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Der Orient · 1846-03-19 · Heft 12 (19.3.1846) · p. Seite 90

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 12 (19.3.1846)
Date
1846-03-19
Page
Seite 90 (sequence 11)
Language
German
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— 90 - schnell ans Mitgliedern unserer Genossenschaft, welche sich mit größtem Eifer Den Verübungen unterzogen, und unter Leitung des ' rühmlichst bekannten Componisten Hrn. Julius S t er n ein Resultat erwirkten, Das unsere Erwartungen weit übertras. Zu ganz besonderem Dank hat uns der Rabbiner Hr, Dr. Phrlippsvn in Magdeburg verpflichtet, der es bereitwillig übernahm, bei unserem Gottesdienste als Prediger zu fungiren. Wir dürfen Die Ueberzeugung aussprechen, daß seine Wirksamkeit ihm in dem Andenken sämmtlicher Genossen eine dauernde.Anerkennung gesichert hat?) Wie der Gottesdienst ausgeführt wurde, dürfen wir unfern hiesigen Genossen nicht in'S Gedächtnis rufen. Gewiß werden diese Tage allen, die daran Theil genommen, unvergeßlich bleiben. So religiös aufrichtend war seine Wirkung, daß auch nicht eine Stimme der Mißbilligung wider ihn taut wurde. Der Strem der Begeisterung war vielmehr so allgemein, daß er selbst sonst gleichgültig von Fern Stehenden mit sich fortriß, und den Wunsch, eine solche Gottesverehrnng für's ganze Jahr in'ö Leben.gerufen zu sehen, zum völlig allgemeinen machte. ' - Die Anzahl der Teilnehmenden betrug gegen 600 Personen. Wir würden unS einer noch weit größeren Versammlung erstellt haben, wenn rrns der Raum nicht in der Ertheitttng der nachgesuchten Plätze beschränkt hätte. V III. Die Beitrittserklärttilg von Genosserr hiesetbst, wie ans alten Theilen deS deutschen Vaterlandes, sind im bleibenden Verhättniß, wie seit dem Beginn unseres Zusammentritts gewachsen. Die Zahl Der hiesigen Genossen beträgt gegenwärtig 327"', fast sämmtlich Familienhäupter. Von außen haben sich neuerdings Mitglieder angeschtossen aus den Städten: Altona, Brilon, Breslau, Cosel, Dessau, Düsseldorf, Elsoff, Gießen, Gteiwitz, Harum. Königsberg, Mannheim, Mühlhausen, Neustadt o. S., Werl , .so Daß die Anzahl Der auswärtigen Mitglieder gegenwärtig 426 beträgt, was mit Einschluß der hiesigen Genossen die Gesamnrtzähl von 753 Familien herausstellt. . IV. . Der dringenden Aufforderung zufolge, nnrrmehr bald an die Einrichtung eines regelmäßig sich wiederholenden Gottesdienstes zu gehen, fanden wir uns veranlaßt , eine Generalversammlung zu diesem Behnse anzuberanrnen. Diese fand am 167'Nov. v. I? statt/und deren Beschlüsse sind es, . die gegenwärtig mun neuen Abschnitt m der Geschichte unserer Genossenschaft bilden. Wir legten, den Versammelten folgende 4 Propositienen vor: 1) Die Versainmlnng erklärt, daß die für den Gottesdienst am Neujahrs- und Versöhnnngsfist von den Bevollmächtigten und Repräsentanten getroffenen -Bestimmungen beit Wünschen der Genossenschaft entsprechen haben, 2) Die Versammlung beschließt, daß der am 4. Juni d. I. beschlossene regelmäßige Gottesdienst nach denselben Prinzipien möglichst bald inS Leben gerufen *) Sowohl die Predigten wie die Gebete sind besonders im Druck erschienen. werde, und allwöchentlich zweimal, an jedem Sonnabend und Sonntag statt finde. 3) Jedes Mitglied der Genossenschaft sichert auf 2 Jahre zur Bestreitung der laufenden Ausgaben vom 1. Oetober c. ab, einen freiwilligen jährlichen Beitrag zu, welcher nach Belieben des Mitgliedes quartaliter, halbjährlich oder, jährlich einzuziehen ist. 4) Die Versammlung beschließt, dem Dr. Stern vom 1. Oetober c. an, vorläufig ans 2 Jahre, ein sires Gehalt zu bestimmen, damit er in den Stand gesetzt^ werde, seine Thätigkeit auch ferner, den Zwecken der Genossenschaft zu loidmen. Die erste, dritte und vierteProposition wurde tinstimmig, fast völlig ohne Debatten angenommen. Die zweite veranlagte lebhafte Erörterung; aber da auch diese von der sehr geringen Minorität von 20 Stimmen, von denen sich einige für die Einrichtung eines Gottesdienstes am Sabbat allein, andere am Sonntag allein auSsprachen, angenommen wurde, begannen wir sofort kräftig die Hand zur Ausführung anzulegen, um ein stehendes Institut hervorzurusen, das anscheinend nur ein lokales .Interesse hat, das aber schon in so weit für den ganzen Umfang des preußischen Vaterlandes bedeutungsvoll ist, als uns auf unser Ansuchen bei den hohen Ministerien der geistlichen Angelegenheiten und des Inneren die Genehmigung zur Einrichtung dieses Gottesdienstes zu Theil geworden?) Indem wir uns gedrungen fühlen, den Dank gegen die hohen Behörden für diese Gewährung auszusprechen/ dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, daß auch in anderen Gemeinden unseres Vaterlandes einem gleichen Bestreben, Seitens der hohen Behörden, ein gleich günstiger Bescheid, und hierdurch der Sache der Reform im Jndenthnm eine bedeutende Förderung zu Theil werden wird. In Betracht dessen , wie besonders zur Regnlmmg mehrerer wichtigen Fragen, die einen langen Aufschub kaum mehr gestatten, ist es uns wichtig geworden, mit den auswärtigen Genossenschaften in nähere Verbindung zu treten, sowohl zur Verständigung über die bisherigen Schritte in unserer Angelegenheit, wie überhaupt zur klarer» Beschlußnahme über die Art und Weise der Verbindung sämmtlicher Genossenschaften zu einem Gesammtw'irken in der Folge, und' hauptsächlich zur endlichen Berufung einer Synode. In der letzten Sitzung der Bevollmächtigten haben wir daher den Beschluß, gefaßt: ,, In einem Rundschreiben an sämmtliche auswärtige Genossenschaften diese zur Abfindung von Bevollmächtigten hierher aus den 14. 15. und 16. April d. I. aufzusordern." Wir hegen die Hoffnung, daß die Wichtigkeit dieser Zusammenkunft, die allein zum innigen Gcsammtwirken sämmtlicher Bestrebungen zu führen vermag, von allen Genossen erkannt, und. von ihnen kein Opfer gescheut werden wird, sich in dieser Versammlung repräfintirt zu sehen. So sehen wir der Zukunft in Dem 7) Es ist uns bereits gelungen, ein ausgezeichnet schönes und unfern Zwecken in jeder Beziehung entsprechendes Lokal, das etwa tausend Personen faßt, für unfern Gottesdienst zu nn'ethen. Dasselbe wird zum i. April d. I. vollständig für denselben eingerichtet sein, und wir können daher mit Sicherheit darauf rechnen, am Osterfeste unfern. regelmäßigen Gottesdienst beginnen zu können.

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