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Der Orient · 1846-03-19 · 12 (19.3.1846) · p. Spalte 183-184

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
12 (19.3.1846)
Date
1846-03-19
Page
Spalte 183-184 (sequence 4)
Language
German
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188 Studien. Der Traum bei den alten Hebräern- Minen Namen beim Volke werden in Vergessenheit bringen, mit ihren. Träumen, die sie einer dem andern, erzählen? ...> Der Prophet, der seinen Traum hat, der erzähle seinen Traum, und der mein Wort im Herzen,, der rede mein Wort in Wahrhaftigkeit; was soll das Stroh unter den Waizen? spricht Gott!" , und. Zer. .27, 9: „Ihr sollt nicht hören auf euere Träume und ebendas. .29, 8. Desgleichen, auch Zach. 10, 2 und dje Träume reden Eitles -und'nichtig ist ihr Trost, — oder sie träumten wohl, unter- , "suchten aber die Echtheit ihres 'Traumes nicht , gaben .ihm vielmehr, wenn gleich nur. aus der Einbildungskraft entspringend, alle prophetische Autorität und machten, auf solche gestützt, allen'Anspruch auf Glauben und Glaubwürdigkeit, währrnd doch, wie Spinoza ") richtig bemerkt, um so mehr die Weissagung aus einem Traume der natürlichen Erkenntmß nachstehen muß, als dies selbst bei der prophetischen, der Fall ist, weil die natürliche Erkenntniß keines Kennzeichens bedarf und also eine-mathematische Gewißheit hat, während die Prophetengabe an sich blos moralische Gewißheit involvlre, indem zur einfachen Einbildungskraft, als aus welcher die Prophetengabe entspringe, nothwendig noch etwas, nämlichdas Urtheil des Verstandes.hinzukommen, müsse, wenn wir von Dingen, die wir uns einbilden, gewiß sein wollen; daher auch die Propheten selbst erst 'durch irgend ein Zeichen von der Offenbarung Gottes überzeugt werden mußten, wie dies erhellet bei Abraham (Gen. 15, 8), bei Moses (Exod. 4, 1—10) und' am deutlichsten bei Gideon (Iud. 6, 17), welche alle um ein Zeichen von Gott.baten. Die Nichtigkeiten von Traumen dieser Art, welche-ihren Ursprung in erhitzter Phantasie, in Träumen der Ruckermne- . rung an vergangene, oder in den Gedanken an künftige Beschäftigungen rc. haben, bezeichnet richtig Salomo (Koh. 5, 2) „Denn es kommt der Traum mit vielen Beschäftigungen,^ welches noch mehrparaphrasirt wird , zuerst vom Targumisten:'ITin by ND^n VlN“! fiDDVl Dnis’/ sodann ausführlicher von Jbn - Esra v'Ii D’J’JJJD ■p-njra- Dl^nn mm nymNn p nnN -ojnni rnnytiD jjn1 .«in 'p y~i in pie hy rnv nPi jrj© b nvv n!? Andere hierfür sprechende Bibelstellen sind: Jes. 29, 8; Zer. 27 und 29 u. a. Von .talmudischen Stellen, welche dies ausführlich 'behandeln, sind, hier zu merken (an der bereits öfters berührten Stelle in Berachot) l1? )W!D pK Der Mensch sehe im Traume blos seines Herzens Gedanken , wie es, ja deutlich in dev Schrift (Dan. 2, 29) heißt: Dich, o König! beschäftigten deine Gedanken auf deinem Lager!" Ferner heißt es daselbst NON NNr^ pÄN ND^NN und an zwei andern Stelen (Bereschit Rabba und Gittin 52 a) — Der schon oben erwähnte Raba glaubt die,Richtigkeit dieser Sätze a posteriori zu beweisen, wenn 18) Tract. theol, pol. de prophetis. 18| er (idid.) sagt: N^pl jrrn NPnoi. NDlpi :NDnn. Noch ausführlicher heißt es daselbst: Ein römischer Kaiser habe zu Joschua gesagt: „Ihr Israeliten behauptet weiser zu sein , als alle andere Völker;' so sage mir denn was ich heute Nacht träumen werde?u Der kluge- Rabbi, wahrscheinlich die allgemeinen Zeit- und die Privatverhältniffe des Kaisers benützend, ent-- gegnete: .„Träumen wirst du, daß die Perser kommen und dich gefangen nehmen und dich sogar zur Arbeit anhalten". Der Kaiser dachte nun den ganzen Tag darüber nach, und träumte, wie natürlich , wirklich davon. Even so soll Schema el einem persischen Könige geantwortet haben. Am deutlichsten erhellet aus Jakobs-Traum (Gen. 31,10), daß er blos deshalb ein Engel Gottes im Traume sah, weil er mit seinem Plane auch im Schlafe beschäftigt war. Ralbag und mit ihm auch Abravanel (vgl. beide zu dieser Stelle) möchten freilich/diesen Traum so erklären, als wenn in demselben ein Engel Gottes, den Rath gegeben hätte, Stäbe zu machen rc.; doch ist dies gegen jeden klaren Sin» und alle Wortfolge. Wozu dem Jakob einen hohern Traum . anträumen, von dem weder er-, noch die Bibel etwas wußte, wovon sie wenigstens nichts erwähnt? Oder soll hier etwL das so oft gebrauchte rnina "iniND) DlpiD s'N seine An- Wendung finden? Mit Recht sagt Schubert") „Gewiß ist, daß die gewöhnlichern und häusigern Träume jener Klasse, welche der wachen Erinnerung zugänglich sind, dem Jrregehen desWahnsinnes sehr ähnlich sehen. -Es ist in ihnen eine Verkettung der Vorstellungen, welcher die gewöhnliche Ordnung des wahren Denkens ebenso fremd ist, als jener des Wahnsinnes; ein blitzschnelles Hinüberspringen von Zeiten auf Zeiten, von Räume auf Räume, welche in unsrer sogenannten Wirklichkeit durch fast unermeßliche Klüfte geschieden sind. Auch im Traume waltet zuweilen ein Etwas, wie ein fremder Wille, der diesem im Wachen fremd ist. Oder er versucht es wenigstens, mit uns auf seine Weise zu walten, andeutend durch den mehr oder minder gelingenden Versuch, daß seinem Einfluß' auf unser Inneres noch Zugänge offen stehen, .welche der wache Wille nicht verwahrt, vielleicht nicht einmal bemerkt hatte. In dieser Hinsicht wird dev scherzhaft gaukelnde Traum selbst dem tiefer wohnenden Ernste zum Lehrer und Warner". Der echte Traum. ' Beschaffenheit. y Die Beschaffenheit des echten Traumes haben wir eigentlich schon oben,, wo vom Traume im Allgemeinen die Rede war , gezeigt; wir haben daher in diesem Betreff hier nur noch Weniges nachzutragen. Abravanel *°) vergleichet mit vielem Scharfsinn den echten Traum mit der Reflexion eines 19) Grsch', d. S. S» 411. - 20) Comment. in Pentat. sectio ^pß ab iriitio.

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