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Der Orient · 1846-03-26 · 13 (26.3.1846) · p. Spalte 203-204

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
13 (26.3.1846)
Date
1846-03-26
Page
Spalte 203-204 (sequence 6)
Language
German
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204 263 . ‘ KritiM Rapaport's Sendschreiben. s.w. Besonders aber bekundet sich-hier R.'s bekanntes kritische Talent, dem noch sein gediegenes präcises Hebräisch die Krone aussetzt. Doch gehen wir zum Inhalt des Merkchens über, zu welchem Behufe wir hier eine Skizze von der Oekonomie und Disposition desselben entwerfen wollen. Die ganze Broschüre umfaßt nur 3 Briefe, zwei Privatschreiben "und ein Sendschreiben an die 2. R.-V. Imkersten Briefe an Dr. Jost mach: er denselben mehrmals aufmerksam, in seiner 'herüuszugebenden „Geschichte der Jsraelittn. unserer Zeit", in der vermutlich die neuern jüd. 'Reformwirren die Hauptrolle spielen werden , mit Unparteilichkeit zu Werke zu gehen, und mit einer dem Geschichtschreiber ziemenden Unbefangenheit und Uneingenommensein die Zeitgährungen genau zu beleuchten und die destruktiven Tendenzen der Neuerer in einem Hellen Lichte darzustellen und zu würdigen. In diesem ersten Briefe schon -bezeichnet Rap. den Standpunkt, den er bezüglich der Reformer im Judenthume eingenommen , daß diese. da. nicht stattfinden dürfen, wo. die Verbreitung der zu um gestaltenden Gesetze und Gebräuche in Israel all gemei n ..geworden, und ist nur das Volk in. sei ne r Gesammtheit berechtiget, etwas Unzeitiges geräuschlos außer Gang zu dringen, keineswegs aber eine kleine Anzahl von Rabbinern, die übrigens durch ihre radikalen Vorschläge genügend zu erkennen gegeben, daß sie sich ganz außerhalb dem Kreise des Judenthums bewegen. -Klingt dieses Alles nicht dem bekannten - Frankel'schen „Volksbewußtsein" nach? Wir wollen aber unserem Urtheile nicht -vorgreifen und wenden uns an den wichtigsten zweiten Brief. Den Inhalt dieses in 22 Nummern eingetheilten' Sendschreibens werde»; wir hier in Kürze mittheilen. Nr. 1 giebt Rapaport einleitend mehrere Entschuldlgungsgründe an, die das Nichterscheinen der Konservativen bei der Versammlung rechtfertigen, und rügt bei Gelegenheit den Ausspruch eines Mitgliedes der R-V., der das Attsschließen der Orthodoxen aus 'der Beräthung Unbedingt verlangte. Nr. 2 geht 'der Verfasser in die Diskussion ein, ob vom traditional-talmudischen Standpunkte aus eine umfassende Reform mancher wichtigen 'Momente des Judenthums zulässig sei? Nach weitläufiger Untersuchung gelangt er zu dem Resultate, daß nach Abschluß, des Talmuds es keiner 'Rabbinersynode zustehet, irgend ein Mosaisches und rabbknisches Gesttz oder Gebrauch, der durch seine allgemeine Verbreitung iw Volke Sanktion erhalten, ändern, geschweige gar abrogiren zu können. Hierauf weist er die Dründlosigkeit des Hotdheim'- schen Reformprinci'ps der jüdischen Ehegesetze nach. Nr. 3 widerlegt er die Ansicht /erer, die vom Verwerfen ^des Tal-, muds und Beibehalten der Bibel -sprechen> und zeigt vom historischen Standpunkte aus, wie seitdeiner zwertausendjähri- Wr Zeitepochb Bibel sind Talmud' eine 'unzertrennliche 'Einheit bilden und bon Mer-zur ^Existenz des 'Judenthums und der Juden nothwendig gewesen. Nr. 4 zieht er die Behaup-! tung