Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 15 (9.4.1846)
- Date
- 1846-04-09
- Page
- Spalte 237-238 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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237 die Feinde des Guten — die sie mir dem stereotyp gewordenen Namen Amaleß belegt — allenthalben besiegt sein werden. Wer Lust hat-, diesen Dualism der Kabbala, welcher in seiner sernern Ansdildung sogar in die Trinität ausartet, weiter zu verfolgen, der möge sich mit den desfallsigen mystischen Schriften befreunden. Dem wahrhaften Monotheisten wird dieses Herabziehen des Göttlichen in das gemeine Menschliche jederzeit zuwider sein; Mb ist dieser Widerwille leicht auch biblisch zu begründen (vergl: 5. Moses 6, 4. mit 4, 15. u. 39. und Jesaja 40, 18 u. 25. mit 46, 5. u. dgl. m.)! Im Llebrigen scheinen mehrere der neuern Sprachforscher, unter ihnen auch Ewald, zum Theile einer ähnlichen Etymologie des Tetragrammaton gefolgt zu sein. Denn letzterer spricht in seinen Übersetzungen der poetischen Schriften der Bibel dieses Wort stets Iahveh aus, wobei er also gleichfalls den kürzern Gottesnahmen Iah . als die erste Hälfte des Hauptnamens und aus demselben abgeleitet betrachtet; nur daß Ewald, frei von allen kabbalistischen Schwärmereien, die Endungssilbe des göttlichen Namens männlich (Weh) und - nicht weiblich (Wah) vokalisirr. Oder sollte etwa — ohne weitere Ableitung — die Analogie ähnlicher obgleich minder unregelmäßigen Verbalstämmen (wie etwa :hnf t-Pf* 10, 8.) jene Punktation der ersten Sylbe veranlaßt haben, so ließen sich wieder andere Analogien von noch ähnlicher» Verbalstämmen (wie z. B. (Ps. b 2.) Nachweisen, wonach Zch-veh zu lesen wäre; welche Annahme auch Dr. Fürst in seinem kleinern Wörterbuche. und' weiter begründet in seiner Concordanz 8. v. adoptirt. Gesenius hingegen citirt in seinem Wörterbuche zuvörderst die ältere Meinung, wonach Iah oder eigentlich Jahn' (wie dies bei hebräischen Eigennamen — z. B. (l. König. 17, 1) — ange- | hänge ist), Lautverwandschaften von Jao, auch Io, welches! man zuweilen in alten Inschriften findet, und folglich abge- J kürzt aus dem eigentlichen Namen Iahvoh (wie das obige l fy'TP oder der Eigenname OpJP (1. M. 25, 26) seien; fer- | ner'eine andere Meinung in Folge derer Jehvoh (analog. mit! (Ps.!2, 14.) zu lesen wäre; endlich auch die vor-! erwähnte Ansicht für Iahveh. \ Untersuchen wir indeß die gramatikalische Etymologie l und Analogie dieses Wortes etwas genauer, so wird sich uns ein neues — und, unsres Erachtens, das allein richtige — Resultat Herausstellen! Alle bessren Sprachforscher sowohl, als auch die rabdinische Tradition, stimmen darin überein, daß der Hauptgrund dieses Namens in jener Schriftstelle zu su-! d)en fciy wo sich Gott dem Moses' als: l (2. M. 3, 14) d. h. „Ich bin — immer derselbe — der ich! bin: oder mit andern Worten, als: der Stetsseiende — das j wahre Sein — das ewige Wesen " ankündigte. Nun entneh-! men die Rabbiner aus diesem Namen und seinen Attributen! , die Allgüte und Ba rmh erzigkeit Gottes (O'ON-t.N NNO) | währen.d ihnen (und auch die Allmacht und! Allgerechtigkeit Gottes (pH mo) bezeichnen; welche I' Erklärung sogar philologisch und philosophisch zu rechtferti- 238 gen ist.*) Ist nämlich Gott ewig, der Mensch aber sterblich, .so verdient dieser Nachsicht und Barmherzigkeit; ferner: ist Gott allmächtig, so kann er der Gerechtigkeit Genüge leisten, und derSünder hac ihn darum zu fürchten. Dieser Erklärung zufolge würden wir zu unsrer deutschen Muttersprache den eigentlichen Namen des höchsten Wesens nicht besser, als wiederum mit dem Eigennamen: Gott — verwandt mit gut, so er besonders mit uns seinen Menschenkindern ist (vergl. Ps. 10Z, 13.), — dagegen Elohim mit dem gleichfalls übertragenm Namen: Herr — den wir, seine Knechte, zu fürchten haben (vergl. Malachi 1, 6.) — übersetzen; und entnehmen wir hieraus, wie Luther, mit seiner Kraftsprache, auch in dieser Beziehung den richtigen Sinn der Bibel getroffen hat. — Ist also die Ableitung des göttlichen Namens von dem Verbalstamm rpn erwiesen, so haben wir uns das persönliche Verhältniß zu erklären, um die Aussprache desselben zu finden. Gott nannte sich selbst rpuN „ich bin (ewig)" und wir sprechen von ihm als von einem Dritten ppri'» „Er ist (ewig)". Da nun dieses einzige Hilfszeitwort der hebräischen Sprache ohnehin das allgemeine Verbum subjectivum ist, und in seiner ersten Sylbe — gleich dem ganz ähnlichen.Verbalstamm n'H — eine regelmäßige Punktation (nur mit einem Meteg, z. B. HTTP (1. M. 8, 3.), annimmt: so haben wir auf anderweitige Ableitungen (wie n.)lT> oder pp) gar nicht einzugehen; und es wäre demnach nur noch zu erforschen, warum der mittlere Stammbuchstabe Jod sich dabei in Waw verwandelt. Bedenken wir indeß, daß die ursprüngliche präsentale Grundzeit— neben welcher bekanntlich im Hebräischen nur noch die perfecte Urzeit'*) fungirt — in der weiteren Sprachentwickelung größtenteils als Futurum verwendet wurde (weswegen die jüdischen Schrifterklärer in jeneu Stellen, wo die erwähnte Zeit noch ihre ursprüngliche Bedeutung hat, von einem mnn einer immer andauernden", oder „sich stets wiederholenden" Zukunft sprechen); für die momentane Gegenwart aber gewöhnlich das Participium benutzt wird, welches bekanntlich das Jod jenes Verbalstammes in Wäw verwandelt (rnh vergl. Nehem. «6, 6. —), so ist die Annahme wohl begründet, daß, theils um-jenes gegenwärtige und zugleich zukünftige darum auch ewige Sein in der ursprünglichen Verbalform charakteristisch auszudrücken, und theils, um diesen heiligen Ausdruck von der auxiliären Verbalform PP in Etwas zu unterscheiden***) — das Stamm-Jod in's *) Vergl. hierüber des seligen Landaner Schrift: „Jehova und Elohim". Fürst Eon:. 8. v. '*) Vergl. hierüber Or. S ch e i e r 's Schrift: „Lehre von 'I'empus und iVloüus. ***) Würde ja auch — nach Angabe der jüdischen Grammatiker aus der spanisch-maurischen Zeit — zur Unterscheidung des göttlichen Beinamen ’O'IX Herr, von dem gleichförmigen men schlichen Beinamen, wecher sonst ebenfalls nach der Mehrheitsbeugung — als Nomen cxcellentiae — geformt wird, jener stets mit langer Endsylbe — Kamez auch Studien. Das Tctragrammaton.