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Der Orient · 1846-03-19 · Heft 12 (19.3.1846) · p. Seite 91

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 12 (19.3.1846)
Date
1846-03-19
Page
Seite 91 (sequence 13)
Language
German
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91 Vertrauen entgegen, daß das Gedeihen eines Unternehmens nicht ausb lei den wird , welches wir nur begonnen haben , um den ewigen Gehalt unserer Religion aufs Nene durch Formen und Institutionen 31t stutzen, die im Leben der Gegenwart und im religiösen Bewußtsein einer fortgeschrittenen Zeit ihre Basis haben. Berlin, im Januar 1846. Oesterreich. P-rag, 6. März. (Ueber 'Veredlung des jüdischen Gottesdienstes nebst einer Nachricht vom inner» Zustand des Tempels zu Prag.) Jeder Israelit, der an dem Wohl und Weh seiner Mitbrüdcr warmen. Anthcil nimmt, muß einen tiefen, in das Innigste seines Busens dringenden Schmerz, fühlen über die so weit hin sich verbreitende, gar manche Lichtpunkte verdunkelnde, Schattenseite des Judenthums in Betracht der mislichen äußeren Beschaffenheit des jüdischen Gottesdienstes. Wohl ist inneuester Zeit gar Vieles für Ordnung und Verschönerung der Außenseite und Form des jüdischen Gottesdienstes geschehen; man sieht jedoch noch immer nicht die zu wünschenden und von jedem gebildeten Israeliten mit Sehnsucht erwarteten Früchte^ Gottesdienst, welch ein bedeutungsvolles, inhaltschweres Wort! Ein Dienst für den ewigen, lebendigen Gott, eine dcmüthige Unterwerfung unter seinen erhabenen, über alle Wetten sich erstreckenden Seepter, eine Hingebung und Weihe unseres ganzen Jchs seiner großen Heiligkeit, cm fte 1 ld^volles Aufnehmeu seines höchst beseeligenden Joches, eine bescheidene ehrfurchtsvolle Annäherung zu seinem mehr als tausend Sonnenlichter flammenden Throtle. Oer Gottesdienst, so aufgefaßt, zeigt uns seine Wichtigkeit und muß uns ansporueu, ulehr als geschehen für ihn zu thun. Paart sich ein schöner Geist zu einem schönen Körper, so ist das Geschöpf in seiner tadellosen Vollendung. Darum sollte man also nicht alte nur erdenkliche Mühe, Zeit und Kosten auf dieses so wichtige Geschäft verwenden, um dem, im Ganzen genonlmen, einen inbrünstigen Geist in sich schließenden jüdischen Gottesdienst eine schöne, entzückende, zur Andacht erregende, in die Nahe der Engelchöre versetzende Außenseite anzupaßen. ,,Schöne Gestalt ist nicht nöthig", spricht die. die auffallendsten Bedürfnisse zur Beförderung des geistigen Wohles übersehende starre Orthodoxie. Jur Gotteshause sagt sic fürder, braucht man nur innere Andacht und den Gedanken auf Gott gerichtet zu haben und sonst nichts". Wohl ist diese Behauptung nicht unrichtig. Wodurch werdetihr aber, fragen wir. euch, wodurch werdet ihr diese innere Andacht und diese Richtung des Gedankens auf Gott, zumal in den Herzen der leichteren Jugend, bewirken? Setzt nicht jede Wirkung eine sie bewirkende, sie-ins Dasein bringende Ursache voraus? Scheuet ihr vielleicht noch die kleiuste Aehnlichkeit eures Thuns mit der Beschaffenheit des Thuns Andersgesinnter, der Bekenner anderer Religionen, aus Furcht in ihre Sphäre euch .51t verlieren? Hat der Gedanke seine unerschütterliche Festigkeit auf guten Grund ruhend.erlangt, so macht rhu die etwaige äußere Aehnlichkeit mit einem andern ntc^t schwankend. Und warum wollet ihr's unterlassen das Gute, da es gnt ist, von auderir abzulernen? Ihr müßt euch immer in dem Grade der Vollkommenheit eures Glaubens tmb der Aeßcruug desselben im Gotteshause, noch zurück scheu, wenn eil! anderer, nach eurem Geständnisse selber, ans bessere, gefälligere Weise sich kund giebt. Und wenn, ihr aber durchaus hartnäckig jede Neuerung in der äußeren Gestalt des Gottesdienstes verwerfet und die alte behalten wollet, so weise ich euch hin auf die erhebende Form des von Gott selbst eingesetzten GrnndbeginneS unseres Gottesdienstes, nämlich desOpferdienstes. Sehet den von innerer Schauer tief ergriffenen hohen Priester, wie er langsamen, bedächtigell Schrittes unter den: Geläute des am Saume seines Gewandes hängenden Gtöcklein in das Heiligthum sich begiebt. Sehet die erwartungsvolle Volksmenge, die int Vorhofe der glücklichen Zurückkunft des in Leinen gekleideten hohen Priesters entgegcnharrt, wie sie niedersinken beim chrfnrchtgcbietenden Schatte des heiligsten Namens, der in dieser Stunde wieder einmal nach einem Jahre dem hohen Priester über die entfärbten, bebenden Lippen fährt. Sehet die. zum Himmel in senkrechter Richtung aufsteigende 'Rauchsäule, das Bild der Andacht — anmujhigen, heiligen Duft um sich verbreitend, sehet die mit schwachen! Zwielicht erfüllten Räume des Tempels, die schauerliche Leere des Atterheilichsteu, dasdemüthig daliegende, dauksagende Brod (Schaubrod), die mit heiligem Blute bespritzten. Altäre, die Achtung einflößende Bundcslade, den Tisch und die übrigen goldschimmernden Geräthe, ja leset nur die stre von Gott selbst dein Moses -anbefohlene Ordnung und saget mir sodann, äußere Ordnung sei im Gottesdienste nicht vonnöthen. Auf daß diese Ordnung nicht gestört und die Hei- . ligkeit des Dienstes nicht verletzt werde, verbietet die heil. Schrift zu 'wiederholten Malen die Annäherung des Ungeweihten unter Todesstrafe: mit solchen fremdartigen Gedanken können wir euch nur als Sarim betrachten und mit Recht euch vor einer Verfügung über die Beschaffenheit des Gottesdienstes warnen. — Leider geben selbst die bisher getroffenen Anstalten in den einigen Synagogen rcformirter Gemeinden durchaus nicht das erhebende Bild eines in seiner schönen Vollendung dastehenden Gottesdienstes, und dieser ungünstige Erfolg mag jene in ihrer eonservativen Gesinnung bestärken.

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