Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1846)
- Date
- 1846-04-23
- Page
- Seite 130 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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130 die mit den frühem nicht harwonireen, eröffnen; denn der erste Eindruck läßt sich auch bei einem erweiterten Erkenntnißvermögen niemals, ganz unterdrücken. Der Lehrer ist dem Vater gleich zu halten, sagen unsere Alten, dieser bildet den Körper, jener den Geist; die geistige wie die körperliche Erziehung muffe aber nach Einer Regel, nach Einem System stattsinden, wenn nicht Zerrissenheit und ein Wankelsystem die- Resultate der Erziehung sein sollen. Schließt man aber den Rabbiner von jedem Einflüsse auf den Religionsunterricht aus, wahrend man ihm volle Lehre und Redefreiheit auf der Kanzel gestattet, so beurkundet man damit, daß man bei der Basis, die man bei einem Religionsprincip gegeben, die Kanzelberedsamkeit nicht mehr zu fürchten haben, und gleich jenem Gaskoner, der nicht eher ins Wasser gehen wollte, als bis. er schwimmen könne, laßt man die Jugend nicht eher jene Lehrverträge in sich aufnehmen, als bis sie schon gehörig auf der Wasserfläche der Skepsis und des Unglaubens sich herumzutummeln versteht. In welchen Gegensätzen stehen aber auch die Lehren der Schule mit den der neurabbinischen einander gegenüber, daß man eine solche Furcht vor dem Einfluß der Synagoge auf die Schule hat? Die sittlichen, moralischen Lehren fließen hier wie dorr aus Einer reinen Quelle; Humanität u. allgemeine Menschenrechte haben hier wie dort ihre beredten Vertreter; die meisten Kultgesetze haben hier wie dort nur die Bedeutung der Symbolik von relativem Werthe, die von Zeit und Ort bedingt sein sollen. Nur der jüdischen Wissenschaft und dir hebr. Sprache wird in der Synagoge kräftiger das Wort geredet und für dieselben eine gerechte Sympathie an den Lag gelegt; neben der „deutschen Literatur und Geschichte^ wird hier wohl auch zuweilen der heiligen Schrift und jüdischen Geschichte empfehlend gedacht, und dem Kultusgepränge überhaupt mehr das jüdische Gepräge aufgedrückt. Diese Divergenz der Ansichten rechtfertigen aber keineswegs die systematische Ausschließung des rabbinischen Einflußes auf die Schule und die Stellung und Wirksamkeit des Hrn. Stein lassen durchaus keinen Uebergriff seiner beschränkten Macht fürchten. Auf der andern Seite versprechen wir uns jedoch für den Bestand und die Erhaltung des Judenthums den besten Erfolg, wenn die Ansicht des Herrn Stein die Kenntniß des Judenthums durch Sprache und Schriftwerke der nationalen Liceratur zu befördern, beim Jugendunterricht mehr Beachtung erlangt, und weil Herr Stein diese Ansicht trotz aller gehässigen und hämischen Angriffe verbreitet und lehrt, so lassen wir uns von dem heraufbeschwornen "Gespenst hierarchischer Bestrebungen nicht abschrecken, unsere ausgesprochenen Wünsche und Hoffnungen festzuhalten und sie mit unseren schwachen Kräften zu unterstützen. Tadelsucht und die in der Neuzeit fast allgemein sich äußernde Apathie gegen Alles, was die neurabbinische Schule hervorgebracht, der man wie punischer Lreue mißtraut, kann und darf uns nicht anhalten, das als gut und recht Erkannte von uns zu weisen und durch die unedelsten Motive zu verdächtigen. Am Wenigsten sollte, wie es die Gewohnheit so mancher Korrespondenten ist,*) statt mit motivirten Gründen, mit Keulen und Prügeln auf *) Wir können unmöglich die Gelegenheit hier