Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1846)
- Date
- 1846-04-16
- Page
- Seite 119 (sequence 5)
- Language
- German
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119 sich der 93 erl Lu er R e f ormgenv ssienschaft zuzuwertdett, die in diesem gelehrten Theologen und trefflichen Prediger eine erfteuliche Aequisition machett würde. Der für dm kündigen Prediger der Genossenschaft nusgefetzte jährliche Gehalt beträgt 2000 Thal er preuß. Cou r. — Zn der erwähnten Eingabe an den Vorstand sagt Dr. Geiger u. a., er könne unmöglich den seitherigen schwanken und kranken Zustand seiner Gemeinde länger Vertreter;; die Gesammtgerneinde sei ungeachtet der vorsichtigen Vorwärtskriecherei nicht unter. Eine Fahne zu bringen, weshalb er darauf bestehe, daß eine von der Gemeinde unabhängige Kultusgen^sfensch.afL sich bilde, die sich zu einer gesuudcu, freien und au sreichend en di c.f o rm bekenne, widrigenfalls er, der Rabbiner, mit Schmerz um seine Entlassung bitten müsse, mit Schmerz, weil er mit getäuschter Hoffnung aus einer Genreinde scheide, welche er zu einem schönen Ziele sicher hinzuführen gehofft hätte re. — Möge nun Geigers Entlassung angenommen werden oder nicht, so ist doch jedenfalls unter den jetzt obwaltenden Umständen die zn Frankfurt a. M. beschlossene Abhaltung der dri tten R abb inerv ersammlu ng in hiesiger Stadt sehr ..in Frage gestellt. .Zur erstem Falle nämlich ist gar nicht daran zu denken, daß die Rabbiner hier ihre Reunion halten werden, ohne daß -Geiger ja ohne daß überhaupt bis dahin ein Rabbiner sich an der Spitze der hiesigen jüdischen Gemeinde befände; setzt »aber G. die beantragte Spaltung in der Gemeinde durch, so dürste henn doch so mancher Rabbiner es höchst bedenklich finden, sich den Wellen eines so reißenden Fortschrittsstromes anzuvertrauen, sintemalen bekanntlich nicht alle Rabbiner so gute und gewandte Schwimmer sind, als der rüstige und kühne Geiger. (Fr.Bt.) Wiuinz, im März. Am 15. dieses wurde in der hiesigen, zum Abbruch bestimmten Synagoge der letzte Gottesdienst abgehalten, wobei das Haupt der hiesigen Konservativen einen sehr ergreifenden Vortrag gehalten Lat. Der Aufbau der neuen,, nach dem Baurisse sehr prachtvollen Synagoge, wird rasch beginnen. Wir verdanken dieses segenbringende Ergebniß, der nunmehr hergestellten Einigkeit zwischen den Parteien, die wie es die Erfahrung in unserem Nachbarstaat lehrt, nur dahervorgerufen und unterhalten werden, wo ein Rabbiner selbstschöpferisch ohne den geistigen Standpunkt seiner Gemeinde zu beachten, nach eigener Willkühr Resormexperimente macht und dein Frieden und der Eintracht nicht daS unbedeutendste Lieblingsprojekt zum Opfer bringt. Wir besitzen Gottlob noch Rabbiner mit Kutte und Bischofsmütze, daher es ein leichtes war, die schon her- .vorLretende Parteisucht zurückzudrängen und der verderblichen, jeden Gemeinsinn untergrabenden Zwietracht keinen Boden zu lassen.. Unsere Gemeinde besitzt aber auch Intelligenz genug, ohne rabbinisches Znihun einen Kultus herzustellen, der dem Bedürfnisse der Zeit und der allgemeinen Bildungsstufe genügen wird, und in feie,fern Geiste der Versöhnung wird hoffentlich auch die Wahl eines Rabbiners stattsinden. So vorgearbeitet wird derselbe tinm ergiebigen Boden hier finden, dessen Früchte ohne Dornen und Disteln zur Lust und Freude der Gegenwart und der Zukunft rmter derSomu der Arlfklärung und der Gottesfurcht heranreifen werden. — H. ' Aus dem Hannoverschen, 23. März. Das .Städtchen Burgdorf, die zweite Station an der Eisenbahn zwischen hier und Celle, hat sich bei den Juden den Namen des Hannoverschen Geseke erworben. Ein jüdisches Ehepaar trat dort zum christlichen Glauben über, nach der Behauptung im Wolksmunde aus keinem andern Grunde, als weil der . Manu größere Handelsfreiheit erwerben wollte. Die Frau hatte zwei Kinder aus eitler frühem ersten Ehe nur über dieselben die mütterliche Vormundschaft. Kraft dieser Autorität wollte sie auch ihre Kinder taufen lassen; allein der Landrabbiner that Einspruch, da . ein solcher Akt die elterliche Autorität verlange , mit der mütterlichen allein nicht genug gegeben sei. Die Mutter ging an die Gerichte und erwirkte von der Jnstizkanzlei zu Hannover wirklich ein auf das Lus canonicum gebautes. Erkenntniß, wonach der Taufe der Kruder kein Hindemiß entgcgenstehe. Aber die höchste Instanz, das .Oberappellationsgertcht, warf dies Urihel wieder -um, und ordnete die Bestellung eines jüdischen Mitvormuttdes an, ohne dessen Zustimmung nun die Kinder nicht zu taufen waren. So weit ist von diesem Vorfall in den 23lättcrH fc^ün bic Rede gewesen, nicht aber von dem unerwarteten Ausgange. Die Mutter hat nämlich noch bevor das letztinstanzliche Erkenntnis) erschienen war, ihre Kruder heimlich nach Bremen geführt, und dort in aller Stille taufcit lassen. Nun fragt es sich, ob dieser Akt rückgängig zu machen ist; kaum wohl. Aber wenn auch die öffentlichen Stimmen über das unserö Bedünkens höchst gerechte Erkenntniß des Oberappellationsgerichts verschieden gewesen sind, darin werden doch alle wohl Übereinkommen, daß mit einer Konvertimug wie diese dem Ehristenthume nichts gedient ist. Tranrigerwcise soll der Vorfall in beut Städtchen Burgdorf eine Erbitterung gegen die Juden Hervorgemfen haben, die sich auf so kleinen Terrain zwar nicht anders geltend machen kann, als daß z. B. die Bttrgdorfer ihren Bedarf an Kleiderstoffen nicht mehr von den dortigen ji'ldischen Kauflenten nehmen, sondern durch die Eisenbahn aus Hannover holen, aber auch so kleine Aeußerungcn des Grolls gegen Andersglaubende sind betrübend genug und zeigen, wie viel größer sie fein fmmteii und würden, wenn die Gelegenheit daztl da wäre. Aus dem Hmtnoverscherr, 30. März. Als Nachtrag zu dem Schreiben vom 23. März interessirt es vielleicht, das Erkenntniß des Oberappellationsgerichts in jener Judenangelegenheit können zu . lernen, da es 16*