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Der Orient · 1846-03-26 · Heft 13 (26.3.1846) · p. Seite 96

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 13 (26.3.1846)
Date
1846-03-26
Page
Seite 96 (sequence 7)
Language
German
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96 mit einem Gottesdienste, und zu jedem andern Zwecke eher btcncit konnte als zur Anbetung und Danksagung *). Und dennoch , wiewohl der durch -Dr.' HLrschet's Warnung uns angeheftete Tadel so gänzlich unverdient war, und obgleich diese Urkunde aller Begründung ermangelte, durch etwa' .vorhergegangene ähnliche 'Beispiele, durch die für'dieselbe angegebenen Gründe' und durch jeden Grund, den man etwa hätte angeben können : so enthielten wir uns dennoch es darznthun, wie tadelnswerth das Benehmen des vereinigtenBeth-din war, eineu Fluch über 'ihre Glaubensgenossen auszusprechen, ohne zuvor ihre Verteidigung anhören zu wollen, weil wir aufrichtiges Mitleid fühlten für der: Zustand körperlicher und geistiger Abgelebtheit/ in welcher der selige Dr. Hirschei durch hohes Atter zu jener Zeit versetzt war, als man ihm die Feder in die Hand gab, um der Bannbulle seine Unterschrift zu leihen/ Dieses Gefühl von unserer Seite Heilten Hunderte unserer jüdischen Brüder, die nicht unserer Synagoge angehörten. Jeder selbstständig Denkende, dessen Zunge nicht. im Zaume der Abhängigkeit war, misbilligte den Cherem. Indem es aber nach dem natürlichen Laufe der Dinge augenscheinlich war, daß das Amt des Dr, Hirschel bald auf seine Nachfolger übergehen ' werde, wurde uns von vielen Gliedern anderer Synagogen gerathen, das erlittene Unrecht einstweilen geduldig zu ertragen, indem der nächste Oberrabbiner ohne Zweifel uns volle Gerechtigkeit würde widerfahren lassen, und den Bannfluch von unserer Gemeinde wegbannen. (Fortsetzung folgt.) Deutschland. Frankfurt a. M., 9. März.! Herr Rabbiner S tein hat seit einigen Wochen seine Synagogenvorträge eingestellt, wegen eines Unwohlseins von größerer Bedeutung, das ihn auch veranläßt, sogleich nach Abhaltung des Pesachfestes eine bereits gemiethete Wohnung auf dem Lande zu beziehen und mit Eintritt der.heißen Jahreszeit mehrere Badeorte zu besuchen. Unterdessen wird jein Amtsgenosse/ der dritte Rabbiner, Hr. Jakob Posen, seine Funktionen übernehmen, und allen Andeutungen nach' die Zeit seiner Abwesenheit zur Rückführung -des hiesigen jüdischen Gottesdienstes auf den früheren orthodoxen Standpunkt, wozu bereits Hr. Stein durch Wegbringung der Orgel aus-der Synagoge und Weglassung des d e u t s ch en Sabbaibegrüßungsgesangeö den Anfang gemacht hat, benutzt werden. —- Der Kon-- strmationsstreit wird, wohl nicht vor unfern Seuat kommen, da der Religionslehrer an der jüdischen Realschule gesonnen ist, sich wegen der Sache mit bemRab- 7) Siehe die Einleitung 'zum ersten Bande der Gebete, gebraucht in her West-London-Synagoge britischer Juden. biner abzufinden. . Das. Synagogenbauprojekt;muf5 bei den jchwicrigen Geldverhältnissen auf hiesigem Platze vor der Hand auf sich beruhen bleiben, . (Hanauer Z.) Frankfurt a. M., 16. März." Die B erlin er Reformgenossenschaft hat an Hrn. H. H, G o l d. fch m i d t dahier auf sein mit einem/. Geschenke von 175 fl. begleitetes Schreiben (S. Orient Nr. 11) die nachfolgende Erwiderung ergehen lassen : „Berlin, den 11. März 1846. Herrn H. H. Gold sch Ulf d t, W oh lg eb orell in Frankfurt a. M. .Ihr sehr geehrtes Schreiben vorn 19. d. M. hat uns zur wahrhaften Genngthuung gereicht,/ und nicht nur das bedeutende Geldgeschenk, welches dasselbe begleitete, sondern auch die Kundgebung der lebendigen Theilnähme für unsre Bestrebungen, die Sie hier aufs Neue an den Tag legen, verpflichtet uns zum wärmsten Danke, den wir nicht unterlassen, hiermit offen gegen Sie auözusprechen. Wenn eine Thätigkeit wie die unsre, die nicht nur mit Schwierigkeiten, sondern mit Widerwärtigkeiten jeder Art zu kämpfen hat, auch in entfernten Kreisen eine so sichtliche Anerkennung ' findet, so muß. luls eine solche zu der Hoffnung ermuthigm, daß die thatsächliche Theilnähme für die von uns ausgegangenen Bestrebungen sich weiter und immer, weiter verbreiten werden. Ihre schätzbaren Bemerkungen über die Aufgabe, nach deren Verwirk-, lichung wir zu 'streben haben*), werden von uns nicht unbeachtet bleiben, sowie wir Ihren Bestimmungen i'tfccr; bic Verwendung Ihres Geschenkes mit Vergnügen Nachkommen werden. Mit der Bitte, unserm Unternehmen auch ferner Ihre Theilnähme nicht zu versagen, zeichnen wir.hochachtungsvoll und ergebenst, *) Die betreffende Stelle in Hrn, G.'s Schreiben lautet wie folgt: „Was das Programm der Gebete an den letztvergangenen hohen Feiertagen anbelangt, so erlaube ich mir, als schlichter Laie, kein Urtheil darüber und weiß auch die Rücksichten gehörig zu würdigen/ die bei deren Zusammenstellung obgewattet haben; auch sprechen Sie.selbst, meine HH., für diese Anordnungen keine unabänderlich bleibende Verbindlichkeit an. Wollte Gott, die Menschen waren stets in diesem Sinne so menschlich verfahren, sie hätten dann nicht in Gottes Namen und gar zu seiner Ehre und zu seinem Ruhm die Geißel der Tyrannei und - der Verfolgung über ihre'Mitmenschen geschwungen. .. . . Mögen Andere anders, mehr oder weniger , oder auch gar nicht beten , w ir erlauben uns nichts dagegen zu sagen-, man thue uns desgleichen! Mögen auch Viele jetzt schon oder später, wenn von den separatistischnationalen Elementen noch mehr aus unserm Gottesdienst und unfern Gebräuchen entfernt werden wird, Zeter schreien und uns als von dem Judenthume ausgeschlossen erklären, es darf uns nicht irren. Erklären wir dagegen frei und unverholen : wir beten keinen b e s o n der n G o t t an! den Schöpfer des Weltalls beten wir an, der seine Sonne über Alle leuchten läßt und allen Menschen die Erkenntniß des Guten und Bösen in's Herz gepflanzt hat. Lieb e g'egen unsre Nebenmenschen sei der I n b e griff unsre i R e l igion und unser eigendlicher Gottesdienst!" ,

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