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Der Orient · 1846-04-30 · Heft 18 (30.4.1846) · p. Seite 136

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 18 (30.4.1846)
Date
1846-04-30
Page
Seite 136 (sequence 7)
Language
German
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136 und befriedigender Stimme. Doch um dieses zu erzielen, müsset besonders Ihr Ihätig sein, die Ihr die vernünftige und wahrhaft fromme Mehrheit bildet! Ihr dürfet nicht länger nur die Parteien in Tätigkeit lassen, die den Zustand nur verschlimmern. Seit bald lOJahren ist nun das einftnßreicheste Rabbinat in unserm Lande vakant, obschon die würdigen Männer, welche mit dem Provisorium bekleidet waren, das Zutrauen aller wahrhaft Frommen sowohl, als auch der entschiedenen Fortschrittspartei genossen haben, und vollkommen berufen waren, den Frieden der Gemeinde zu erhalten, und wahrhaft religiösen Sinn zu verbreiten. Aber gerade darum wurde ihre definitive Bestellung von der hyperorthodoxen Partei hintertrieben, die nur einen Mann wünscht, der Ketzergerichte hält, und über die sogenannten Neuen 'öffentlich die Geißel schwingt. Daß hierdurch Niemand für die Religion gewonnen, daß Unfrieden in die Familien geschleudert würde; daß es unS in der Achtung der ganzen Mitwelt schaden müßte, das alles kümmert jene Fromme gar nicht. Und wie haben sie dadurch ihrem eigenen System geschadet! Die Zeit und ihre Bestrebungen stehen nimmer stille, und so hat denn auch ein sehr achtbarer Theit der israelitischen Gemeinde zu Karlsruhe, der früher mit einem Manne der Vermittlung zufrieden gewesen wäre, dieses Stadium bereits 'überschritten, und je länger mit der definitiven Besetzung gezögert wird, desto größer wird die Gefahr werden, daß unsre wichtigste Rabbinatsstelle nicht in die besten Hände gerathen werde. Darum noch einmal, Ihr Männer der rechten Mitte, Männer echter Frömmigkeit! seiet rüstig und tapfer, bethätigct euere wahrhafte Gottesfurcht, indem ihr so schnell als möglich bewirket, daß ein Mann der Wissenschaft und der Frömmigkeit, aber anb der Vermittelung und Versöhnung an die Spitze eurer heiligsten Angelegenheit gestellt werde, zu welchem Ende ich mir zwar nicht anmaßen will, einen bestimmten Vorschlag zu machen, doch erinnere ich an einige tüchtige Männer in unserm Lande und ohne andere zurücksetzen zu wollen, namentlich an den Herrn Rabbiner Schott, der sich sowohl während seiner Theilnahme an der ersten und zweiten Rabbinerversammtnng als auch durch seinen Austritt, als besonnener Vermittler gezeigt, und wie noch mehrere unserer inländischen Herren Rabbiner als Fürst, Geismar, der bisherige würdige Rabbinatsverweser B. Willstetter u. a. m. so rühmlich bekannt sind, daß wenn ihr Zeinen von diesen wählet, wir gewiß mit einem würdigen Geistlichen versehen sind. W —f. BreslttU, 22. April. Die Neuigkeiten hänfen sich in unserer Mitte, jeder Tag bringt etwas Neues und die Spannung der Gemüther nimmt von Tag zu Tag zu. Von allen Seiten regnet es jetzt Sendschreiben, Flugschriften an oder gegen Geiger, worin seine Charakterstärke, sein Ernstmitdem Heiligsten gewiß nicht schuld ist, und vielmehr sein Gebühren, dem es nicht einmal mit der Reform ernst ist, dem Volke recht anschaulich gemacht wird. Diese Pamphlets, welche die wunderbarste Wirkung haben und den Verlegern nur 10 aus den.Händen gerissen worden, sind mit spitzigen Federn geschrieben von Personen, .welche die schwache Seite des Helden aus unmittelbarer Anschauung kennen, und die im Besitze mancher Geheimnisse sind, welche, wenn Sie nach und nach in dieser Form ans Tageslicht kommen, dein Publikum endlich die Augen öffnen werden, welchen kirchen schändenden Misbrauch man unter der Maske des Rabbinats mit der Religion getrieben und noch zu treiben gedenkt. Es ist daher kein Wunder, wenn diese gcrnnthlichen Flugschriften (die Sie übrigens als Aktenstücke dem. Orient einverleiben sollten) einen würdigen Kämpen, der nur zum Kriege gekommen, in Angst und Zähnegeklapper versetzen und man genöthigt war, da man nicht im Stande ist die Wahrheit der Angriffe direkt zu widerlegen, sich indirekt Lust zu machen. In der Breslauer Zeitung vom 21. d. M.gicbt Hr. G. eine Erklärung ab, worin sich die linkische Wnth, in die er gerathen, recht Possirlich ausnimmt: ,,ich erkläre hiermit,-daß ich diesenRuf nunm ehr entschieden a b l e h iu," Glauben Sie, nicht ein schwaches Kind poltern zu hören; nein, gerade nicht, weil ihrs haben wollt, gehe ich nicht nach Berlin l Aber ein kindisch gewordener Rabbine möge bedenken, daß wenn bei Kindern mit vernünftigen Worten nichts ansznrichten ist, mail genöthigt ist, zur Zuchtruthe zu greifen — und' keiner ist der rächenden Nemesis mehr verschuldet als er. Wenn der Rabbiner noch 'ein Gewissen hat, so möge er die Warnungszeichen nicht überhören, die ihn au seine nicht ganz schneeweiße Vergangenheit erinnern. Ich will Ihnen nur kltrz die heillosen Folgen dieses geistlicher: Machiavellismus auseinanderschen. Haben früher nur die sogenannten Rabbinisten ihre Gemeindebeiträge entzogen, so versagen dieselben jetzt immer mehr und mehr auch die ehemaligen Anhänger des großen Mannes, die es sich zur Sünde anrechnen, ihm den sauren Schweiß ihres Geschäfts zufiießen zu lassen. Die Gemeindekaffe ist in bedeutendem Rückstände und nicht G. geschieht dadurch Eintrag, sondern den Hilflosen, denen an diesem P essach feste wie alljährlich die Quantität rusJB nicht verabreicht wurde, und manche arme Familie sich in die traurige Norhwend ig keit versetzt sah, bei der diesjährigen Theuerung, y'ün zu genießen. So werden überhaupt aus der Gemeindekasse die Wochengelder für die Armen nicht mehr gezahlt, und diese sind daher dem Verhungern preisgegeben. Die Noth vieler Hundert wird zum Himmel ausschreien gegen diesen Glückstörer, der erst dann die Gemeinde zu verlassen gedenkt, wenn , er alle Bande der Religiosität und des Gemeinsinnes zerrissen, alle Gefühle für Recht und Wahrheit und Mildthätigkeit wird erstickt haben. — Eine andere Folge. — Einer

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