Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 13 (26.3.1846)
- Date
- 1846-03-26
- Page
- Spalte 205-206 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Im letzten Briefe an einen Freund stellt der Verfasser die Tendenz - und Principlosigkeit der zweiten R.-V. wie den in ihr obwaltenden Geist ver Entstellung und Verdrehung zur Schau, und schildert die jämmerliche Unwissenheit und Frivolität der jungen.Canditätlein, die ohne Sachkenntniß und Sinn für Juden und Judenthum es nur auf eigenesJntereffe und Prunksucht absehen. Schade nur, daß der Ton dieser. Ausstellungen etwas ungemäßigter angeschlagen ist, als in den andern Briefen. *) Sollten wir nun unser unbefangenes Urtheil über dieses Schristchen abgeben, so wäre es folgendes: Wir glauben daß trotz des Jnhaltreichen, welches diese Brochüre enthält, sie doch nicht etwas besonderes Interessantes bietet, und unterscheidet sie sich in der Art der Aufdeckung der Blößen und Inkonsequenzen der R.-V. von den andern vielen gegen die R.-V. erschienenen Schriften fast in Nichts, und können wir hier auf Herrn Napaport das multa sed nl,n multum dixit mit vollem Rechte anwenden Auch dessen Reformprineip erinnert uns unwillkürlich, wie wir bemerkt haben, an das „nie zu verletzende Volksgemäßsein" des Dr.. Frankel, und ist es uns unerklährlich wie fo der biedere Rap. sich eines Systems bedient, ohne einmal den Namen dessen Stifter zu nennen.— Uns dünkt das stete Appelliren an die Macht der Volksmasse eine gewisse Ohnmacht zu verrathen, und involvirt es ein Geständmß eigener Schwäche, daß man zwar vom Werthe irgend einer'jüdisch-religiösen Handlung nicht fest überzeugt sei, nur verrichte man sie deshalb, weil-Diese und Jene es so machen. Überhaupt scheint uns der Ausdruck „ Volkswillen" in religiösen Fragen zu allgemein und vage, als daß man mit Bestimmtheit den Maaßstab bezeichnen'könnte, mit dem man die nöthigen Reformen im Judenthume messen sollte. Denn die Herren Rabbiner Frankel und Rapaport werden es wohl selbst ekngestehen, und haben es zum Lheil bereits eingestanden, das vieles Unzeitgemäßes einer gänzlichen Umstalrung brnöthigte, und wie ließe sich.da etwas mit dem Volkshaufen anfangen, der alles wenn auch von der Fremde im Judenthume unrechtmäßig eingeschmuggelte, für Judenthum ausgiebt und mit gleichem Starrsinn festhält und nie aufzugeben sich anheischig macht? Bei den divergirenden Bildungsstufen, auf die den Juden in den verschiedenen Ländern gelangt sind , müßte man verschiedene Normen von „Volksbewußtsein " annehmen, die Abschaffung der Kaparot .und des Kol-Nidre z. B., könnte in Deutschland ge- /) Dieser Brief ist von Herrn K i r ch h e im unübersetzt geblieben, da aber die gelehrte Welt alles das ungern vermißt was von R.'s Feder herrührt, so wollen wir auch diesen manche Personalien enthaltenden Brief dem deutschen Publikum zugänglich machen, und werden ihn aus Verlangen der Redaktion zur Veröffentlichung in getreuer Uebersetzung einsenden. Anm. e. Eins. m räusch'los auch beim „frommen Völktein" durchgehen, in Böhmen und Oesterreich.hie und da schon einige Gährungen und Volksmturen begünstigen, in Polen und-Rußland aber gar eine Revolution en masse Hervorrufen, und wie kann bei so herrschender Divergenz der Intelligenz des jüdischen Volkes, von einer durchgehends anpassenden Norm von „Volksbewußtsein" die Rede sein?— ' ' Von der andern Seite stellen wir die Frage auf: wenn das Volk das ganze jüdische Gesetz de facto verworfen Haben wird, ob die Herren Rabbiner ihre völlige Beistimmung dazu hergeben, und mit ihrem beifälligen Amen beendigen würden? Könnte man nicht mit Rapaports eigenen Worten (S. 3i) augrufcnV ti^n oru by mx nyn dnv mn Dinfri. "D.TnnaiD by ‘poöb'jDJ rrn D3 Dv6n"?!! Was uns am Meisten auffällt, ist, daß Rapaport in dieser Schrift die eigentliche. Streitfrage, über die Tendenz der ursprünglichen jüdischen Lehre und deren Entwickelungsgang ganz unberührt gelassen, als wäre man über diesen Punkt schon einig und er sich der Mühe überheben wollte, darüber ein Wörtchen fallen zu lassen. Wir meinen, daß gerade vom theoretischen Theile des Judenthums, von der wissenschaftlichen Begründung des Wesens und der Tendenz desselben, die andere Hälfte, die praktische Behandlung, abhängt, und können wir uns unmöglich ohne Aufstellung eines Princips und Ergrübelung des ursprünglichen Geistes des Judenthums orientiren, und würden wir dann unstreitig in dieselben Fehlerund Inkonsequenzen gerarhen, die wir so oft an den neuern Reformatoren rügen und blosstellen. Es ist um somehr zu bedauern, daß der Vers, diesen wichtigen Fragen ausgewichen, als man mit Grund von ihm etwas Originelles auch auf diesem Felde hoffen durfte, was sich in seinen historisch-literarischen Arbeiten so glänzend maniftstirte. Wir zweifeln aber nicht, daß der gelehrte Vers, in einer andern Schrift das alles nachholcn und mit seinem gewöhnlichen Takte zu'beleuchten wissen wird. Die Kirchheüu'sche Uebersetzung ist, was Form und Sprache betrifft, recht gut, auch Ausstattung und Korrektur lassen nichts zu wünschen übrig. Fabius 20) Biographie des hochberühmten hochseligen Herrn Akiba Eger, Oberrabbiner zu Posen, Verfasser einer Sammlung von Rechtsgutachten; nebst einem Trauergedicht aus sein Hinscheiden. Von S. I. Kämpf aus Liffa. Hierbei ein Anhang. Liffa, 1838. 8. (S. 80.) Leipzig, C. L. Fritzsche. Da die angezeigte Schrift erst jetzt in den Buchhandel, gekommen, so konnten wir nicht umhin sie anzuzeigen. Sie enthält außer einer ausführlichen Biographie des sel. Eger und einer hebräischen Elegie, noch ein Bruchstück aus. einer Tragödie: Antiochus Epiphanes, ein Neujahrsgedicht in hebräischer und deutscher Sprache und ein deutsches Gedicht Judas Makkabäus in der Schlacht gegen Nikanor. Kritiken. Rapaport's Sendschreiben. Biographie Eger's