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Der Orient · 1846-04-09 · 15 (9.4.1846) · p. Spalte 235-236

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
15 (9.4.1846)
Date
1846-04-09
Page
Spalte 235-236 (sequence 6)
Language
German
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235 des- Tetragammaton betrachteten; möglich auch, daß. dieser kürzere Name seiner Bedeutung nach dem Worte und vielleicht näher als dem Tetragrammaton verwandt ist, und ebenfalls ein Attribut der Allmacht Gottes — was auch die Stelle 2, M. 17, 16, wo vom Strafgerichte Gottes die Rede ist, besonders beweisen dürfte —bezeichne: möglich also, daß dieses Wort auch ein primitives .und kein derivatives Substantrvum bildet, daß aber selbst der Hauptname von der. Radix N2' abgeleitet und gegen alle bisherige Annahme dieselbe Bedeutung wie ev&n - habe — anstatt solchen von der ins Auge fallenden Radix des subjektiven Verba HM abzuleiten — scheint mir nicht bewiesen. Zm nachfolgenden Aufsatze huldigte ich keineswegs den rabbinischen Ansichten, insofern solche nicht mit der rationellen Bedeutung des Wortes zu vereinigen wären; weil mir bei philosophischen Untersuchungen ein solches orthodox sein wollendes Streben für ungereimt scheint; aber, deshalb sind traditionellen Annahmen besonders bei Erklärungen von Eigennamen und sonst ständiger Begriffe durchaus nicht zu verwerfen, und so überlassen wir es dem gelehrten Publikum zu urtheilen, wer hier der Wahrheit näher gekommen. * * * Von jeher wurde unter den Schriftgelehrten und Sprachforschern über die Aussprache und Bedeutung des vierbuchstäbigen göttlichen Hauptnamens vielfach gestritten und auch in neuester Zeit haben einige Lexikographen verschiedene Meinungen hierüber geäußert. Daß dieser Name bei unfern Glaubensgenossen zur Verhütung-des Misbrauchs dieses heiligsten aller Wörter, unter Bezugnahme auf ein dcsfallsiges Verbot im Dekalog (2 M. 20, 7 und 5 Mos. 5, 11") im gewöhnlichen Leben nie so ausgesprochen wurde, wie es der Buchstabentext erforderte, beweist der Umstand, daß demselben die Punktation von dem göttlichen Beinamen (mit Hinweglassung des Chatef**), also PPTP beige- Bekanntlich deuten die Rabbiner — nach ihrer Weise, die Begründung der später im Volke entstandenen religiösen Sitten an biblische Stellen zu lehnen (^'MOO>k) —auch die Schriftstelle 2 M. 3, 15: „Dies ist mein Name in Ewigkeit (defekt üb$b)t und das mein Andenken von Geschlecht zu Geschlecht!" dahin, als müßte das Andenken an Gott mittelst der Aussprache seines Hauptnamens anders sein, als es die buchstäbliche Schriftart vermuthrn ließ (s. Raschi z. d. St. allein wir werden am Ende auf diese blos hagadische Deutung zurückkommen. **) Das dieses Chatef-Patach — atfo-n friy — nicht beibehalten wurde, mag seinen Grund darin haben', weil ein solcher breiter Hilfslaut nicht mit dem hellen Gaumenbuchftaben Jod — wenn, auch nur orthographisch, ohne Einfluß auf die Pronunciation — zu 'vereinigen, war; während das Chatef-segol. — in NsN?., wie sonst das Chirek zu den Hellen Lauten gehört, welche sich mit dem Jod gerne einigen. Ist diese Erklärung.richtig,, so ist hierdurch der Ree'-, scheu Ansicht, wonach das Tetragrammaton ursprünglich schon Jehova hieß, ihr bestes Argument. 23K setzt ist z. B. 1 M. 2, 4; welche aber, sobald das letztge- | nannte Wort selbst dabei steht, mit der Punktation des andern göttlichen Beinamen üirfPjS also Ns!"? vertauscht wird, z. B. 1 M. 2, 24. Manche jüdische .Bibelübersetzer, welche das Tetragrammaton wieder mit einem Eigennamen geben wollten, haben darum die im Volke übliche Leseweise Adonai jeder andern falschen Aussprache mit Recht vorgezogen. Nach der rabbinischen Ueberlieferung wurde nun die eigentlich richtige Aussprache dieses göttlichen'Namens blos einmal im Jahre, und das nur im Allerheiligsten des Tempels zu Jerusalem, aus dem Munde des Hohenpriesters vernommen, wobei sich die versammelte Glaubensgemeinde ehrfurchtsvoll verbeugte und in die tiefste Andacht versank (s. die jüdische Liturgie am Versöhnungstage und die Talmudstellen in Massechet Joma, denen sie entnommen ist). Welches aber diese richtige Aussprache war,.darüber schweigt diese Tradition; und ist vielmehr die Meinung verbreitet, daß mit dem Tode Simeon des Gerechten — welcher der letzte der großen Synode in der ersten Zeit des zweiten Tempels gewesen — die Art und Weise jener Aussprache in Vergessenheit gekommen sei. *) Untersuchen wir also, welche eigentlich die richtige Aussprache dieses Namens gewesen sein mochte; und vernehmen wir vorher die alte Meinung der Kabbalisten, wie die neue der Grammatiker. Nach der Kabbala— die bekanntlich mit der Punktation des göttlichen Namens dasselbe phantastische Spiel wie mit der Aufstellung und Benennung himmlischer Regionen und Pforten, guter und böser Engel treibt — wäre die Hauptaussprache des göttlichen Namens Jah-vah gewesen (vergt. die kabbalistischen Einleitungsgebete vor der Ausübung jüdischer Religionsgesetze), indem sie annimmt, daß der kürzere Nähme Iah gleichsam die Hälfte des Ganzen sei; und da sie gar oft die sinnlichsten Bilder des. Erdenlebens in den Himmel überträgt, so läßt sie die erste Hälfte dieses Namens als Grundtypus und darum männlichen Theil der Gottheit mit dem zweiten, so zu sagen, weiblichen Theile derselben vereinigen, und somit ein Ganzes bilden. Daher sie die Endung des weiblichen Wah (DT), dem mehr männlichen Weh (DV") vorzieht, und für diese ihre Mysterien den Bibelspruch (2^ M. 17, 16. fP D3 by ivi^) „denn eine Hand ist über dem Throne Jah's erhoben" ausbeutet; wonach diese himmlische — Vereinigung Gottes mit der Menschheit im Allgemeinen, und seiner Gemeinde Israel insbesondere, erst dann wieder statt fände, wenn *) Insofern diese rabbinische Meinung historisch zu begründen wäre, würde sie zugleich ein Licht über die Zeit der Einführung der hebräischen Punktation verbreiten; welche dann wohl nicht weiter als bis zum Tode jenes Simeon (vgl. auch die hebräische Jahresschrift Kerem Chemed V>Brief4) — oder eines gleichnamigen Urahnen desselben zurückgeführt werden könnte. Denn daß die Punktatoren auch nicht einmal — wie das bei manchem Keri und Ketib in der heiligen Schrift der Fall ist— über die richtige Aussprache des göttlichen Namens, wenn ihnen solche noch bekannt gewesen wäre, eine Andeutung sollten gegeben haben, ist wohl nicht denkbar! Studien. Das Tetragrammaton.

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