Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1846)
- Date
- 1846-04-23
- Page
- Seite 128 (sequence 7)
- Language
- German
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128 - tltcnbc Militärkranke in dem Milesimo'schen Hause auf der Zeltnergasse, dam: auf Anordnung des hiesigen Protomedikats und der Stadthauptmannschast die Stelle eines Hofarztes der drei Filialhospltäler zu St.'Jakob, Maria- Schnee , und in der israel. Normalschule, sowie die Versorgung der Kranken, unter den durchpassirenden französischen Gefangenen , d.ie hierorts in Slupp und ^in derkon. Burg untergebracht wurden,, und Alles dies that gratis und in pekuniärer Hinsicht zu seinem eige- . neu Schaden , da er, um alle diese Aemter versehen zu können, seine Privatpraxis hintansetzen mußte. Die Anerkennung solcher Dienste und Aufopferungen konnte nicht ansbleiben. Der damals russische Bevollmächtigte in Böhmen, Staatsrath Frech. von Buhler erließ, nachdemer vernommen Hatte, wie so viele russische Kranke und verwundete Krieger , durch Porges Hilfe und Genesung gefunden hatten, am 4. Sptbr. 1814 ein Dankschreiben an ihn, worin er von allen diesem dem' russischen Monarchen Mittheitung zu machen versprach, und am 18. Juni 1815 mit den Worten, daß sein Monarch solche Verdienste nicht unbelohnt lassen kann, verlieh ihm der hochselige Kaiser Franz das silberne Eivitehrenkreuz und zwar aus allerhöchst eigener Entschließung, tur der bescheidene anspruchlose Porges weder mündlich noch schriftlich um eine Belohnung gebeten hatte. Am 19. Juni 1830 ward ihm die Gunst zu Theil zu einerPrivatandienz bei dem hochsel. Kaiser zugelassen zu werden, der die huldvollen Worte zu ihm-sprach: ,,Sie haben mir gute Dienste geleistet, es ist mir alles bekannt". Die Berücksichtigung , welche in diesen, Worten angedcutct war, erfolgte mit. allerhöchster Entschließung bereits am 2. Sptbr. des genmmten Jahres,'wodurch Porges in Folge hohen Hofkanzleidekrets. v. 11. Sptbr. im Gehalte den andern hiesigen Stadtphysikern gleich gesetzt wurde, d. h.^ statt der bisherigen 300 fl. — 500 fl. erhielt. Von 11. Juli 1831. Se. Exeellenz, Grafen Cho- Lek) Oberstburggrafen Belobung, durch persönliche Ueberzeugung, zweckmäßige Leitung und rege Aufmerksamkeit der ehrenvollen Würdigung des ausgezeichnetesten Benehmens in der traurigen Epoche der Cholera derzeit. — ' Von 16. August 1834. Stadthauptmannschast. — Porges von sämmtlichen Hrn. Sanitätsbeamten zum Vorsitzenden bei den monatlichen Sanitätssitzungen statt des verstorbenen l)r. med. Edler von Bauer als den ältesten ' Sanitätsbeamten erwählt,, wegen Kränklichkeit an den. ältesten Stadtarzt Dr. Stelzig übertragen. — 2luS Ungarn, inr April. In S z e g e d i n wurde Hr. Daniel. P i llitz zum Oberrabbiner gewählt. Da aber ein Theil . der dortigen Gemeindemitglieder dies nicht zugeben wollte und.Klage beim Magistrat darüber erhob, so wurde es von demselben dahin entschieden : Daß Hr. Pillitz, um gedachten Titel führen zu können, sich erst einer Prüfung vor den Ungar. Rabbinen unterziehen müsse... — Herr S ulzer, Kantor am israelitischen Bethause zu Wien, hat die Einladung erhalten, den geregelten Kultus der Israeliten in Groß-Kariisa zu organisiren. — Die Groß-B e efkerekerkleine israelitische Gemeinde hat es, namentlich durch das eifervolle Streben ihres Vorstehers, Hrn Wilhelm. Sir aff er endlich dahin gebracht, ein neues den Anforderungen der Zeit entsprechendes Gotteshaus zu erbauen, wozu bereits an 12,000 Gulden C.M. zusammen gebracht wurden. Perpei, 5. April. In. einer der -früheren-Nrm Ihrer geschätzten Zeitschrift nannte ich die Wahlder hiesigen Gemeindevorsteher*) eine glückliche, und fürwahr mit Recht darf sie als eine solche bezeichnet werden. Vor Jahren, als noch der bessere Sinn des Juden fürs Judenthum in einem, tiefen Schachte verborgen lag , als man auf Kultusverbesserung nicht sann und heftig drang, das Bedürfnis' zur th ei l w eise n Reformirung nicht so fühlbar wurde — konnte man sich mit allem und jedwedem mißlichen Zustande von Schule und Synagoga'lwesen und. den darin obwaltenden Misbräuchen, mit den Fähigkeiten und Leistungen damaliger Rabbiner, mit den noch so. sehr alles Wissens baaren, nicht einmal durch Persönlichkeit Geltung sich verschaffenden Oberhäuptern — recht wohl befreunden; - nachdem aber die so mächtige, überall ertönende Stimme der Zeit auch in hiesiger Gemeinde Ohren erklungen und ein herrliches, zum Gottesdienste bestimmtes Gebäude, einzig i n se t n c r A r t mit hervorrief, — da mllßte es nun besonders wünschenswerth erscheinen, daß Männer an die Spitze der Gemeinde traten, die die- Bedeutung der Zeit wohl erkannten und ihrem Rufe Folge leisten mögen, die mit heiligem Eifer und Ernste das erstandene Gotteshaus in seiner vollen Weihe und Würde erhalten, dessen innere undäußere Einrichtungen den neuen Erfordernissen der Zeit entsprechend, mit Einem Worte, den alten Schlen-- driau abgeschafft wissen wollen — die keine Sorgen, Mühen, nicht Geldopfer scheuen, um die Wege anzubahnen, die zum Guten, Bessern führen, zur Erlangung eines prachtvoll geschmückten Tempels, eines veredelten und geregelten Gottesdienstes um zahlreiche und andächtig Betende zu gewinnen, zur Gründung einer Schule, in der-die nöthigen wissenschaftlichen- Gegenstände in deutscher, hebräischer und magyarischer Sprache unter Aufsicht und Leitung eines zu wählenden tüchtigen Rabbiners gelehrt werden sollen und mehrere andere heilsame und nutzbringende Zwecke zu fördern beflissen sind. Welche und wie vielerlei Hindernisse aber treten nicht denselben von einer nicht unbeträchtlichen Zähl-Orthodoxer und- — Scheinheiliger entgegen! — Wie sind nicht Starrsinn, Eigennutz, Ehrgeiz, Trotz, das ewig störende und verketzernde alles Guten! — Ich *) Berichtige, statt Herrman Neumann, Gememderepräsentant: zweiter Vorsteher.