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Der Orient · 1846-04-02 · Heft 14 (2.4.1846) · p. Seite 107

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 14 (2.4.1846)
Date
1846-04-02
Page
Seite 107 (sequence 13)
Language
German
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diesen Vorschlag nicht genehmigen kann, indem man damit beschäftiget sei, auch in Galizien sie zu suspensircn imb eine schicklichere Abgabe für selbe einzufuhreü. Jener Grunds den die judenfeindlichcn Publizisten mitunter arlch bessergesinnte "angeben, daß der Zulauf der Juden nur durch die Gelegenheit zürn Schmugclhandel. geschehe, ist durchaus falsch, indem einerseits derselbe unzugänglich gemacht -ist, andererseits keinen sehr glänzenden Gewinn abwirst, um solche halsbrecherische Unternehmungen zu wagen. In neuerer Zeit ist ein ganz eigener Grund der Zunahme der jüdischen Bevölkerung hinzugekommen. Ein gewisser Israel Friedmann, der durch viele Jahre in seinem Gebnrtslandc Rußland, den Ruf eines großen Wunderthäters durch verbrecherische Gaukeleien sich zu erschleichen gewußt hat, nachdem die russische Regierung, aufmerksam gemacht durch, gesetzwidrige Umtriebe und verübte Handlungen, ihn in zweijähriger Hast gehalten, durch die Erschleichung eines Reisepasses in Jassy bei dem französischen Konsulate auf den Namen.eines moldauischen Juden, sich über die Grenze geflüchtet und im Monat Februar 1842 den Einlaß in die Bukowina erlangte. Seine Mitschuldigen au§ Rußland kamen mit ihm herüber, und sein enormer Anhang, der ihm der Entfernung ungeachtet hierher folgt, ihm die Bewunderung zu zollen, und seine Schätze zu vergrößern, tragen bei, die Zahl der Einwanderer zu vermehren. Man schätzt die Bevölkerung der Juden auf 30,000 Seelen, von denen die bedeutendesten Gemeinden, Sadagora, Czernowitz, Szuezawa, Sereth, Bojan u. s. w, sind. A—r. Aus Galizien, im Febr. Die Annalen der hierländischen Israeliten haben seit langer Zeit Glicht von derlei Begebenheiten zu erzählen gewußt., wie sie sich cm dem vergangenen Versöhnnngstag in manchen Orten zilgetragen haben. Der niedrige christliche Pöbel pflegt gewöhnlich an diesen Tag. in die Synagoge cin- .. zudringcn, und schonungslos die Ergießungen der Betcnden zu bespötteln und zu verlachen; man ertrug es mit hingebender Geduld, weil der Jude den niedrigen Grad, den er trotz seiner Tugenden und Reichthümcr in der gesellschastlichen Ordnung einnimmt, nie aus dem Auge verrückt, llud vielleicht auch mitleidig des Spötters starre Blindheit bemitleidete. Diese übermenschliche Geduld rief eine noch größere Keckheit hervor, da es dem Pöbel, der.ans der "ärmsten Volksklasse besteht, dem es oft an den unentbehrlichsten Lebensmitteln fehlt, znnc Tröste dient, eine reichere und bessere Volksklasse gesetzlich weit unter sich gestellt zu sehen, der cs sogar au Muth gebricht, den Höhuer seiner andächtigen Ergießungen in die Schranken zurück'zuweisen. Wie weit aber der Muthwille gehen kann,' welche gefährliche Folgen er mit sich bringt, mögen folgende Thatsachen, die bei den Juden allgemeinen Schrecken, bei den gebildeten Christen Scham und Unwillen erregten, beweisen: In S n y a litt, einem Städtchen im Kolomäer Kreise, das mehr als 500 jüdische Familien zählt, haben einige Handlverker während des Gottesdienstes am Eingänge des Festes, die Thüren der Synagoge von Außen abgesperrt, und dabei lärmend einen Feuerausbruch angezeigt. Die Synagoge war durch die Menge der Landleute, die gekommen waren, dem Gottesdienste beizuwohnen, überfüllt, als sie das Zeichen einer Fenersbrünst hörten, lief alles zur Thüre hm, konnten sie aber nicht öffnen, sie kehrten um, um durch die Fenster zu entkommen, und begegneten so den zur Thüre .Eilenden, und drängten und stießen aneinander, so daß manche Kinder und schwache Greise in dem allgemeinen Schrecken .erdrückt, während die durch die Fenster auf die Gasse Hinansspringenden fast tödtlich verwundet wurden. , Viele Frauen lagen ohne Rettung ohnmächtig. Jüdische Soldaten benutzten indessen die Zeit und rissen ihnen die Perlenhauben vom Kopfe. — Als der Tumult vorüber war, erschien der Bürgermeister mit Polizeidienern und fand die Gemeinde in Anftegnng und Verwirrung, aber auch 7 Leichname, und mehr als '40 Verwundete, die auf der Straße winselten. — Der Pöbel war nicht mehr. —. Die Untersuchungen brachten die Thäter nicht heraus, dieser Frevel blieb also unbestraft. Es sind ja Juden, diemuthwittig getödtet wurden l Ein anderes derartiges Ereigniß hat die Behörde selbst an eben demselben Tag zu Podhajzy im Brzeszauec Kreise herbeigeführt. Die dortige Judeugemeinde hat die in diesem Jahre ihr auferlegte Pflicht, einige Mann zmn Militärdienst zu geben, noch nicht gänzlich erfüllt gehabt. Der Mandatar wußte keine geeignetere Gelegenheit, sie'zur Abstellung zu nöthigen, als diesen Tag abznwarten, tvo gewöhrrtich Alles in der/ Synagoge versammelt ist. Als das Morgengebet vorüber war, belagerte dieser würdige Anüsvorsteher mit mehr als 200 mit Sensen und Heugabeln bewaffneten Bauern die Synagoge, während er selbst in die Synagoge drang. Die Inden, die den Zweck des Eindringens der bewaffneten Bailern nicht kannten, glaubten, daß man ihre Häuser ungestört plündern wollte, während man denAuögaug verwehrte; sie setzten sich zur Gegenwehr, und ans Mangel anderer Wehrmittel griffen sie zu denen, welche die Gelegenheit ihnen bot. Sie schleuderten Bänke, Tische und Leuchter -gegen die eingedrnngene Masse, die ihrerseits nicht muffig blieb , die Leidenschaft erwachte, der alte Haß lebte auf, mtb so entstand .eine Metzelei, wobei von beiden Seiten Blut vergossen wurde. Mehre Juden wlirdcn verhaftet, .und wie man glaubt, .werden sie auch zu mehrjähriger Kerkerstrafe verurtheilt werden. Es sind ja Inden, die sich im Gottesdienst nicht stören lassen, llnd ihre Hauser der Gier des Pöbels nicht Preis geben wollen N Astm. Szegedin, 15. Febr. Ertauben Sie geehrtester Herr Redakteur, daß ich diesesmal dm Grundsatz, auch nicht israelitische Notabilitäten, die zu unfern Angelegen-

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