Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1846)
- Date
- 1846-03-26
- Page
- Seite 98 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- 98 nosseuschast aber in ihrem Eifer nicht erkalten und bedenken, daß wenn ihre Begeisterung für die Sache einmal anfhören sollte, der Name und die Tüchtigkeit des Geistlichen diese nicht halten werde. Breslau, 12. März. Den hier vorangehende Artikel ans der Breslauer- Zeit. Nr. 59 werden Sie mir zu Liebe, geehrter Herr Redakteur, vollständig abdrucken Lassen , denn er dürfte mit der Zeit einen nicht unwichtigen Beitrag.abgeben, wenn einst ein Historiker die Heuchelei der Rabbiner wird aus den Quellen darstellen wollen. Dem Korrespondenten aber, der trotz des' Datums „Berlin" und trotz seines Merkurzeichens weder Berliner. Witz noch, merkurialische Schlauheit besitzt, gebührt unser Dank, er hat wichtige Kabinetsgeheimnisse ansgeplaudert. Von der bctheiligten Person ist kein Dementi auf diesen Bericht erfolgt, wir haben also keinen Grund an der Wahrheit desselben zu zweifeln. ES ergiebt sich aus diesem Dokument mancherlei, namentlich aber das Resultat, daß unser Prediger kein trockener Theoretiker ist, der seine Lehre bei den ersten konkreten Fall vergißt. Nein , 'wie. es einmal theoretisch in G.'s Zeitschrift ausgestellt war, daß die Heuchelei der Rabbiner eine Nothwendigkeit sei, sobethätigt eS auch praktisch unsirVerfasser. Sie erinnern sich noch jenes sophistischen Systems, das den Schriftsteller von dem Rabbiner sonderte, mit» das jenem die freieste Forschung gestattet, selbst auf die Gefahr hin, den Boden des praktisch-religiösen Lebens zu untcrwuhlen , diesen aber in die enge Schranke der vorschriftsmäßigen Legalität weiset. Dieses System war so lange gut, als noch die Gemeinde, das Ministerium und da§ Publikum zu täuschen war, als man es noch für nöthkg fand, sich als im peu orthodoxe zu geriren, als der Refotrnverein noch nicht einen sichern Port bot, wohin man sich in Stürmen allenfalls zurückziehen könnte. Kaum aber begann auch in hiesiger Gemeinde dieser Geist zu spuken, so beeilte man sich, eingedenk des Grundsystems, ihm seine Huldigung darznbringen. Es ist erst ein Jahr her und Sie werden es noch nicht vergessen haben, so wenig wie es unsere Gemeinde , bis auf wenig Betrogene, vergessen kann, wie schnell unser Prediger mit dem Widerrufen seiner eigenen Worte bei der Hand war, als der Vorstand einen drohenden Finger gegen ihn erhob. Es war nicht an der Zeit seine Sympathien' offen kund zu geben, und man wagte noch nicht die Adresse an die R.-V. als seine eigene anzuerkennen. Jetzt ist aber der Zeitpunkt sicherer, man hat eben einen gefährlichen Rivalen sich vom Halse geschafft, man steht aus dem Punkte per fas et nefas einen Frieden einzugchm, man kann auch sicher auf eineu gewissen fügsamen Protektor rechnen — nun warum soll man da nicht Konrage haben? 1845 mußte man noch den Reformverein — auf Verlangen — tadeln, 1846 aber darf man schon die Aeußernng wagen ,,man freue sich, die junge Gemeinde immer gedeihlicher entwickeln zu sehen, daß man stets den wänüsten Antheil an ihrem heilbringenden Werke nehmen werde, aber aus Rücksicht für seine Gemeinde ihm sich nicht ganz hingcben kann" d. h. ans der Sprache der diplomatischen Pifsigkeit in die des schlichten Wortes übersetzt: man hat den Titel Oberrabbiner, nach dem man geizt, noch nicht sicher, man ist also genothigi mit seiner wahren Gesinnung eine Zeit lang hinter dem Berge zn halten, bis — O'du Prophet mit demFenergeiste! wie treffend hast du unsere Rabbiner mtt dem langen Haar gegeißelt )ybi l'nmv *]-ni nym -jnmn nsy. — Uebrigcns soll der hiesige R.-V. alles Vertrauen verloren haben und durch diese Transaktionen, durch dieses feige heuchlerische Verfahren gewarnt, beschlossen haben, sich ohne Geistlichen zn konstituiren. Indessen muß die junge Gemeinde zu Berlin etwas höchst Anziehendes und Verführerisches haben, daß sie im Stande ist, die unschnldigsten Seelen zu verlocken. Man erzählt sich Hier, Hr. Philip p so h n habe seiner Gemeinde für einen SonntagSgotteödienst zu begeistern gesucht, die Geme.jride habe es aber einstimmig abgewicsen. Aber das wissen Sie Wohl noch nicht, daß eine reformatorische Laiensynode noch vor der R.-V. zusammenkommen wird. Ein sehr berühmter Rittergutsbesitzer ohne Furcht und Tadel, hatte zn dieser Synode Reformfreunde auf den 9. d. M. ans sein Gut eingeladen, diesen Termin aber wegen des polnischen Intermezzo aus eine ruhigere Zeit anfgcschoben. Wie man hört, will diese Synode zuerst das Gesetz zeitgemäß reformiren, was ich aber kaum glauben kann. Möge es dieser Synode nicht an dem heiligem Geiste fehlen , den die Mäßigkeitsvereine ans Oberschlesicn zu verscheuchen drohten. —s. De sterr eich. Eperies, 27. Febr. Endlich ist wieder einmal ein Schritt geschehen, um die Angelegenheit unserer Tolcranzstener einen: Ziele züznfnhren. Ein Cirkular des Pesther Vorstandes, an dessen ^Spitze endlich die Intelligenz und wahres Verdienst in der Person des Hrn. K u n e w a l d e r gelangte, beruft eine mit Vollmachten' zu versehende Repräsentation des nugar. Israels auf den 1. März nach Pesch zur Verschaffung und Sicherstellung der Ablösungssumme von 1,200,000 fl. C.-M. in 11jährigen Raten zahlbar. Der Impuls kam von oben. Se. kais. Hoheit, unser vielgeliebter Palatin, forderte hierzu in einer besondern Mittheilung an den Pesther Vorstand auf, und wird eine solidarische Ver- .psiichtung aller Juden Ungarns für die Ablösungssumme verlangt. Und dieses ist ' eben die Klippe, an welcher vor drei Jahren diese Sache Schiffbrnch litt.; Der Bemühungen unseres Herrn Leo Holländer und seines, treuen Gefährten Leon Jakob Steinitzer, auch der