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Der Orient · 1846-03-19 · Heft 12 (19.3.1846) · p. Seite 89

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 12 (19.3.1846)
Date
1846-03-19
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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— 89 jcrfi'(5cnbcn ©oftriiien der Reformer wie von bcr Starrheit der die Wissenschaft höhnenden Schulchatt-Arnch- Anbeter. Zn einer gelungenen Derastha — Predigt kann man. es nicht nennen — sprach Hr. Fasse! sreimüthig sein GtaubenöbckennLniß au§, und verletzte die Oberhäupter beider Parteien. Dafür aber strömte ihm der Enthusiasmus Derer zu, die längst schon der egoistischeil Eifersüchteleien, der langweiligeil Polenlik der -Rabbiner überdrüssig sind. Es war eine Bewegung in der Gemeinde in Folge dieser freimüthigen Aeußerungen F.'s, die das beste Zeugniß von dem Gemeinsi'nn der hiesigen Judenschaft und von der Erstorbenheit des Jndifferelltismns das beste Zeugniß ablegte. Männer ans beiden Parteien kamen sich entgegen und arbeiteten ernstlich daran, durch diese Wahl der hemmenden , auflösendeit Parteiung Schranken zu setzeil. . Aber die theologischen Oberhäupter, schienen allzusehr eine solche Rivalität zu fürchten und nun wurde — besonders von der Refocmseite — intriguirt und machinirt, so lange, daß Fasset unverrichteter Sache, und nur mit dem Gehaltersatz fitr ein Jahr/ abziehen mnßtß, Jetzt dringt, F/s Rückbcrufung fürchtend, die Resormpartei mit aller Eilergie darauf, Ti kt in unter irgend einem Titel anzuerkmnen, ja'ihm vielleicht gar die speeisisch rabbinischen Funktivnen ausschließlich zu überlassen, um nur freien Spielraum für ihre reformistische Thätigkeit zu behalten. Allein der gesunde Sinn der Gemeinde ist jetzt'zum Bewußtsein des wahren Interesses erwacht, sie fühlt, daß ihr das Herzblut gestohlen werden soll, daß ihr unter dem Namen des JudenLhums ein Wechselbalg untergeschoben wird, der weder dem Judenthum noch dem Christenthum ähnelt, trotzdem alle Äußerlichkeiten des Letztem kopirt werden. Es ist. Schade, daß in dieser kritischen Lage der Vorsteher H. Levy mit seinen gleichgesinnten Kol-, legen aus dem aktiven Vorstande geschieden sind, natürlich vielleicht aus Indignation über die unwürdigen Unltriebe, mit denen sie im Kollegium zu kämpfen hatten; denn diese wären jetzt am besten im Stande, nachdem ihnen endlich die Binde von den Augen gefallen ist , das Gleichgewicht der Gemeinde zu erhalten und den zerrütteten Zustand einer Heilung entgegeuzuführen. — Derselbe Levy als Curator der nachgelassenen Fränkel'schen Millionen, hat auch wacker einige judenfeindliche Angriffe unter der Maske des Liberalismus, in den hiesigen Blättern zurückgewiesen. Er wurde nämlich als Stadtrath vorgeschlagen, und einige Uebelwottende öpponirten gegen diese Wahl unter dem Vorwände, der Testator hätte, in einem Codizill durch Levy's Einfluß bestimmt, die Summe für die städtischen Stiftungen auf 25,000 Thlr. redueirt. Hr. Le'vy trat freimüthig für das Judenthmn in die Schranke und hat bei dieser Gelegenheit manche bittere Wahrheit ausgesprochen/—- Ueber den Fränkelschen Nachlaß hat der Orient schon manche Berichte geliefert. Ein bleibendes Denkmal hat sich der Verblichene aber durch die Bestimmung gesetzt, eine den Kuratoren anheimgestellte. Summe für die Justituirung eines a n s g e d e h n t e n R a b b i n e ru n d S ch u l l e hr e r - S e m i n a r ö zu verwenden. Innerhalb fünfJahre müssen diese Institute ins Leben gerufen werden. Was bisher als ein frommer Wunsch in der Brust von Tausenden geschlummert, was durch eine bettelhafte Snbskription ails alleil Gauen Deutschlands nicht zu Stande gebracht werden konnte, das wird endlich durch den letzten Willen eines Einzigen realisirt werden. Die Sache ist den besten Händen allvertraut. Die Kuratoren sind von dem regsten Eifer und von dem geläuterten Bewußtsein beseelt, daß dieses folgenreiche Institut nur dann das wahre Heil des Jndenthums fördern kann, wenn es sich von. der Einseitigkeit der Tagesdoktrinen fern halt, daß in einem derartigen Institut Wissenschaft und angestammter Glaube sich die Hällde reichen müssen. Es wird die Pflicht aller edlen Männer jüdischer Wissenschaft sein, die Realisimng dieses hochwichtigen Planes mit ihren besten Erfahrungen zu unterstützen. — Schließlich erwähne ich Ihnen noch eines längern hebräischen Gedichtes, von einem hiesigen Pfleger der hebräischen Sprache ^B. Schweitzer, das zur Todteilfeier des verblichenen Kommerzienraths Frank et bei Uebergäbe des Hospitals an den Krankenverpftegungsverein mit einer metrischen deutschen Übersetzung von F ü r st e n t h a l ree i tirt wurde. Ich sü hre di es es Faktum nur deswegen an, nur Ihnen zu beweisen, daß die hebräische Sprache, trotzBann und Interdikt der Hierarchen und der RV., nicht ganz verwaist ist, sondern auch in unsrer Mitte Pfleger und Freunde hat. Diesen Punkt hat auch Hr. Schweitzer mit beredten-Worten in seinem Gedichte hervorgehoben. - Frankfurt a. M., 10. März. Hr. L. Stein hat, wie man vernimmt, den Israel. Gemeindevorstand wissen lassen, er "Stein, habe seit seinem Hiersein — bei 1800 fl. Gehalt und etwa 2000 fl. jährlicher Emolumente — 200 fl. von dem Ertrag seines Privatvermögens verzehrt, und er werde aus diesem Grunde und weil er noch sonst Anlaß zur Unzufriedenheit mit seiner hiesigen Stelle erhalten habe, diese niederlcgen, sobald er anderweitig eine ihm angemessene, d. h. bessere Stelle bekommen werde. Wir sind unter diesen Voraussetzungen nicht der Erwartung, daß diese rabbinische Drohung jemals in Erfüllung gehen würdeda Gemeinden und Vorstände, wie Hr. Stein solche hier gefunden, zu den großen Seltenheiten gehören und nicht leicht wieder ebenso, viel weniger gar im Sinne des Rabbiners „besser" ausfindig zu machen sein dürften. D-—8. Berlin/ Februar. (Schluß.) / - Bei der Ausführung des - Gottesdienstes sind wir durch die bereitwilligste und ansdanerndesie Mitwirkung derer auf das Erfreulichste unterstützt worden, die wir dazu ausgefordert haben. Der Chor bildete sich

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