiungs-Angelegenheit nunmehr als einen geschlossenen Akt.— Da sich die ungarischen Israeliten-aber zu der Meinung hingezogen fühlen, daß die Allerhöchst angedeutete Solidar- Hastung der Einzelnen sowol, als der Gesammtheit, nur dahin zu verstehen sei, daß das allerhöchste Aerar die Manipulation vereinfacht haben, und nie in den Fall kommen will, mit irgend einer einzelnen isr. Jurisdictions-Gemeinde über deren Antheil an der Summe von 1,200,000 fl. C. M. verkehren zu müssen, sondern einen concentrirten Punkt zu haben wünscht, worin die Verbindlichkeiten aller einzelnen Gemeinden zusammenfließen; so haben sie sich um so eher veranlaßt gefunden, einen Mittelpunkt aufzusuchen und zu bilden; als entgegengesetzt, eine etwaige Einzelhastung eines jeden ungarischen Israeliten für die Ziffer vom 1,200,000 fl. C. M. der Credit und somit der Wohlstand der größtentheils dem Commerce zugewendeten Israeliten ganz untergraben wäre, was gewiß mit den so gnädigen allerhöchsten Gesinnungen unseres erhabenen Monarchen gegen alle Klassen allerhöchst Seiner Unterthanen weit entfernt ist. Es haben also deshalb die Unterzeichneten Bevollmächtigten der isr. Iurisdictions - Gemeinden in Ungarn und den Nebenländern beschlossen, folgende Maßnahmen einzuführen, um die Sicherheit des hohen Aerars für die pünktliche Zuhaltung unserer in der Hauptschuldverschreibung ddo. 5t. März 1846 ausgedrückten Obligos zu vermehren, als nämlich: 1. Es wird ein sogenanntes Verwaltungs-Komitö mittelst freier Wahl aus unserer Mitte, bestehend aus einem Präses, 4 in Pest und 10 in den Diftrickten wohnenden Mitgliedern designirt, welches seine Berathungen hier in der Stadt Pest halten soll. Jedes Mitglied desselben ist stimmberechtigt, und steht ihm die Einsicht in die Bücher des Komitees frei. Die Art der Wahl hat laut Bestimmungen des heutigen Protokolls zu geschehen. — 2) Dieses Verwaltungs-Komte hat, u. z. nach Eintheilung unter sich selbst, je nach Bezirken oder Distrikten, den richtigen Eingang der von den isr. Gemeinden auf sich genommenen Schuldbeträge in Güte oder auch nach gesetzlicher Strenge zu überwachen, wo es nöthig ist, die später bezeichneten Exekutionen nach den stipulirren Grundsätzen zu leiten und vorzunehmen, oder vornehmen zu lassen. 3. Dem Verwattungs-Konnte haben wir heute auf dm ganz gleichen Betrag unserer als Bevollmächtigte für unsere betreffende Jurisdictions-Gemeinde in der Haüptschuldver-