Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1846)
- Date
- 1846-04-02
- Page
- Seite 106 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2360092-2360418-2360433--5382-3532121- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der Arrmlth einen so schrecklichen Gebrauch zn-machen; denn nur die Ärmuth oder die erdenklichsten Verschwendungen sind es,: btc zu solchen Mitteln ihre Zuflucht nehmen , und nur in sofern er die Arumth drückt und der Verschwendung Vorschub leistet, ist der Wucher schändlich, ja grausam nlnd der ganze. Härte. deS Gesetzes werth. Es Haben mich oft Manche auf das Treiben der Wucherer von Profession aufmerksam gemacht, die nütjedem ersten Tag eines beginnenden Monates gleich den Schlangen, die ausihre Opfer lauern , vor die Kreiskasse sich postirm, um von ihren Schtachtopfern das erhaltene Geld, auf das' vielleicht eine darbende Beamtenfamilie mit Sehnsucht wartet, ihnen zu entreißen. Wahr ist es, daß der Mangel an. Freiheit, jedes beliebige. Geschäft auf eigene Hand zu betreiben,, als Feldbau, das Erkaufen von Gründen aus eigenen Namen, den Wucher erzeugt, kann aber durchaus nicht entschuldiget werden, besonders da er so viel Hammer und Elend dem Gesammtjudenthum bereitet, da es leider voll jeher das Schicksal der Juden war, die Sünden der Einzelnen zu-büßen. Der größte Theit jedoch betreibt den Handel, aber wenige die sich zu ihrem Fache gebildet, und die komerzietlen Kenntnisse sich angeeignet hätten. Wer Geld hat errichtet eine Handlung, stellt einige Diener an, die mit den Einkausprcisen bekannt gemacht werden, und deren Pflicht' es ist, so thener als' möglich dieWaare abzusetzen. Neulich hat Herr ProfesftrBonet, der die Physik und Mathematik im hiesigcir Lyceunr lehrt, einen Aufruf ergehen lassen, einen Kursus über die Handlungswlffenschast zu eröffnen, aber aus Mangel der Th ei ln ahme es aufgegeben. Die Gleichgiltigkeit gegen alles Wissen sch östliche äußert sich m jeder Hinsicht, und wir werdcnMr -Verlaufe dieses Referats die '.'Folgen hiervon mit Bedauern wahrnehmen. — - . Wenn in einigen Provinzen, die unter den: Szepter Oesterreichs liegen, noch viele Beschränkungen gegen unsere' GlanbenSverwandten hinsichtlich ihrer Zahl und ihres Aufenthaltes obwalten; so muß man doch gestehen, daß derartige Beschränkungen in". Galizien unbekannt sind, ausgenommen, daß der-Aufenthalt auf den Dörfern, - durch die noch immer vorherrschende Meinung, die Inden prellen und verleiten den Bauer zum übermäßigen Branntweingenüß, untersagt ist. Daher sind auch in keiner andern Provinz so viele Juden. Hier in der Bukowina, in der bei der Besitznahme Oesterreichs nur wenige sich vorfanden , meinte man eine Morm festzustellen, mu* diejenigen von den Vorgefundenen noch ferner den Aufenthalt nicht zu'-.verweigern, die entweder einen ordentlichen Handel führen,/ ein Gewerbe treiben oder als. Meister einer nützlichen Professionhändthieren.! ' Die dieser Bedingung nicht Nachkommen konnten, und auch ke-in Vermögen hatten, wurden.sofort ausgeschafft, und nur wenige Familien blieben, die im ganzen'Kreise sich zerstreuten, und nach ihrem Interesse ihre Wohnung wählten.. Wer nichts über seiner: Auferühalt vorschristsgemäß Nachweisen konnte,, wurde entweder nach Galizien oder nn die benachbarte Moldau auSgewieferü Vor der Hand blieb die Bukowina unter einer militärischen Administration, und .sie handhabte ihr zugewiesmes Recht mit militärischer Strenge, besonders in Betreff der Juden. In einigen Jahren, als' dieser Kreis Galizien zugeschlagen ward, setzte man auch Civilbehörden ein, und die Strenge ließ nach.- Sobald einige Erleichterung m der Vcrwaltüng verspürt wurde, fingen auch die Juden,' durch die geringe Zahl der Bewohner veranlaßt, an, sich immermehr hier niederzütassen, besonders, da die. Lage dieses Kreises durch die Nahe .von Rußland und der türkischen Provinzen, Ungarn und Siebenbürgen als Schwesterprovinzen nicht zu erwähnen, vortheilhafte Aussichten bieten, den Handel auöbenten zu können. Man suchte sich Anfangs gegen einen allzu großem Andrang von Seiten der Regierung zu verwahren, die Zunahme an Wohlstand, und die sichtliche Vermehrung des Geldes gebot ihr Mäßigung, die Strenge ließ nach. Hingegen zeigten die Juden selbst gegen ihre eiugewanderten GlaubenSbrüder eine unverzeihliche Strenge, die Angeberei wollte kein Ende haben, und gegen dm der schon daS Gluck hatte [eine gesetzliche wenn auch zeitweise Bewilligur:g zu erlangen, wütheten die Einheimischen um so mehr, er mußte durch erschwerte Abgaben, die gewöhnlich durch den' Vorstand bestimmt werden, seine Zudringlichkeit büßen, und. man versäumte keine Gelegenheit ihn seine Einwanderung fühlen zu lassen, um sich so' den eingebildeten -Vorzug der inländischen Geburt zu sichern. Besonders zeichnete sich in der Verfolgung dieser Fremden ein gewisser N. N. aus, der als Vorsteher der Czernowitzer Jsraetitengemeinde, und durch den Neichthum, den er ans eine zweideutige Weise erworben haben soll, einigen Einfluß sich gesichert hat, den er zu seinen: Nutzen und zu anderer Verderben misbranchte.. Bei alledem konnten die inneren und äußeren Hindernisse es nicht dahinbringen, den Zufluß von C'iuwaudern zu hemmen., so daß die Zunahme der jüdischen Bevölkerung. zusehends sich vergrößerte. Eine besondere Ursache, warum die Einwanderer es als cin«großes Glück achteten, hier den Aufenthalt sich zu sichern, waren die Rücksichten der Regierung, die Religion mit nicht so vielen Abgaben zu belasten, wie es in Galizien der Fall ist. Später jedoch wurden. diese Skrupel beseitigt, und der Fleisihaufschlag eingeführt, statt der verrufenen Lichtanzündungsstener, die Familiensteuer, die den: Vorstand und dazu gewählten -Ausschußmännern überlassen wird, die bei der Repartation noch immer diejenigen belasten, gegen die der Vorstand ftiudsetig gesinnt ist. Daß .diese' letztgenannte Steuer durch dieses willkürliche Repartiren drückend ist,/beweist die. Vorstellung Seine Majestät, auch.hier die Lichtanzündungsstener statt jener eiuzusühreu, worauf merkwl'rrdigerweise erwidert ward , daß man