derjenigen ins Lächerliche, die da erklärten ähre Lossa-! gung gilt nur dem Kanon (Schulchan Aruch)., .indem dieser j bekanntlich nur ein Auszug vom Talmud ist. Nr. 5 wird die Meinung bestritten, als wäre der Talmud für's Leben erschwerender als die Bibel und nachgewiesen , daß im Gegentheil das buchstäbliche karäische Festhalten an der Schrift theils fürs praktische Leben ungenügend und lückenhaft, theils bei weitem drückender und unbeugsamer als der' nachgiebige schmiegsamere Talmud, sei, und bei -einer geistigen freien Auffassung der heiligen Schrift ließe sich keine maaßgebende bestimmte Norm an geben, und müßte man - derselben Gewalt anthun und eine verworrene verdrehete.Exegese Hervorbringen, wollte -man sie zu Gunsten der Genußsüchtigen, und den Wünschen -der Reformschreier gemäß, deuten und auslegen. R-r. 6-—8 wird die Frivolität und Oberflächlichkeit der Neuerer scharf -gegeißelt, deren Treiben -als eitles auf R-enomage -hinzielend, und deren Erfolg -als blvs momentan und. spurlos -verschwindend dargestellt wird. Nr. -8—11 macht der Verf. die Versammlung öuf die Folgen aufmerksam, welche solche Neuerungen nach sich ziehen müssen, -indem sie in den friedlichsten Gemeinden und Familien Hader und Zwietracht, Parteiungen und gegenseitige Anfeindungen säen, die unser Ansehen von Außen nur -schmälern und ^if unsere politische Stellung nachtheilig ein wirken -können. Nr. 11 spricht Vers, den Wunsch aus, die Versammlung möge die betretene Bahn -verlassen und zur positiv-historischen Basis zurückkehren, welcher -Rücktritt zur alten Religion ihr zum Ruhme gereichen -würde. Nr. 12—14 -prüft. Rap. die Reformvorschläge - der Braunschweiger N.-V., die er als destruktive, die gänzliche Auflösung -des Judenthums bezweckende brandmarkt, und macht (Nr. 14—16), auf den .hieraus entspringenden Sektengeist wiederum aufmerksam, worauf er zugleich einige Stellen aus den Propheten anwendet, die nach ihm ähnliche Zeitgährungen mit gleichen Farben ausmalen und charakterisiren. Nr. 16 nennt er das unredliche -Streben mancher, die durch eine sogenannte innere geistigen Emancipation leichter die äußere politische zu erlangen vorgeben , rin -grund- und bodenloses, da die Negierungen den Dissidenten aller Farben mehr sich abgeneigt als geneigt zeigen, und. die Judenfeinde nicht die blose Annäherung an das Christenrhum, sondern die völlige Annahmedesselben zur Bedingung der jüd. . Emanripation stellen (vergl. den ersten Brief an Dr. Jo.st S. 3). Nr. 17—22 räth der Verf. der M^m^lung, sich nicht von 'einigen Genußsüchtigen bethören MUässen, >und whne Berücksichtigung ihrer Wünsche und mit Liebe zur Religion zu Werke zu gehen,. gerade aber da keine Reform zu ..geben, wo es die Erhaltung des Judenthums dringend.'fordert. . In Nr. 22 entströmen, dem Verf. aufrichtige und beherzigende Worte mit der schließtichen Ermahnung an die R.-V., sich ja nicht von einer augenblicklichen Reform- und Genußsucht Hinreißen zu lassen und ihr-Augenmerk nicht ausschließlich auf die vorübergehende Gegenwart, sondern auch auf die historische Vergangenheit und Zukunft hinzulenken, und stets eingedenk zu sein, daß die Nachwelt ihre Handlungen streng richten werde, denn „die Weltgeschichte ist das Weltgericht".

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