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Der Orient · 1846-04-23 · Heft 17 (23.4.1846) · p. Seite 127

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 17 (23.4.1846)
Date
1846-04-23
Page
Seite 127 (sequence 5)
Language
German
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am.»" - 127 - von nirgend her Unterstützung erhielt, so mußte er, um seirre Subsistenz zu bestreiten, als Student die Tage zürn Unterricht Anderer benützen, und zu seinen Studien erübrigten ihm btos die Nächte. Es begreift sich leicht, daß der arme David solchem Elende unterlegen sein würde, wenn nicht die Philosophische Fakultät aus eigenem Antriebe, zu der Zeit unter der Direktion des sel. Nit. v. Seibt um die Ertheilung eines k. Stipendiums an den so ausgezeichneter: Studenten hohem Orts sich verwendet hätte. Der Fall war neu, und so gelangte er bis zum Kaiser Joseph, der das Gesuch mit dem Beisatze bewilligte, zur Nacheiferung Anderer alle andern Israeliten zmn Genilsse zuzulassen und es in allen Kollegien zu pnblieiren. David rrun, der drückendsten Sorgen ledig, widmete sich der medic. Laufbahn , die er mit stets gleich bleibendem gebührenden Eifer verfolgte, und irr welchen Bestrebrurgen, er irr fortwährend gesteigerten: Grade, die vollkommenste. Zufriederrheit seiner Professoren und bei seinem völlig ansprnchlpsen Wesen die irrnigste Liebe seiner ' Writschülcr erwarb. So kam der 4. August des Jahres 1796 heran, an welchen! er zürn Doktor der Medicin premovirt wurde (die philosophische als die rnedieinische Fakultät, beide kamen für den ersten Inder:, der ans ihrer Universität studirte um Ertheilung des k. Stipendiums für selben ein) und zwar wie I. Schiffner in seiner Gallerie der, interessantesten und merkwürdigsten Personen Böhmens Seite 349 bemerkt, als der erste Israelit, der hier zur mediein. Doktorwürde gelangte. Die theoretischen Kenrrtnisse konnte er praktisch in der Armenkrankenversorgungsanstalt des Dr. Melitzsch ausbilden, in welcher er 4 Jahre lang all seine Zeit und Kraft unentgeldlich den Leiden der Kranken widmete und vornehmlich sim Jahre 1800 war er für die Verbreitung der damals noch als Neuerung verschrienen Kuhpockcnimpfung thätig, die er in einer auf seine Kosten herausgegebenen, und une n tg e l dl ich ver- Iheilten Volksschrist, die Kuhpockenimpfung ein bewährtes Mittel zur Verhütung der Blattern, allen Eltern und Kind er freunden gewidmet; überall emzüftthren suchte, lieber diese Schrift heißt es in der Einleitung der auf hohem Befehl heransgegeberren Geschichte der Vaceination in Bo huren (S. 14), Hr. Dr. Perges lieferte darin eine historische Darstellung der Vaeeination, setzte die Gründe, die dafür sprechen auseinander, und zeigte das Gefahrlose derselben, wodurch sie sich vorzüglich von der Blatterinokulation unterscheide und bewies den Rabbineu, daß der Grund, den sic gegen die Vlattereinoknlation haben mögen, die Beforgniß nämlich, eine gefährliche oder gar t'ödtliche Krankheit hervorznbringen, bei der Vaceination ganz wegfalle, und daß sie im Gegenteile die Pflicht ans sich haben, diese letztere Impfung ihren Gepreinden zu empfehlen. Dieser Schrift ließ der Vers. in der Absicht mit hebräischen Charakteren drucken, damit^ auch diejenigen unter den Juden, die nicht deutsch lesen können, sich daraus zu belehren und in den Stand gesetzt würden". Als im Jahre 1806 das Physikat und Spitalarztstelle der hierortigerr Jndenstadt erledigt wurde , erhielt Porges beide Funktionen und war er der erste böhmische Z'Sraetit, der von der hohen Landesstelle als Staatsdiener in Eidespflicht genommen wurde. Nach dem Wortlaute des Anstellnrrgsdekrets von Grafen Wallis Obristbnrggrasen als der würdigste und verdienstvollste unter allen Kompetenten. Er leistete den Eid in der Hand desselben, bei voller Grlbernialsitzrmg, uub auch in diesem neuen Wirkungskreise, fuhr er fort sich des größten Beifalls seiner Vorgesetzten deS Protomedikats zu verdienen. Ein unendlich größeres Feld ärztlichen Wirkens crössnete sich ihm aber tm Herbste des Jahres 1813, dieser Periode 'mörderischer Kämpfe in Sachsen und an der böhmischen Grenze. Der Andrang von Verwundeten und Erkrankten auf den Armeen der Verbündeten, sowie von gefangenen Franzosen, die ebenfalls ärztlicher Hilfe bedurften, war in Prag ein so ungeheuerer, daß nicht nur alle ärztliche Anstalten überfüllt wurden, sondern daß cs selbst an Raum fehlte, die Unglücklichen unter Dach zu bringen. Das Elend würde über alle Beschreibung groß geworden sein, wenn nicht Porges seine starke und gesegnete Nettc'rhand über alle diese Hilflosen ansgestreckt hätte. Er gründete nämlich mit Beihilfe der sel. Hanptmannswitwe Babitschek, die sich durch so große. Thaten der Nächstenliebe ausgezeichnet hat, die Kranken verband und die Verpflcgnngsanstalt zum goldenen Kamm in der Zeltnergasse, wo die Verwundeten und Kranken die nöthige Hilfe und Pflege fanden, und zwar theils durch die milden Beiträge der zahlreichen Be st mH er der Anstalt, welche sich weideten an dem großartigen Werke der Barmherzigkeit, das allen ohne Unterschied zu Ente kam (einheimischen und fremdcn Freunden und Feinden theils durch Sammlungen, die in allen Stadtthcilen veranstaltet wurden, und cs gingen, zur Ehre des Präger Publikums muß es erwähnt werden, diese freiwilligen Gaben so reichlich ein, daß die Anstatt, welche 10 Wundärzte und 20 Assistenten beschäftigte , und täglich für mehr als 100 Gulden Nahrnngsrnittel bedurfte, drei Monate lang bestehen konnte, bis bei dem Vordringen der verbündeten Arnreen gegen den Rhein (nach den Schlachten von Leipzig) die hiesigen Spitaler feerer wurden, und für die Kranken, die sich im goldenen Kamm befanden, den nöthrgen Raum boten. Leider ward die edle Babitschek während dieser Zeit ein Ostsee ihrer schönen Bestrebungen, denn sie erlag dem Kontagium und auch Porges erkrankte, genas aber bald wieder für fernere segensvolle Thätigkeit, die sich bisher keineswegs ans die Anstalt im goldenen Kanrm beschränkt hatte. Porges versah gleichzeitig auch die von ihm freiwillig zur möglichsten Verhütung des durch Uebersüllung der Spitäler begünstigsten so mörderischer! Nosocomialsiebers gegründeten Ordinationsanstalt für anrbu- 17 *

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