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Der Orient · 1846-04-02 · Heft 14 (2.4.1846) · p. Seite 102

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 14 (2.4.1846)
Date
1846-04-02
Page
Seite 102 (sequence 3)
Language
German
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sie aufrichtiges Bedauern verursachen müssen jedem denk'enden, aufgeklärten Jsraeliteu Britanniens. Nicht nur hat er seine Absicht bekundet, nicht auf Idem Pfade der Duldung zu wandeln, sondern er ist noch weiter gegangangen als Dr. Hirschel selbst, und .ist unglücklicher Weise verleitet worden, .dem Banne eine ^Kraft'beizmüessen, die selbst dessen Urheber nie hineinzulegen suchten. Vorwenigen Wochen wurde ein Gesuch, an Dr. Adler* gerichtet um die Erlaubniß, daß eine Vermählung stattstnden dürfe zwischen einem Mitgliede der Westmünster- Gemeinde und einem Mädchen, welches unsre Synagoge besucht hatte, in der .ihr Vater eine Anstellung hat. Obgleich es heißt, Dr. Adler hätte anfangs eingewiltigt, . so ließ er doch nachher das betreffende Brautpaar vor sich laden und nachdem er es dem Bräutigam 'verwiesen hatte, daß. er sich mit einer Person verbinde, die unsere Synagoge besucht hatte, forderte er von der Braut eine Schrift zw unterzeichnen, wodurch sie es auf - sich nehmen sollte, nie wieder die Bnrton-Street-Synagoge zu besuchen, und vor: der Stunde an nach orthodoxen Gesetzen oder Gebräuchen zu leben. Das Mädchen schlug vor, daß Dr. Adler zuvor. mit ihrem Vater darüber sprechen möchte; allein der Oberrabbiner bestand auf ihre unmittelbare Einwilligung , und nachdem er die Abfassung der Urkunde veranlaßt (wovon ihr keine Abschrift mitgetheilt wurde) dräng er auf ihreUnterschrif, als Iben Preis seiner Einwilligung zu ihrer ehelichen Verbindung. Wir geben hier blos diesen einfachen Bericht; in Betreff, der fernem Einzelnhelten bitten wir um eure Aufmerksamkeit für den beigefügten Briefwechsel. Es erfüllt um mit wahrhaftem Bedauern, Brüder, daß wir genöthigt sind, dieses Mittel zu ergreifen, um unsre'Angelegenheit euch vorzulegen , und aus diese. Weise in Gefahr zu kommen, die Zwiespaliungen unter Israeliten der öffentlichen Schau attSzusetzen. Allein das Verfahren, das der Oberrabbiner passend gefunden gegen uns zu verfolgen, hat uns kein anderes Hilfsnüttel gelassen, das sich mit unsrer Pflicht vertrüge.' Es ist eine Nothwehr; nicht ein Wahl stück. Aus dem beigcfügten Briefwechsel ist zu ersehen, daß wir auf-den Bericht der Johanna Engel einen ehrerbietigen Brief an den Oberrabbiuer gerichtet, mit der Bitte, uns schriftlich zu benachrichtigen, ob die Aussage des Mädchens richtig wäre oder nicht, und"'Hann sollte er die Gewogenheit haben, uns eineAbschrist zukommen zu lassen von der Erklärung oder dem Testa, welchen sie hatte unterschreiben müssen. Da es aber der hochwürdige Herr verweigerte, die eine oder die andere Bitte zu genehmigen , so ist es begreiflich, daß wir genöthigt waren, entweder mit unsrem guten Gewissen ruhig dazusitzen unter dem Gefühle erlittener Verfolgung, oder unsre Sache-zu unterwerfen dem unparteiischen Urtheile unsrer britischen Glaübensgenossen. Wir wählten das letztere , indem wir das uns angethälw Unrecht scharf empfinden, und uns auf euer Mitgefühl verlafferr. Durch diesen unsren Anruf laden Uvir daher den Oberrabbiner vor den Richterstuhl des Gutachtens der Gemeinde):, denen er. vorsteht; jedoch nicht etwa aus Trotz, sondern um uns der Pflicht gegen uns selbst zu erledigen, rufen wir ihn auft euch, Brüder, den: großem Körper britischer Inden, eine Erklärung 31t geben von seinem Verfahren, die er uns unbedingt verweigert, hat; und unterteilt er es sein Verfahren zu rechtfertigen, so. räumtsein Schweigen die Ungerechtigkeit der Behandlung ein, die wir erlitten haben. Wir fragen ihn, ob er bereit sei, die in der Warnung enthaltenen Bestimmungen ° allzuerkennen llnd geltend zu machen, wofür er sich verantwortlich gemacht hat, in dem er darnach verfahren . hat. Wir brillgerr ihn auf den Paragraphen zurück, auf den alles übrige der Urkunde gegründet ist^ und welcher behauptet, daß die Gebete und Segensprüche, welche wir (die Juden) zun: Schöpfer richten, sind angeordnet und bestimmt worden vor: unfern-Weisen der großen Synode, unter'denen einige unsrer Propheten waren, und daß an diese Formen das gesammte Haus Israels festgehalter: von Geschlecht zu Geschlecht mehr als zweitausend Jahre". (Forts, folgt.) Deutschland. Würtemberg, im März. 1 3Jon den: israelitischen Waisenvereine wurde der Rechellschaftsbericht ausgegeben und 'versendet. Das Gesammtvermögen der Withelmspflege beläuft sich auf 24,532 fl. In den 44 Jahren des Bestehens dieses Vereins sind 75 Kinder von demselben verpflegt worden. Wir geben hier die Schlußworte der Rede, die der unermüdlich für die Anstalt. Lhätige Dr. Dreifuß, bei Gelegenheit der Jahresprnfung vorgetragen: ,,Gott wird helfen! Mit leeren Händen begannen wir unser Werk vor-14 Jahren, und scholl haben wir 75 Kinder untergebracht, besitzen dieses schöne Haus und düsen Garten und genießen sogar die Zinsen eines kleinen Eigenthums. Arbeit! Das Losungswort dieser Kinder, sei auch das unsrige. Was vom Himmel-stammt, fängt klein an und entwickelt sich kaum.bemerkbar unter Plagen und Mühen. — Wer weiß, ob 'das, was der Verein bis jetzt mit jährlich wiederkehrender Sorge errungen, ja, bei ptvtztich reichem Mittel): zu Stande gekommen, ob der Eifer seiner Nutarbeiter nicht früher erkaltet, und ob jemals alle die Liebeswerke seiner Wohlthäter erweckt worden wären. Gott wird helfen , auf daß diese Anstalt immer mehr ihrer hohen Aufgabe entspreche und Segen verbreite über die entfernte Nachwelt!" Mehrere israel. Gemeinde): des Landes haben Beiträge alls der Staatskasse für Schulbauten, erhalten. In der kleinen Gemeinde Aldingen, Rabbinats Stuttgart, wurden, auf Verwenden des.Kirchenraths Maier, freiwillige Beiträge zum Bau einer Synagoge und eines

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