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Der Orient · 1846-04-30 · Heft 18 (30.4.1846) · p. Seite 135

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 18 (30.4.1846)
Date
1846-04-30
Page
Seite 135 (sequence 5)
Language
German
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- 135 - Rabbiner haben die Unabänderlichkeit der im Pentateuch enthaltenen Vorschriften, als göttliche, anerkannt. Wenn dem aber also ist, — wie können Sie eine Reform auempfehleu und vertreten, welche in der Beseitigung des Zeitwidrigen den Unterschied zwischen Mosaischem und Rabbinischem principmäßig nicht anerkannt und nicht anerkennen darf?" Sie sehen, Herr Geiger war diesmal vorwitzig genug, seiner Schülerin selbst die Waffen gegen sich in die Hände zu geben und gewiß wird er diesmal nichts weniger als siegreich aus diesem Kampfe hcrvorgehen. Das Sendschreiben befindet sich in den Händen Aller und hat nicht wenig Sensation erregt. Damit aber auch der Außenwelt die Stimmung unserer Gemüther nicht entgehe, habe ich mich beeilt, Ihnen obige Mittheilungen über dasselbe zu machen. Für die Zukunft sind wir zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Herr G. hat sich in seiner Predigt am ersten Tage des Pessachfestes schon fast für überwunden gegeben-, und alle seine Frühlingsgedanken vermochten die versammelte Gemeinde nicht auSzusöhnen, noch von Neuern über seine löblichen Absichten zu tauschen. — Der zweite Tag brachte uns einige Widerrufungen., einige Zugeständnisse rc., aber auch diesesmal wollte cs Herrn G. nicht wie sonst gelingen, die Anwesenden durch seine schönen. Reden zu besänftigen. Auch Herr G. hat uns mit einer Broschüre beschenkt; sie wurde wie das Sendschreiben au den Osterfeiertagen ausgegeben. Die Zeit ist ernst und bewegt, so beginnt die Broschüre, welches außer einigen einleitenden und beschließenden Worten nichts als beit wörtlichen Abdruck eines Artikels aus der jüd.-theologischen Zeitschrift, Band III. enthält. Gewiß werden sich die Herren Reformer daraus nicht minder erbaut, als unsere patriarchalischen Vorfahren Ln p*o 'öS und darüber das m\np und noch manches andere vergessen haben. — ließet' G.'S Entlassung bedarf es nun wohl keiner Mittheilung mehr; derselbe hat sich vier Monate Bedenkzeit genommen, um nur ja ganz sicher zu gehen. In Gottes Namen! Viel Glück, ans den Weg! s. Groszherzogthum Buden, im April. Der Orient ist gegenwärtig dasjenige Organ, welches unter den jüdischen WochenschrifLelr allein noch einer unparteiischen und leidenschaftslosen Besprechung der religiösen Interessen offen steht, zu ihm muß jeder seine Zuflucht nehmen, der es mit dem Jndenthum und seinen Bekenuern wahrhaft wohl meint und für dieselben ein öffentliches Wort reden will. Die andern Blätter schreiben meistens nur tut Sinne einer Partei und liefern nur abschreckende Zerrbilder von den wirklichen, keineswegs so unerfreulichen Zuständen. So sollte man nach dem Triumphberichten des Pseudo - JSraelit glauben , es hätten sich fast sämmtliche Israeliten dem schonungslosesten Rationalismus in die Arme geworfen, der jede Positivität im Judeuthume von sich stößt; wahr nd man nach den phantastischen Darstellungen des Zionswächiers glauben könnte, es gebe überall nur Kopfhänger, und nirgends einen Sinn für Verbesserungen in Kultus und Ritus, und die wenigen etwa, welche ja hieran dächten, machten sich zur Zielscheibe des allgemeinen Spottes und der Verachtung. Wir aber sagen: Altes dieses ist Täuschung, Selbstbetrug und Berückuug Anderer, wozu man jedoch schweigen könnte, wenn es nicht so dringend Noth Lhäte, die in der Mitte liegende Wahrheit zu zeigen, um auf unser dringendes Bedürsnlß aufmerksam zu machen. Zunächst, von unfern Glaubensgenossen im Großherzogthnme Baden redend, dürfen wir kühn behaupten, daß bei weitem der größte TheLL keinem Extreme huldigt; er hält am Worte Gottes, wie es in schriftlicher und mündlicher Lehre uns überliefert ist, und billigt es keineswegs, wenn diese aus Schwäche oder aus Mangel an Ueberzeugung schnöde übertreten werden; aber er vergißt darum der Liebe nicht, die er auch bem Glaubensschwachen schuldig ist, er ist ferner auch selbst fähig zu unterscheiden zwischen religiösen Gesetzen und Gebrauchen, und fühlt es recht gut, daß mancherlei Neuerungen wünschenswerth sind, die allerdings nicht zur Erschütterung, sondern theils zur Befestigung im Glauben und zur Veredlung des religiösen Gefühls, theils zu unsrer Erhebung in der Achtung ariderer Konfessionen beitragen sollen. Wie thöricht ist es daher, wenn gegenwärtig eine schwache Partei dahin strebt, dem Unglauben in die Hände zu arbeiten, während eine andere ebenso schwache sich bemühet, jeden unbedeutenden Gebrauch den: ehrwürdigsten Gesetze gleich zu jMeu, und wie eine Säule des Judenthums zu erhalten sucht! Diese so weit von einander abstehenden Ziele wollen aber wirklich die beiden extremen Parteien in uuserm Lande durch ein und dasselbe Mittel erreichen, nämlich durch ihre Einwirkung auf die Besetzung der Obcrlandrabbinerstelle zu Karlsruhe, wozu die Einen einen Mann im Auge haben, der, um zu glänzen, das Judeuthum, seine eigene Mutter, öffentlich der Unfitttichkeit beschuldigt hat; die Anderen, aber mehrere Finsterlinge verschlagen, die nicht nur der Zeit nicht das geringste Zugeständniß gönnen, sondern auch schon längst vergessenen Aberglauben, wie kabbalistische Kuren angeblich Besessener und Schirmungen der Wöchnerinnen rc. wieder zu erwecken streben. Die Berufung solcher Männer an eine so einflußreiche Stelle müßte sicherlich als ein öffentliches Unglück betrachtet werden. Beiden Extremen rufen wir daher wohlmeinend zn: „Um meiner Brüder und Freunde Willen rathe ich euch zum Frieden", lenket, ein, vereiniget euch zur Wahl eines Mannes, der sich in den Riß stellet und Israels zersplitterte Glieder zu einem starken Ganzen verbindet; es sei ein Mann, der nicht im Sturm und nicht im Feuer austritt, sondern mit wohlwollender 18*

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