Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-04-23 · Heft 17 (23.4.1846) · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 17 (23.4.1846)
Date
1846-04-23
Page
Seite 126 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360418-2360436--5405-3532171
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 126 - wovon namentlich die verschiedenen Clubs zeugen, die ' sich seither konstitnirt haben; und dann gicbt eK auch, j was doch nicht fehlen darf, allerlei Verbrechen. So wurden z. B. jungst mehrere Blätter aus dem Destderienbuch des Museums herausgensftu, urrd erst vor einigen Tagen aus einer Wohnung eine goldene Uhr entwendet. Die Gerichte, haben einen hiesigen Knaben von zwölf Jahren-bereits ftstgeuommeu und derselbe hat auch/ Dank einer wohlgcfuhrten Voruntersuchung, den Diebstahl bereits zugestanden und dabei.erklärt, die. Uhr mieinen Juden von Edelfingen für 24 kr. verkauft zu haben. An einen Juden — da war Alles voll heiligen EiferS: man wollten schon denselben genau bezeichnen können. Um nun den fraglichen Kaufte mm so gewisser zu erwischen, verfügte sich, wie als zuverlässig' versichert, wird , der Herr Oberamtsrichter in eigener- Person mit dem Jnkulpaten gestern Abend, deck Beginne 'eines jüdischen Feiertages, nach Edelfingen. Dort^ wartete man die Zeit ab , wo sämmtliche Juden in der Synagoge versammelt waren, und ließ dann durch zwei Gcmeiuderäthe und den. Polizeidiener den Buben in die Synagoge fuhren, um den Käufer gewiß zu erhaschen. Der Gottesdienst hatte bereits begonnen und der Vorsänger verlas eben das Buch Esther; allein das hinderte die Kommission nicht, den Angeklagten im Gotteshaufe herumzuführen, ihn. alle Betenden ansehen zu lassen, selbst den Kantor vor dem Altäre; den Jungen zu fragen, ob er seinen Manu gefunden, ob es der oder der nicht sei re., zuletzt aber — war es Keiner von Allen. Heute höre ich nun, daß der Bube erklärt habe, er habe die Uhr nicht verkauft, sondern versteckt, und er führte diesen Nachmittag auch den Herrn Oberamtsrichter an zwei verschiedene Wege, wo er die Uhr versteckt haben wollte. Run findet man sich zwar getäuscht und um so bitterer getäuscht, weil mau sich von einem Knaben zum Besten haben ließ; allein was wird von Seiten des Oberamtsgerichts geschehen, um die amtliche Störung eines vom Staate anerkannten Kultus wieder anszngleichen? Frankfurt a. Nt., 6. ^tpril. Der Ihnen am 3. d. M. von „einem Freunde der Wahrheit" .eingesandte Artikel in Betreff einiger Angelegenheiten der hiesigen- Judengemeinde und deren zweiten Rabbiners, welcher meinen in .Ihrem Blatte vom 11. d. M. enthaltenen Bericht, mehrerer Ilnrichtigkeiten beschuldiget, ist durch Und durch unwahr. Es ist nicht gesagt worden, Hr. Stein sei ins Bad gereist, sondern er werde mit Eintritt der heißen Jahreszeit einige Bäder besuchen; auch nicht , Hr. Posen sei zum Stellvertreter des Hrn. Stein ernannt, sondern jener werde während der Abwesenheit des Letzteren dessen Funktionen übernehmen, was da Hr. Posen dritter Rabbiner ist, sich von selbst versteht, und keiner besondern Ernennung bedarf; übrigens ist der vorgesehene Fall bereits eülgetreten, denn da Hr. Stein schon auf dem Lande, in irgend einem versteckten Gärtchen der Pfingstweide. sich aufhält , sind dieorthodorcu Juden, wenn, sie über einem zweiftlhaften Fall in Betreff der Speise oder sonstiger Cereiuonial-Gefttze eines Rathes bedürfen, genöthiget, sich an Herrn Posen zu wenden. Längnen zu wollen, daß die Orgel arrs der Synagoge geuourmen, und der Sabbatbegrüßungsgesang wcggetasftn sei, dazu gehört mehr Stirne, - als einem ,,Freunde der Wahrheit" sonst zugetraut wirddenn das find Jedem sich hier aufhalteuden Juden bekannte Thatsacheu. Zu! behauptenmau habe die kleinere Orgel aus der Synagoge geschafft, um etwa nach Jahrein eine größere hineinznstellcn, ist absurd. Die wahre Ursache der Wcgfthaffuug ist das. Verlangen des Vorstandes, es solle nicht nur am Freitag Abend vor Begiurr des Sabbats, sondern am Sabbat selbst auf der Orgel gespielt Werdern Wahr ist es, Hr. Stein sprach sich in der Nabbinerversammlnng für das Spielen am Sabbat aus, desto rügeuSwcrther ist aber seine rrachherige Weigerung, seinen eigenen Worten uachzukommeu. Es ist freilich unangenehm für die Juden, wenn ein Rabbiner den Christen Stoff zu nachtheiligen Bemerkungen gicbt, iudeß ist dem durch Ableugnung von Thatsachen nicht abgeholfen. Sprecher: wir lieber ohne alle falsche Scham. offen aus: „der Rabbiner Stein ist für sein Thun und Lassen allein verantwortlich, und nur wenige unter den gebildeteren Juden theilen seine religiösen Ansichten oder billigen alle seine Handlungen." (Hanauer Z.) O e st e r r e i ch. Prag, im März. (Verspätet.) Am 17. Dee'br. 1845 starb hier im 76. Lebensjahre David Porges, Dr. der Medieirr, Magister der Geburtshilfe, k. k. Physikus und Spitalarzt des Prager isr. Bezirkes, emcritirtcr Oberarzt mehrerer im Jahre 1813 hierorts, etablirtcr Militärhofpitälcr, Inhaber des österr. k. k. silbernen CivilehrenkreuzeS, ordeutl. Mitglied der Prager Hnmanitätsgesellsthaft, Mitglied der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte, der med. Fakultät au der Karl Ferdinaud'schen Universität zu Prag, Mitglied deS isr. RächsteuliebevereinS re. Dieser verdienstvolle Manu ward geboren im April 1769; sein Vater, ein gelehrter Rabbiner , war arm, rrrrd David hatte, da er noch mehrere Geschwister besaß, keine Aussicht sich einst eine ehrenvolle Laufbahn zu eröffnen, namentlich nicht in wiffenschastlicher Beziehung. Dennoch suchte er frühe den in ihm erwachten Durst nach gelehrten Kenntnissen in jeder Weift zu befriedigen , und das Jahr 1780, in welchem Kaiser Joseph die Regierung antrat, und die Kluft zwischen Juden und Christen anSfütlte, war für den Jüngling entscheidend, der gar bald der ausgezeichneteste Zögling der eben damals errichteten jüd. Normalschute wurde. Nach Abfolvirnng dieser Anstalt widmete er sich höhern Studien, und zwar denen der Axzneikunde, und da er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.