Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-04-23 · Heft 17 (23.4.1846) · p. Seite 129

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 17 (23.4.1846)
Date
1846-04-23
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360418-2360436--5408-3532174
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 129 - brauchte nur eines Einzigen und Desjenigen zu gedenken was sich kürzlich erst in der S yn ag og e hier zurtrug -— und der Beleg für alle wäre gegeben; doch — Dank Der gütigen Vorsehung, daß sie uns mit solchen edlen, thatkrästigen Männern beschenkt, die eifrig, rüstig die betretene Bahn vorwärts schreiten, jeden Stein des Anstoßes zur Seite schieben —, mit eisernem Fleiß und jugendlichem Muth dahin wirken, daß Das Erwünschte bald zu Tage gefördert sei; so dürste in nicht inehr langer Zeit der feierliche Akt der Einweihung unserer herrlichen Synagoge stattfinden! —n —-n. Die Schule und Synagoge, als. Entgegnung auf den Aufsatz des Hrn. L ö w e n st e in ,,Die neueste Allianz" re. (Orient Nr. 12.) „Du magst an Dir das Falsche nähren, Allein wir lassen uns nicht stören; Du kannst uns loben, kannst uns schelten, Wir lassen es nicht für das Rechte gelten." Göthe. Seitdem Aufklärung, Denkfreiheit u. Fortschritt auch in die Regionen der Rabbiner eingewandert sind und man mit diesen schützenden Schlagwörtern den Einfluß derselben auf die allgemeine religiöse Entwickelung nicht mehr abweifen kann, ist die Hierarchie das Schreckbild geworden, mit dem man, aber ganz-am Unrechten Orte, den Fähigen und Befugten ihren Wirkungskreis zu entziehen sucht, um der regen Strebsamkeit, die das Gute und Zweckmäßige auf fruchtbarem Grunde heranzudilden und zu erziehen strebt, nur einen sterilen Boden, der nicht leicht urbar zu machen ist, anweist. Mit diesem Stichworte werden die verschiedensten Variationen gemacht, deren Grundthema aber, der schrankenlosen Spontaneität des allzuoft irrenden Geistes, als allein beglückendes und seligmachendes Princip, eine Herrschaft zu gründen, das dem an solcher Tonsprache gewöhnten Hörer leicht vernehmbar ist. Wir wollen keinen andern Beweggrund hervocsuchen, der die lange Epistel des Hrn. L. in dem rubrizirten Aufsatz hervorgebracht har, und entschuldigen damit um so lieber deffen Rücksichtlosigkeit in Ton und Sprache, weil in einem Prinzipienstreit die persönlichen Verhältnisse der streitenden Parteien vor der subjektiven Ueberzeugung der Wahrheit u. des Rechts weichen müssen; nur dürfen die Waffen, deren man sich bedient, nicht auf der Feueresse des Truges geschmiedet, und dem Gegner Dinge angedichtet werden?, von deren Unwahrheit man selbst überzeugt ist. Wir haben in Nr. 8 dieser Blätter aus eigener Ueberzeugung die./Anst'cht ausgesprochen, daß die Leitung und Aufsicht des Religionsunterrichts zu dem Wirkungskreise des Rabbiners gehöre, eine Ansicht, die wir noch immer trotz, dem Zetergeschrei und der hierarchischen Gespenstersurcht des Herrn L., ohne irgend eine „getroffene Uevereinkunft" oder „von einer Partei" dazu ausgefordert zu sein, zu vertheidigen suchen, und der wir, ohne etwa hierdurch eine besondere Sympathie für den Neurabbinismüs an den Tag zu legen, vom Herzen den Sieg wünschen; ja, wir wurden sogar in dieser Ansicht durch dieim übrigen ganz vortreffliche „Einladungsschrist zur Prüfung rc.", von Herrn Dr. Heß, noch mehr bestärkt. Wenn man nämlich in derselben zugesteht, daß Beherrschung der Leidenschaften und Begierden, die Genügsamkeit und Zufriedenheit mit seinem Loose, in der Religiosität eine kräftige Stütze findet, aber dennoch neben dem;,religions-sittlichen Unterrichte," in dem beschränkten Umfange, wie derselbe gelehrt wird, nur „die Geschichte und.die de utsche Literatur" mit Nichtbeachtung der hierzu besonders geeigneten jüdischen Schriften, als Mittel empfiehlt, „die Jugend über das blos materielle und egoistische Treiben zu erheben; wenn man den Einfluß , welchen die Religion als Hebel der Sittlichkeit übt, nicht derjenigen Religion zuschreibt, welche, „indem sie die Beobachtung vieler Gebräuche vorschreibt, den Menschen beständig der Versuchung der Sünde aussetzt," und daher auch „der Verlust, welchen die sittliche Bildung durch Abnahme der Gläubigkeit an das Ueberlieferre, von der Orthodoxie erlitten hat, nicht zu hoch anzuschlagen sei," wenn man so den allgemeinen Zweck der Religion: Erziehung und Heranbildung des Menschen zur Tugend und Sittlichkeit dem Judenthum abzusprechen scheint, dann muß man das wahre Hebet selbst durch Herbeiführung eines andern, aber ser nlieg e nden Uevels zu heilen suchen. Wenn wir aber dem Rabbiner einen Einfluß auf die Schule vindiciren, so soll dadurch keineswegs erzielt werden, dem allseitigen Streben die Schule von der Kirche zu ewancipiren, unsererseit zu Gunsten des Rückschritts und der Geistesknechtschaft ein Hinderniß in den Weg zu legen, denn wir wollen nicht Herrn Stein als Rabbiner diesen Einfluß erkämpfen Helsen, sondern dem Fachgelehrten gegenüber dem Laien, dem religiösen Ernst gegenüber dem Leichtsinn und der Befangenheit. Und da nach dem Organismus der Schute dieselbe von einem Schulrath überwacht und geleitet wird, dem jeder Lehrer und daher auch der Religionslehrer untergeordnet ist, der folglich selbst bei seinem regsten Streben und besten Willen dem herrschenden Prinoip nicht entgegenlehren darf, so kann es nur heilbringend sein, wenn neben Kaufleuten, Aerzten und Juristen, man auch einmal einem Theologen einen winzigen Einfluß auf den Religionsunterricht gestattet. — Wir wiederholen daher nochmals, daß der Religionsunterricht der Schule, der der Synagoge konform sein muß; so lange daher der Zwiespalt zwischen den Funktionen der Kanzel und der Schule genährt und gepflegt wird, und man mit mißtrauischen Blicken die gegenseitige Thätigkeit anficht, dann ist der Wirkungskreis des Rabbiners auf Null reducirt und der Boden seiner Aussaat ein unfruchtbarer. In der Synagoge muß der Unterricht der Schule fortgesetzt werden und der eigentliche Bildungsproceß tritt erst bei der der Schule entwachsenen Jugend ein. Hier darf sich aber derselben keine neue Welt religiöser Ansichten und Ideen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.