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Der Orient · 1846-04-02 · Heft 14 (2.4.1846) · p. Seite 103

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 14 (2.4.1846)
Date
1846-04-02
Page
Seite 103 (sequence 5)
Language
German
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103 Schulhauses derart gezeichnet, daß die Baukosten m drei Jahren völlig gedeckt sein werden. —In Buchau werden freiwillige Spenden' zum Bau einer Orgel in der Synagoge gesteuert; auch hat Rabbiner G ü l d e nst e L n von dort bei der israel. Oberkirchenbehvrde darauf angetragen, daß der Pentateuch in dreijährigem CykluS beim Gottesdienste verlesen werde; dieselbe hat aber auf. das Referat ihres. theologischen Mitglieds , Kirchenraths Maier, dahin entschieden, daß nur mit Einwilligung der ganzen Gemeinde diese Reform gebilligt werden: könne. Die Gemeinde soll, dem Vernehmen nach,, damit sich einverstanden erklären. —- Das Rabbinat Jebenhausen ist im Königt. Regierungsblatte zur Besetzung ausgeschrieben. —■ In manchen Gerrreirrdm bilden sich Synagogat- Gesangvereine / ich will aber keine Hoffnungen aussprechen, da. die.Lesevereine, von denen wir so Scho-, nes gehofftmeist einem kläglichen Ende entgegen gehen. Breslau, 24. März. Der März traf hier einige drohende Gewitterwolken versammelt, die sich aber bis jetzt nur in einigen schnellen Zuckungen des Blitzes, von einem schüchternen Donnern begleitet, entluden. Unsere Gemeinde hat wieder einmal sehr angenehm geträumt, doch das Bild ist verschwunden, die Begeisterung ist hin, und der leicht empfängliche, aber eben so vergeßliche jüdische Breslauer reibt sich dieAugeuund denkt nicht mehr daran, daß er vor nicht erst drei Wochen nahe daran, war, ein Jude wie anderswo,zü werden. Gewiß wäre Fasset fast schon vergessen , hätte sich nicht Herr- Geiger für der: treffenden Hieb in Fassels Gleichniß von den „Bäumen mit dein Eisen" wenigstens durch einiges Reformier: Luft zu machen gesucht. So gern Herr G. das ganze alte Judenthum ignoriren möchte, so will er doch keineswegs" zu den abgefallmen, wnrmsti- * chigen Aesten desselben gehören, die sich zu Stiel und Schaft des ehernen materielle!: Zeitalters hergeben, um die hohen uralten Palmen und Cedern zu fällen, und dafür dürres niedriges Gesträuch anzupflanzen. Bitter beklagte er sich daher, daß er so oft verkannt und misverstanden werde, und sprach dann viel über seine Redlichkeit und seinen Eifer für die Erhaltung des Judenthums, nur geläutert solle es aus seinen Händen hervorgchen. Doch siche da erschien in der vergangerwu Woche wie du Himmelsbote der Deputate der Berliner Resormgesellschast, um durch den blendender: Antrag der dortigen Predigerstelle, die einer: jährlichen Gehalt von 2000 Thlr. sichern soll — den dichten Schleier der Heimlichkeit zu lüsten, unter welchem dem Volke Manches vor: den Vätern Ucberkomrueue genommen wurde. Freier und unumwundener'als^ je sprach sich Herr G. daher am letzten Sonnabend aus:. Kommt, wir wollen Lichtftcuude werden , so rief er den versammelten Gememdemitgliedern zu; mit dem lobeuSwerthesten Eifer suchte er alle Lichtpunkte seines Wirkens in den: Strahl leuspiegel seines Geistes aufzufangen, um die Anwesenden damit für seine Zwecke zu erwärmen. Daß ihm dies bei einem großen, ja dem größten Theil nicht gelungen ist, hat die Folge gelehrt. — Mit würdiger Resignation wendete er sich dann zu diesen : NJI ‘PN DNi:»m\i oü 'hyo nj nrn» nb\sümi pQ'n. Doch wie kann man es nur wagen, die Worte des großherziger: Abraham im-Munde-zu führen, während man doch stets, wie der naive Lot, nach den vollsastigm Städten des Kikar gegriffen hat? — Ja, der Herr Doktor soll , dem Vernehmen nach , , gar nicht, abgeneigt sein, die Berliner Stelle anzunehmen; daher also diese plötzliche Freimüthigkeit, Herr Geiger hat in Privatvorlcsttugen schon beim Beginn der Berliner Reform seine Sympathien für dieselbe an den Tag gelegt, doch verbot es die Klugheit, sich an die Spitze jener zu stellen, die schon damals aus ein Anschlüßen au den Berl. R.-V. hindrängten, ja den wohlberechneten Beu:ühuugen Geigers gelang es sogar, jene Bewegung niederzuschlagen. Rur: aber, da alle Rücksichten aufhören konnten, war es an der Zeit, offen zu handeln. Ans G's. Veranlassung versammelten sich denn verflossenen Sonntag die meisten unserer reformistisch gesinnten Inden, um auch hier einen Verein für Reforu: zu konstituiren. Ein Herr N. R. begann damit, das pater iwster der jüd. Reformer in einiger: beliebten Floskeln vorznträgm, des Inhalts, daß das Judenthum ein heiliges Vermächtnis) unserer Voreltern und daher wohl zu. schirmen und zu erhalten sei, doch wäre der äußere Ban schon ckersch und unhaltbar, vertrüge sich nicht mit dem Geschmack der Zeit. Dieser müsse daher vor dem scharfen Zahne des Hohnes gesichert werden, damit nicht durch sein Zusammenstürzen auch der Kern des Jndenthums unter dm Trümmern begraben werde. Den Kern, den möchten 'wir wohl erhalten, die Schaäte aber, die verwelkte Schaale wollen wir von uns werfen, so schloß Herr N. N. seinen Vortrag. Das hieße aber hier grade so viel als: „Wir wollen schon Juden bleiben, aber nicht Inden-sein. Wer stimmte nicht damit überein, daß eine ernste, würdige Reform vom historischer: Standpunkte aus -- der vom Hauche der Zeiten ziemlich welk gewordenen Schaale des Judenthums einen frischer:, runzelloscn Glanz zu geben vermöchte und so die ganze Frucht duftiger und wohtthuendcr zu 'machen. Daß wir dies aber weder von der Berliner Bewegung, noch von der hiesigen, wenn sie nach dm Eingebungen G's. handelt erwarten, liegt wohl klar am Tage. Herr N. N.. forderte nun noch alle Anwesenden auf, etwas , zu der Modernisinmg des alten, verfallenen Baues bcizutragen und ermunterte sie zum kühnen Fortschreitcn auf der so schönen Bahn, die uns die Berliner nur: einmal gebrochen. — Hierzu aber wollten sich gewiß die Wenigsten von vorn herein verstehen; ein Dr. mecl. Hr. N. N., machte dm Einwurf, ob im 14*

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