vorübergehen lassen, ohne auf jene zwei Aussehen erregende Korrespondenz-Artikel im Z i o n s w ä ch t e r aufmerksam zu machen, die in ihrer verletzenden und allen Anstand hohnsprechenden Form die Auswüchse jurnalistischer Polemik recht anschaulich machen und als Muster ausgenommen werden können — wie man nicht schreiben soll. Nr. 13. bringt „aus dem Rheingau, " dem Lande des feurigen Rebensaftes, den Vorgeschmack" einer mit starker Dosis von Grobheit ^gewürzten Kritik auf Josts neuere Geschichte, was aber paffender aus einem wüsten afrikanischen Steppenland,' wo europäische Kultur und Bildung noch nicht durchdrungen sind, hätte datirt werden sollen. Der wilden Rohheit und zelotischen Derbheit , des Schreibens sind wahrscheinlich jene ausgesuchten Ephiteten und Prädikate, wie z. B. dessen Ausdruck „in der nrrnn'T y F.," feine Anstandssprache, der er sich selbst der Oeffentlichkeit gegenüber zu bedienen liebt, was an jenes Sprüchwort erinnert N'M N1? nn»D N^ipn Ti1? N3^)D w'ppri 'tt; wir, als Mitglied dieser nrrun "PJ/ wollen jede weitere Erörterung hierüber unterlassen, da wir die geehrten Leser ohnehin durch die Widerlegung einer ähnlichen Gemeinheit ermüden müssen. Wir sind es nämlich der Wahrheit schuldig, da doch einmal eine rein persönliche Angelegenheit vor dasForum der Oeffentlichkeit getreten ist, Herrn Löwen stein gegen einen Mannheimer- Altonaer Schmähartikel (Aionswächter Nr. 12) in Schutz zu nehmen, was wir um so gewisser thun zu müssen 'glauben, als Herrn L. gerade etwas zur Last gelegt wird, worin wir seine Lugend zu bewundern oft Gelegenheit hatten. Nachdem nämlich dort von der „süßsäuerlichen Freundlichkeit" eines Artikels geredet wird, dessen Derbheit gar nicht sehr weitläufig mir der Grobheit, die eigentliche Zionswächtersprache, verwandt ist, wird die berührte Versotgungsgeschichte einerseits geläugnet, während man sich andererseits nicht scheut, einzugestehen, daß man den P r i v a t b r i e s e i n e s Vaters zum Nachtheil des Sohnes zu den P o lizei akt en gelegt, wohin er doch gewiß ebensowenig gehört, als diese ganze aus den frühesten Jugendjahren sich datirende Geschichte vor das Publikum gehört, welches man von noch wichtigern Männern nicht zu wissen braucht, ob sie vor 18 Jahren einmal ihren Eltern eine Zolllang — Briefe schuldig gewesen und deshalb mittelst ihres Lehrers gemahnt worden sind. Das jener Brief aber keineswegs Klagen über eine etwaige Ungehorsamkeit des Sohnes enthalten habe, des sind wir bis zur höchsten Evidenz durch ein Schreiben des Vaters selbst überzeugt, der über jene Beschuldigung sich in einem uns zugekommenen Briefe, auf eine Weise äußert, daß wir, um nicht selbst in die von uns gerügsten Fehler zu verfallen nur einige Stellen aus diesem Briefe inittheilen wollen: ipt» wsinb *• by ■0"?N HDl “IDIN HD p tpcsf 13“ idV?i — inny prrp ip»i? nsnn — i'bd ra — ru'Dty ’jo nfopo pN nro — n\)t£/ ti jnrj ptf1? ’-0DD rcn D’npttf. »Wir können es ja schristlich und mündlich bezeugen; wie viele nDlD er seinem alten Vater erwiesen. —In meinem Leben und so lange er als Kind erzogen worden ist, kann ich nicht sagen, daß mich mein L. H. mit einem Worte beleidigt oder mir ungehorsam gewesen wäre TDirfe Dil." Sn diesem Sinne äußert sich der greise Vater, unaufgefordert, in einem Schreiben, das er in der größten Erbitterung über jenen Schmähartikel gleich nach Lesung desselben abschickte. Wir bitten die Leser um Entschuldigung, sie mit diesen Persönli^kei-