Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1846)
- Date
- 1846-04-02
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Opfer gescheut haben. Sie sehen/ daß unsere Kaufmannschaft eben so gute Historiker sind als Theologen. — Nach tanger unfruchtbarer Debatte wurde beschlossen, einen Beschluß 'zu fassen, und dieser Beschluß "soll "beschließen, ob man eine Deputation an die Berliner Genossenschaft absenden soll, um einen Anschluß zu vermitteln, dieser Beschluß wurde etwa von 56—60 durch Unterschrift angenommen. Der größte Theil der Gemeinde aber wünscht nichts sehnlicher als einen dnuerudcn Frieden, der natürlich nur bann zu erzielen ist, wenn die Steine des Anstoßes. entfernt würden; diesen'Gedanken spricht auch ein Artikel in der Breslauer Zeiiurlg Nr. ans, den Sie hiermit erhalten und der als der volle Ausdruck der Gefammtgemeillde, die Rcforlner abgerechnet, zu betrachten ist. Breslau, 25. März. Erlauben Sie, daß. ich Ihnen einen in der hiesigen Zeitung veröffentlichten Artikel mittheite. Der trostlose Zustand unserer.Gemeinde, die Verblendung so vieler in ihrer Mitte, die sich von Rabbinern zu jener Vorthcil ihrem Interesse - ausbcuten und benutzen lassen, ist mit Farben geschildert, welche der Freund des Jüdcnthumö, der hier lebt, sofort als die Farbe der Wahrheit erkennt. Diese Stimme-aus der Mitte unserer Gemeinde zeigt, daß auch untere uns der Geist dee Erkenntniß erwacht und daß eine große Zahl der Mitglieder nachgerade einsieht, daß sie von modernen und unmodernen Rabbiuen mißleitet werden. Hier der Artikel: ,,(Eingesandt.) Ein Wort zu seiner Zeit an die israelitische Gemeinde. Seit mehreren Jahren ist rmsere sonst so einträchtige, so edle Gemeinde irr zwei feindliche Lager zerworfen, die verzehrende Flamme der Zwietracht, der gegenseitigen Erbitterung wüthet -in allen Verhältnissen der Gemeinde, bis in das Heiligthmn der Familie; sie trennt den Freund vom Freunde, den S.ohn vom Vater. Die Religion unserer Väter wird in unserer und unserer Kinder Gemüther immer schwächer, weil Alles in Frage gestellt wird, weit auch das Heiligste nicht vor Angriffen gesichert ist. Unsere Gemeindeverhältnisse sind zerrüttet, unsere Gemeindekasse ist erschöpft. Ungeheure Summen sind in Folge der Zerwürfnisse in »gegenseitigen Prozessen launenhaft verschleudert worden. Gute Vorsätze, heilsame Anstalten können in unserer Mitte nicht gedeihen, weil sie bei ihrer Geburt von dem Gifte der Parteiung angefressen und im Keime erstickt werden. Der Name unserer Gemeinde, der sonst einen .guten Klang hatte, ist so ziemlich in- Verruf gekommen, und anstatt, daß wir den kleinern Gemeinden als Muster des Edlen und Trefflichen vorschweben sollten, sind wir ihnen ein warnendes Beispiel geworden. Söll dieser verwüstende Krieg noch fortdauern? Soll der Dämon der Zerrüttung seine Herrschaft noch fortsetzen? Ihr wisset, daß diese Zerwürfnisse im Namen der Religion über unsere Gemeinde geführt worden, Ihr wißt, daß die Diener der Religion, welche Friede und Eintracht als die höchste Tugend stempelt, sortfahren, Euch Zossen Trennung und Zwietracht zu predigen, Ihr wisset, daß man darauf ausgeht, den Riß in der Gemeinde unheilbar zu machen. Ihr wisset noch vielmehr , was die Oeffentlichkeit nicht erfahren soll. — Aber laßt Euch nicht länger durch Blendwerke täuschen. Setzt nicht das Wohl der Gemeinde in der Gegenwart und Zukunft aufs Spiel, bedenket, daß unsere Kinder uns einst fluchen werden, weil wir ihnen Hader, Haß, zerrüttete Verhältnisse vererbt haben. Schämen wir uns nicht des Geständnisses, daß wir Alle gefehlt haben, nicht wissentlich sondern in Verblendung. Bedenken wir, daß die Gemeinde nicht der Rabbiner willen, sondern die Rabbiner der Gemeinde willen da sind. Hattet zusammen, laßt Euch nicht trennen, vergessen wir die Unbill, die ein Bruder dem Andern in der Erbitterung zugefügt. Bedenket, daß in Eintracht auch das Schwerste ausführ-; bar ist, in Zwietracht aber auch die unschuldigste Verbesserung auf Widerstand stößt. Entfernen wir die Veranlassung des ewigen Streites und Friede wird wiederkehrcn und mit ihn: alle die Güter, die wir durch die Spaltung eingebüßt. Opfert kleinliche Rücksichten dem Frieden, dem Zudenthumc, dem Gesammtwohl der Gemeinde, Euren; Kindern. , Mehrere Friedliebend e. Q e st e r r ei ch. Aus der Bukowina, im Febr. Auch hier wie. m allen österreichischen Ländern ist der Jude einzig und allein auf den Handel angewiesen, versäumt aber auchnstichk von dm ihn erlaubten Professionen Gebrauch zu'machen> die/ ihm hier eben so wie der Handel ausreich endb'Mittet, ja oft Ueberftuß gewähren.' Der Verkehr mit den nahen ausländischen Provinzen mag vielleicht der Grund sein , daß die Bukowina bis jetzt die grauenhafte galizische Armuth nicht kennt, und sich fast eines allgemeinen Wohlstandes, abgesehen von Sadagora, wo die Noch und der Geldmangel durch das AbsorbationSsystem des Israel Friedmann im Wachsen sind, -erfreuen. Bedeutend tritt dieser Wohlstand besonders in Czernowitz hervor, wo Juden einen ausgedehnten Handel mit Manufaklnrwaaren jeder Gattung treiben, viele Ochsen jährlich aus Bessarabieu herüberbringen, sie nach Mähren und Oesterreich verführen, Speditionen nach den Nachbarländern unterhalten, und bedeutende Geldgeschäfte machen. Man muß jedoch gestehen, daß eben dieser Grad von Wohlstand, eine fast unbezähmbare Begierde bei dem bukowiuer Reichen hervorgerufen, das Geld um jeden Preis zu vermehren, daher der Wucher sehr schändlich betrieben wird. Der Kleinere macht es dem Großen uach, und der Wuchergeist dmchdrmgt alle Klassen. Die Geschichte erfordert Unparteilichkeit, und ich gestehe» daher, daß nicht selten von 4— 5 pr. Ct. monatlich, d. h. j 50. 60 jährlich die Rede ist. Schmerzlich ist eS von