Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1846)
- Date
- 1846-03-19
- Page
- Seite 88 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 88 — Lesen Sie gefälligst den Brief der also endet: ^Schließlich geben wir Ihnen zu.beherzigen, daß wir auch fernerhin durch Sie einen Zuschuß zur Unterstützung der Armen bereitwillig leisten, und. einen Theil unserer Zeit und Aüfmerkfamkeit auf die Ueberwachung der vortrefflichen .mit der Muttersynagoge verbundenen Institute wenden wollen. Von dem Pflichtgefühle beseelt, Ihnen in.den-Werken der Liebe gegen unsere ärmeren Brüder, unsere Hilfe anzubieten, wird es uns eine nicht geringe Befriedigung gewähren, wenn aus dem gemeinsamen Bemühen den Menschenrechten zu genügen, sich uns das Resultat ergeben wird, daß wir mit der Meren Gemeinde einen Bund und ein ,,Zeichen der Einheit gestiftet". Der Zusammentritt verschiedener Parteien für den geheiligten Zweck, Wohlthaten anszunben, würde die allererfreulichsten Folgen nach sich gezogen haben; aber zur unauslöschlichen Schmach der Gemeindeältcsten, antwortete, man auf diese versöhnliche Urkunde mit der Androhung des Bannes, für . den Fall, das jene sich im neuen Bethause versammeln sollten. Bei einem mehre Monate nach Eröffnung unserer Synagoge stattgehabten Sitzung (der portug. Gemeinde) ging demgemäß der Beschluß durch. Die Mitglieder der neuen Gemeinde/eien von der Theitnähme an den Wohlthätigkcitsinstituten äusznschließen. Auch wurde verordnet, daß die jährlichen Beisteuern derselben künftighin nicht mehr anzunehmen seien. .... Daraus haben Sie zu ersehen, daß erst die Banndrohnng den Rücktritt der zur neuen Synagoge-Gehörigen zu Wege brachte, indem diese Männer einsähen, daß.sie sich derartigen Klauseln nur dann entziehen konnten,, wenn sie aufhörten,, verantwortliche Genossen der alten Synagoge zu sein. Die Ungerechtigkeit des Verfahrens mit Rücksicht auf die Wohlthätigkeits-Anstalten liegt außer allem Zweifel, doch wurden, und wieder aus Friedensliebe, keine.gerichtliche Schritte eingeleitet. Was die Bannbulle betrifft, wurden hierbei Anklage und Schuldigerklärung als gleichbedeutend behandelt. .... Und was die Behauptung anbetrifft,- daß wir als Kommune das mündliche Gesetz geläugnet, so ist hierin auch nicht der entfernteste Schatten von Wahrheit. Die Bezüchtigung wurde nie in Untersuchung gezogen, wir nie mit dem Klageführer kontrollirt, ja wir erfuhren nie dessen Namen. Durch die uns'zur Last gelegte künstlich aus dem neuen Gebetbuch hcrausgefolgerte Leugnung des mündlichen Gesetzes hätten wir, wenn man-uns. des Anhörens. gewürdigt hätte, gar leicht die Trüglichkeit der Richter erweisen können, und zwar aus denselben Quellen, aus denen sie zw schöpfen vermeinen. Hätten die Rabbiner uns eines Unrechts überzeugt, wir würden uns willig ihrem Begehren gefügt haben; so aber wurde die Bannbulle, baar aller gerichtlichen Form , wider uns losgeschleudert. Zunächst zeigt sich uns diese geistliche -Despotie als Handhabe für weitere Bedrückung. Als ste nämlich ofstekell angesucht-wurde, unsere Synagoge zu registriren, (das Ansuchen war durch die Erlassung der Parlamentsakte über Ehmschtießung und deren Registrirung nothwendig geworden), da wurden wir von den Rabbiner-Behörden mit dem'Bescheid zurückgcwiesen, Bethans sei keine Synagoge. Als Beweis hierfür galt ihr eigenes Machwerk der tnfi! Der nächste fromme menschenfreundliche Zug war die Weigerung die dahingeschiedene Gattin des Hm. Horatio Montefiore*) zu beerdigen. Und diese hatte sich im Anstande aufgehalten und war nie über die Schwelle unserer Synagoge'gekommen. Ich frage jeden rechtsliebendcn Israeliten, würde es nicht selbst daun noch' eine Sünde erster Größe gewesen sein, der Verstorbenen die letzten Liebesdienste zu versagen, wenn der Mann dem Glauben entsagt hätte, und das Weib allein Jüdin geblieben wäre? Um wie viel schmachvoller aber wird das Vergehen in gegenwärtigem Falle. Dieses grausame Verfahren verlöschte den letzten Hoffnungsschimmer wicderkehrender Eintracht. Deutschland. Bresleru, 1. März. Unsere Gemeinde- oder Rabbiner-Angelegenheiten sind in ein neues Stadium getreten, sie sind wo möglich noch verwickelter geworden, und eine Entwirrung und friedliche Lösung scheint sich noch sehr in die Länge zu ziehen. Doch ist es nicht zu läugnen, daß eine Art Wahlverwandtschaft sich herausgestellt hat, durch ein neu hinzugekommenes Element scheinen die früher feindlichen Elemente eine neue Verbindung einzugehen, sowie die verbundenen, wiederum sich zu trennen. Das neue Element, das jetzt schon zu dieser erhöhten Komplikation beiträgt, das diesen chemischen Effekt hervorgebracht, ohne daß man noch sein speeifisches Gewicht, seine Farbe und sonstige Eigenschaften genau kennt, ist kein anderer als Fasset. Fasset kam überraschend' hier an, sah und wurde besiegt. Aber er konnte das Bewußtsein mitnehmen, daß seine Niederlage einem Siege sehr ähnlich war, den guten Erfolg zerstörten ihm lediglich klug angelegte Machinationen, die seit Langer Zeit nicht mehr von den verschrienen Orthodoxen, sondern von den Ultra-Aufgeklärten ausgehen, von den jüd isch cn, Lichtfreund en, die es nicht verschmähen, in majorem Dei gloriam, auch im Finstern zu . schleichen. Der Hergang der Sache ist kurz folgender. Es ist Ihnen bereits berichtet worden, daß der ehemalige aktive Vorstand auf Fassels Wahl die Hoffnung gesetzt hatte, die Gemüther der feindlichen Parteien zu versöhnen,' indem er von ihm die Theologie der rechten Mitte erwartete, gleich weit entfernt von den *) Ein jüngerer Bruder des Sir Moses Montesiore und Mitglied der West-London-Symgogue.