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Der Orient · 1846-04-16 · 16 (16.4.1846) · p. Spalte 249-250

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
16 (16.4.1846)
Date
1846-04-16
Page
Spalte 249-250 (sequence 5)
Language
German
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249 Studien. Der Gruß der Juden. 250 Aber die obengedachte Form des Grußes ist nicht zu allen Zeiten eine und dieselbe geblieben. Denn seit der Zeit, wo das. Iudenthum manche Lehre der griechischen Philosophie einathmete, und besonders seit die jüdische Scholastik Begriffe aus der Aristotelischen Philosophie über den Einfluß der Sphären auf die Hyle, aufnahm, so daß die Idee, da ' nämlich die Gestirne und Planeten in diesem oder jenem Tage, oder in dieser oder-jener Stunde auf die Begegniffe und Schicksale der Menschen großen Einfluß haben, in späterer Zeit auch beim jüdischen Volke gang und gäbe wurde; —- seit dieser Zeit bemerken wir beim Gruße desselben neben der Formel von „ auch noch besonders die Sitte, dem Grüßenden einen guten .Tag, (N2D NDp oder iOD) eine gute Woch', einen guten riDc^ und einen guten 3]D DV11) zu wünschen; d. h. man wünschte, der Ewige möchte das Unheil, welches dem Grüßenden etwa durch den Tages - Einfluß bevorstehe,x2) von demselben abwenden und einen guten Tag daraus machen. Bei wichtigen und feierlichen Angelegenheiten, wie bei Hochzeiten und Beschneidungen, bei Gelegenheit irgend eines neuen Etablissements, oder auch nur beim Einziehen in eine neue Wohnung u. fl w. wünschte man sich ein gutes Gestern (niD btD) 5 ja man ging so weit, sich eine gute Vorbedeutung jDD) zu wünschen; wie wir in dem Gebete zu ftnp" gleich nach der üblichen gegenseitigen Begrüßung von 'übw'r □fe-Dfey" auch noch die Worte ,PA fei DA pD' hin zu gefügt finden. — Die noch jetzt hier übliche Form für Verlobungspakten (D'NIN) beginnt mit dem vorangesetzten Motto: „ n^d , did y:n rhy\ DD DD HD Ferner ist an vielen Orten noch jetzt gebräuchlich, bei Trauungen die veraltete Phrase ^vi^N * *j/-|N. fei D1D fei 2Vö pD fei zu reciriren. Höchst merkwürdig ist es, daß bei alle dem, neben den verschiedenen Statt gefundenen Grußformen, sich dennoch vorzüglich der Gruß durch die Formel von „Dlfe" zu allen Zeiten bis heute, während eines Zeitraumes von beinahe vier Jahrtausenden irü Judenthume erhalten hat. Denn so wie wir in der Bibel den Olfe nach tragen, (Vergleiche 1. B. Mos. 24, 6., — ibid., 48, 23. - ibid. v 27. 28. — 2. B. Mos. 18, 7. — 1. Sam. 18, 32.— ibid. 20, 9. — 1. Könige 2, 13. — 2. Könige 4, 26. — ibid. 8, 21. — ibid. 9, 11. — ibid. v. 17, 18. 22. u. s. w.), so wie wir im Talmud den- , imn ypD rwoi riNTn “Odd bw .ya»*o ddin *P DD“D) DIN fe Dfe 3WD1 “1DDH MDD ,(d^ nDD)n py) ^irp ’>:ra fen p’pDDi (Ny .v ' 11) Heißt so viel, als guter Festtag. — 12) Vergl. Trakt. Sabbat 156 a ff. und Trakt. Moed Katan 24 a, wo es wie folgend 'lautet: »iDp^ON DDD Hin nb) n»t Ht)2m nnm jnd 'Nil bfern P DDN , NDT1W 12) NPP D'INDDN )ND 'NH fei (nnsraj Tnm ^n'D) njdin in nddd in *wn m -wyo fe ’d'diid fe ddin N^n 'm dotn fei )nb njudi ^3 "N jov-idn (up rasO-fei fefe fe .