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Der Orient · 1846-04-09 · Heft 15 (9.4.1846) · p. Seite 114

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 15 (9.4.1846)
Date
1846-04-09
Page
Seite 114 (sequence 11)
Language
German
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- 114 - seines ausgezeichneten Talentes als vermöge seines liebenswürdigen Umganges hier in großem Ansehen und erfreuet sich der Achtung der Hochgestelltesten Personen. Es hat auch so mancher Jude dessen Einflüße dankbar zu sein. Goldschmidt, Ignatz, ,aus Wien, Epigrammatist im Humoristen. Hausner ans Ungarn, als geistreicher Mitarbeiter des Humoristen bekannt. Heller, I st d or, aus Böhmen, sehr beliebt als Novellist. Kapper, S., ein Böhme, als deutscher und böhmischer Dichter rühmlichst bekannt. Seine böhmischen Melodien haben seinen Ruf begründet, und es sind so eben Gedichte von ihm unter der Presse. Kolisch, S i g m. ans Mähren , ein sehr talentvoller Aesthetiker und Mitarbeiter der Schmidl'schen Bl. und des Sammlers. Er übernimmt jetzt die Redaktion einer Zeitschrift in Grätz. K u n t (?) ein talentvoller Mitarbeiter der Wiener Zeitschrift. Kompert, Leopold, aus Böhmen, ein sehr geistreicher und gewandter Mitarbeiter mehrerer Hiesigerl Blätter. L a n d e s m a n n, Hei nrich , ans Wien / Mitarbeiter mehrerer hiesigen Zeitschriften. Mannheimer, I. N. Wer in der Welt ehrt diesen Namen nicht? Märzroth (Barach), Novellist und Poet. Rand nt tz aus Prag , ein vortrefflicher Mitarbeiter mehrerer Zeitschriften. Seidlitz aus Prag, als geistreicher Novellist sehr bekannt, Mitarbeiter'des Humoristen. Stern, M. E. ans Ungarn , als hebräischer und deutscher Dichter bekannt, und Redakteur der Zeitschrift Kochbe Jtzchak. Sch lest n g e r, W., aus Pest, als anonymer Mitarbeiter des Humoristen. Prof. Sulz er, als Componist, eben so berühnrt, wie er als ausgezeichneter Sänger beliebt ist. Er hat dieser. Tage einen Ruf nach Groß- Kanischa erhalten, um dort den Gottesdienst zu regeln. Wertheimer, Joses ist sowohl wegen seiner pedagögischen als geschichtlichen und belletristischen. Werke gleich bekannt und hochgestellt. W in t e r n i tz, M. Dr., aus Prag , als Herausgeber und Uebersetzer dc§ diätetischen Briefes von Maimuni bekannt. Aus Mähren giebt es sehr wenig Erfreuliches zu berichten, dort tröstet man sich immer.mit der Hoffnung auf den Landrabbiner / und mit Zittern denkt man an die Anstellung Hirsch^.. Denken Sie sich nun diese babylonische Verwirrung. Aus eine schmähliche Weise werden da die Rabbinate besetzt. Anforderungen auf Bildung werden wohl allenthalben gestellt, und.wenn'szur Besetzung einer Stelle kommt, trägt der Zufall immer den Sieg davon. So war's in Lomnitz der Fallwo zwei unserer Rabbinatskarldida ten Herr M. I. in Loschitz und Herr M. Schmidt sich nm das Rabbinat bewarben/inld irgend ein Lump verdrängte sie. Gott besser's! Desto reger und erfreulicher werden die Bestrebungen in Ungarn. Von dort können wir vieles hoffen , wenn sich nur ihr ritterlicher Enthusiasmus mit mehr Ausdauer und mit mehr Ueberlegung paaren möchte. Vorzüglich verdient die Gemeinde Papa der rühmlichsten Erwähnung, die durch die neue Wahl der Vorsteher viel verspricht, und besonders verdient macht sich um diese Gemeinde der dort wirkende Arzt Herr M o r i tz Feitel, der auch ihre geistigen Nebel zu heilen unternimmt. ' ' ' Pvag, 1. April. Von den Vorlesungen des Herrn Dr. Wessely über Kusari wurde in diesen Blättern mehrmals schon Erwähnung gethan. Welche Färbung und Beschaffenheit aber diese Vorlesungen haben , und mit welchem Erfolg in Hinsicht ihrer Wirkung auf den Geist oder das Herz der Zuhörer, sie Herr Dr.. Wessely hält, wurde meines Wissens noch nicht gemeldet. Ich will also das Fehlende hinznfügen, und über diese 2 Punkte Ihnen Auskunft geben. — Diese Vorlesungen waren früher für einen kleinen Kreis, für die Lehramtscandidaten der hiesigen jüdischen Hauptschule, welcher Herr Dr.W. alsRcligionslehrer vorsteht, bestimmt. Die Wichtigkeit und tiefe Weisheit dieses Werkes , und dazu der gründliche Vortrag des Herrn Dr. W., lockten bald immer mehr und mehr auswärtige, dem Tempel der Wissenschaft ganz fremde Zuhörer an, bis endlich das winzige Collegium zu einer, die Räume der größten Schulzimmer aussüllenden, Versammlung anwnchs. ' Es war sodann freilich Pflicht für Herrn Dr. W., seinen sabbatlichen Vortrag für eine Gemeinde einzurichteu, und also.nicht so sehr den übersetzten und etwa paraphrastisch erklärten Text desKusari vorzutragen, sondern vielmehr seine Reflexionen über die vom Autor ausgesprochenen Gedanken anzustellen, und sie mit der Gegenwart, mit den Verhältnissen und der Lage des jüdischen Volkes , seiner Religion , seiner Sprache und Nationalität, in so fern es thunlich ist , zu verbinden. Dann und wann pflegt Herr Dr. W. , die Gelegenheit auf der Lehrkanzel zu sitzen benützend, auch einen Vortrag zu hatten. Dieses that er auch am Sabbat Sachor. Er setzte den Widerspruch, den das Gesetz „ über die Vertilgung Amaleks und die unversöhnliche ewige Feindschaft gegen thn^, mit der Allgüte Gottes und mit dem übrigens Mahre Humanität athmenden Geist der Bibel macht, recht gelungen auseinander, betrachtete den Zustand des jüdischen Volkes in der HamanLschen Zeit, erörterte den eigentlichen Sinn der aus die gänzliche Ver nichtnng jedes jübischen An geden kens abgesehenen Anklage des jüdischen Blutfeindes —- Haman — und zeigte, daß dieselben Vorwürfe auch die Hamans unserer Zeit dem heutigen Jndenthum macheru Mit unparteiischem Urtheile begegnete er diesen sogenannten Vorwürfen. Er schüttelte nichts vom Nacken des Judenthums ab, was nicht abzuschüiteln ist — und das kann freilich nur etwa die orientalischen'Eigenthümlichkciten oder die verderbte Urngangssprache der untersten Klasse der Juden betreffen. — Die Länge und die weit-

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