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Der Orient · 1846-03-19 · 12 (19.3.1846) · p. Spalte 181-182

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
12 (19.3.1846)
Date
1846-03-19
Page
Spalte 181-182 (sequence 3)
Language
German
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181 Produkt der Zeit war,, der staatlichen und murabbinischen nicht etwa zu Statten komme. Herr Dr. I. sagt: „es würde ihm nicht schwer werden zu beweisen, daß eine solche Reformation sich st L ll s ch w e i g e n d gleichsam von selbst durch die Gesittung Bahn gebrochen hat", und' er verlangt nur das offene B e k e n n t n i ß. Wir behaupten aber, daß es ihm schwer fallen würde, außer,die Polygamie und die oberwähnten intoleranten P r i v a t m e i n ungen, die aber nicht stillschweigend aufgegeben, sondern die gegentheiligen Pflichten offen und frei gelehrt und gepredigt wurden, im Talmud irgend etwas aufzusinden, das unserem Sittlichkeitsgefühl und dem strengsten Moralprincip entgegen sei. Herr Dr. I. berührt auch das oft beregte Thema von dem talmudischcn Verbot, die Frauen im Gesetz zu unterrichten, wogegen wir bemerken, daß dieses Verbot, wie es auch der Kasuist {& aufnimmt, sich nur auf.. ein gründliches, wiffenschaftlichcs Studium der h. Schrift bezieht, weil der Bestimmung des Wcibes-nur die häusliche Wirksamkeit, aber nicht die /grübelnde G ei stes th a ti g ke i t zugetheilt ist. Bezeichnenist hierüber die Antwort des R. Eliefer an eine Matrone, die eine grübelnde Frage an ihn richtete: .(^33 WN PDDn ftt) (Seruf.' ©ota7 b.) Won dem gewöhnlichen Unlerricht in der h. Schrift und der Unterweisung in ihren Pfüchtgeboten wurden die Frauen zu keiner Zeit ausgeschlossen, daher auch die Schrift gebietet,' daß die Frauen bei der Lora-Vorlesung des Königs.zugegen sein müssen, wobei der Talmud in dem gegebenen Sinne unterscheidet DWrcbh'n'mtT) übereinstimmend ist auch hiermit die Leseart nw nN NfiT lofe bx N*1pD 2 (Nevarim 4. 3). In den ältesten Zeiten wurden daher für die Frauen Bibelübersetzungen angefertigt, was die regelmäßige Lektüre derselben an den Sabbaten war, und wodurch unsere alten Mütter mehr Aufopferung für die Religion und mehr Anhänglichkeit für das Judenthum zeigten, als unsere Töchter, denen man alle Pforten des Wissens eröffnet und ihre Gesetzespflichtigkeit der der Männer gleichzustellen sucht. Noch ist in unserer Zeit keine Debora Askarelli, welche mehrere Festgebete und Hymnen übersetzte, keine Rebeka Tiklin, welche eine Schrift über die Rcligionspflicht der Frauen schrieb nnd keine Edel Krakauer, die den Josippon übersetzte, erstanden, und die Geistesblüthen unserer Frauen haben sich noch nicht auf den Fluren des Judenthums entfaltet. Und dennoch wirst man dem Alterthum vor, daß die Frauen in Unkenntniß der Religion erzogen worden seien! Wir wollen noch zum Schlüsse den Jrrthum Jost's berichtigen, der als Beweis anfiiyrt, daß sich die heurigen Talmudisten in der Praxis von den Grundsätzen des Rabbinismus entfernen, weil sie auf .die Vorschriften in den 3 Abschnitten 9 —'11 von Hilch. Äkküm, insbesondere tzaber auf Kap. 9. §. 4. keine Rücksicht nehmen. Diese Vorschriften hatten aber zu keinerZeit Eingang gefunden und wurden von den Talmudisten zu einer Zeit ausgestellt, wo sich das Christenthum erst zu entwickeln angefangen und man das- 182 selbe vom Heidenthmne noch nicht genau zu unterscheiden wußte. Daß man aber selbst im talmudischen Zeitalter diese Vorschriften nur auf Götzendiener anwendetegeht unwiderleglich aus Ab.'Sara S. 56. hervor, woselbst erzählt wird, daß Raba und R. Jehuda, gegen das betreffende Verbot, Festgeschenke angenommen haben, weil sie die Ueberzeugung hatten, daß die Geber keine Götzendiener waren; derselbe Grund wird nun von den Tosasisten (ib. S. 2.) als Ursache angegeben, warum man die von Jost für unsere Zeit angeregten Vorschriften nicht beobachte. R. JakobTam stellt auch hierüber die Ansicht auf, daß sich: das talmudische Verbot nur auf Gegenstände des Kultus beschränke. ' K —m. Der Traum bei den alten Hebräern. Ein archäologische und philosophisch-theologische Abhandlung ' von E. Weimann, c.aml. the<H. (Fortsetzung.) Die unechten Träume. Von den letztern, trügerischen und falschen Träumen ist in der Bibel nur in sofern die Rede, als mit allem Nachdruck gegen den'Glauben an dieselbe gewarnt wird. So heißt es Deuter. 13, 2—6 „Wenn aufstchet unter dir ein Prophet oder ein Träumer, oder er giebt dir ein Zeichen oder ein Wunder und es kommt das Zeichen oder das Wunder, davon er geredet zu dir, sprechend: „Lasset uns gehen nach andern Göttern, — die du nicht kennst, — daß wir ihnen dienen", so gehorche nicht den Worten. dessetbigen Propheten, oder desselbizen Träumers. Denn es versucht euch Gott, euer Herr, daß man erkenne, ob ihr liebet Gott euern Herrn, mit eurem ganzen Herzen und eurer ganzen Seele. Gott eurem Herrn sollt ihr Nachfolgen und ihn sollt ihr fürchten, und seine Gebote sollt ihr beobachten und auf seine Stimme sollt ihr hören und-ihm sollt ihr dienen und ihm sollt ihr anhangen. Und derselbkge Prophet oder derselbige Träumer soll getödtet werden". Da nun der Glaube an solche Träume so schwer gestraft wurde, so konnte darunter wohl blos ein solcher verstanden sein, den der Prophet entweder gar nicht geträumt und also als falsche Prophetie nur Lüge gegen Gott ist, wie dies Jeremias 23, 25—28 deutlich darstellt in den Worten: „Ich habe es wohl gehört , wie sie sprachen die Propheten, die da weissagen fälschlich in meinem Namen: „Mich hat geträumt! Mich hat geträumt": „Wie Lange soll das'noch dauern? Meinen sie die Propheten, die fälschlich weissagen, die des eignen Herzens Lug weissagen , glauben sie, daß sie 12 * Studien. Der Traum bei den alten Hebräern.

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