(Ny 12 p" D) Nffe ttfe Nfen N*?N Nffe N'/fl NDDD selben geben und nehmen sehen, (vergl. Trakr. Bcrachot. 14, u. — ibid. 27. b. — ibid. 32, a. — Abot, Abschn. 6. u. fl w.); eben so hören wir auch noch jetzt häufig unter den Israeliten aller Länder den von der Reise einkehrenden Glaubensgenossen unter herzlicher Darbietung der Rechten mit dem zutraulichen uralten „DD^y Dlfe" 13) begrüßen. — Was überhaupt der Gebrauch, die Rechte beim Gruße dem zu Grüßenden darzubieten betrifft, so scheint derselbe erst zur Zeit des Talmuds entstanden zu sein; denn nur in demselben finden wir den Ausdruck von Dlfe rOTtt, während in der Bibel überall nur von ofe n^NA die Rede ist. Der nWhd macht zu Trakt. Berachot sol. 27. b. sogar ausdrücklich die Bemerkung, daß beim Gruße ein Unterschied zwischen Dfe rfetP und nWl Zu machen ist. ^4) — Außerdem bemerken wir bei den Israeliten noch neben dem uralten Gebrauche des Grußes eine nicht viel minder alte Sitte, die sich an jenen würdig anlehnt, und die jetzt auch bei den meisten civilisi'rten Völkern eingeführt ist, nämlich den Toast. Schon aus der Bibel scheint hervorzugehen, daß das Ausbringen von Sentiments, die auf irgend eine Person Bezug hatten, bei den Israeliten bei feierlichen Gastmälern üblich war. So führt der Prophet Nathan, der wider Adonijahu beim König David klagte, an: es habe letzterer ein Gastmahl seinen Freunden gegeben, die an demselben den Toast ausbrachten: „Es lebe der König Adonijahu" (1 B. Kön«. 1, 25). — Das Autrinken und zwar eines bestimmten Maßes der Reihe nach, war übrigens auch eine alte Sitte bei den Griechen. (Vergl. Plutarchs Gastmahl §.13.) — Auch war es bei den Römern üblich, an dem Feste„Epilenaea", welches man gewöhnlich heim Weinpressen dem Bacchus zu Ehren feierte, beim vollem Pokale gewisse Lieder abzusingen, worin man denselben vorzüglich anrief, daß er einen süßen und guten Most geben wolle. (S. Schot. Aristoph. p. 54.) — In Talmud wird deshalb auch wirklich die Frage gestellt, ob es den Israeliten nicht verboten sein soll, wegen niONn 'DYI, „Nachahmung heidnischer Gebräuche"; es wird aber erlaubt und auch Rabbi 'Akiba gebraucht den Toast; indem hier ja nur der unschuldige Wunsch geäußert wird, es möge der Wein dem Trinker wohl bekommen — Was übrigens die Höflichkeitsbezeigung der alten Hebräer im Allgemeinen betraf, so schien sie wie bei den heutigen Morgen- 13) Aus dem biblischen fe ofe" wurde zur Zeit des Talmuds ,fey übw", welches in jüngerer Zeit aus Höflichkeit vom Singular in den Plural „ofey Dlfe" umgewandelt wurde. — 14) S. Nyn rrn inen rfen fy sfi no~o ty'V , fei imh Dife jnuni fei iidin "iryfe. 15) Die Stelle lautet im Talm. Trakt. Sabbat 67 b, wie folgend- „dq pjnUl p-lllDKO t7n'D) , ODN1 "N rwyD,’iiONn p-n dwd d pn p ipin Npnty ddi do ho byt loVnnts'D NVM nspy oid Dlöbl DID^ NIDni i’n , )JD“I DiaVnni N'ion "IDN pii'ife."

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