Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1846)
- Date
- 1846-03-12
- Page
- Seite 83 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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83 — m der Art verwendet werden möge, daß von den für einen Platz in dem neuen Tempel zu zahlenden 5 Thlr. aus der eirlgesendeten Summe 4^ Thlr. bestritten werden, so daß für die dieser Unterstützung theilhafteu Personen ein Platzt nur Thlr. jährlich kosten soll.- Der Herr Geber spricht in seinem Briefe zugleich die Hoffnung ans, daß für spätere Jahre auch andere mitdthäthätige Reformfreunde auf ähnliche Weise den Armen die Theilnahme an dem neuen Gottesdienste erlcichterrr möchten. L. Hamburgs 26. Febr. Ich kann Ihnen heute eine erfreuliche Nachricht mittheilen. Es hat sich , hier ein Komite gebildet, das für die russischen und polnischen Flüchtlinge, die hierher kommen, sorgen will und auch sich bemühen wird, auf die Lage derer, die noch im Drucke leben, so viel es angeht, günstig einzuwirkm. Die Ehre, solches Komitv zu Stande gebracht zu haben, gebührt Herrn Eduard Kohn, der in seiner Zeitschrift ,,der Jude" die Sache anregte und durch persönliche Bemühungen so weit zu Stande brachte. Es steht zn wünschen, daß der Verein von Wirksamkeit sei. — Die Kultus-Kommission des Neuen Tempels wird ihre Wirksamkeit zuvorderst durch Begründung einer Neligionsschule — allerdings in den Tendenzen des Tempels — bethätigen. Das Gelingen dieses Planes steht in Aussicht. Der'llnterricht soll unentgeltlich ertheilt werden, und zwar am Sonntag und Mittwoch in jeder Woche. — Berlin, im Februar. (Fortsetzling.) . . II. s Wie bereits in unserm ersten Berichte angegeben, hatte die Generalversammlung vom 4. Juni v. I. beschlossen die Einrichtuttg eines Gottesdienstes, wie er den Bedürfnissen der Gegenwart entspricht, noch vor Berufung einer Syuvdc provisorisch in's Leber: zu rufen. Die erste Ausführung dieses Beschlusses war der Gottesdienst, der an den großen Festtagen Rösch Haschana und I o m K i p P 1t r eingerichtet wurde. Bei bctt zahlreichen Berathuugcn über den einznrichteuden Gottesdienst hatten wir. uns zum Theil der persönlichen Theilnahme und des Beiraths mehrerer ausgezeichneten Rabbiner und Prediger zu erfreuen, namentlich der Hrn.-vv. Frankfurter re. Die Grundsätze, die .uns bei der -Ausführung dieses Gottesdienstes geleitet haben, sind in den, den Theilliehmern mitgetheilteu Programmen ausgesprochen, welche wir nebst dem hmzngefügten Vorwort hier folgen lassen. „Wir übergeben unseren Genossen das Programm des Gottesdienstes - für die bevorstehenden Festtage nicht ohne -daS Bewußtsein der hohen Verantwortlichkeit, die wir durch die von uns getroffenen Bestimmungen sowohl Ihnen als unsrer'allgemeinen Aufgabe gegenüber übernommen haben. — Wir haben nicht angcstandeu, diese Verantwortlichkeit allein zn tragen, weil bei der Kürze der Zeit und bei dem Umsang und der eigenthümlichen Beschaffenheit des Gegenstandes eine öffentliche Beralhnng und gememsame Beschlußnahme. nicht ' mehr möglich erschien. Es war uns die Ausgabe gestellt, einen, dem religiösen Bedürfniß unserer Genossenschaft entsprechenden Gottesdienst in's Leben zu rufen.> Diese Aufgabe, im Zusanmienhang mit der Bedeutung der bevorstehenden Festtage, für die Bekenner des Judenthums , haben wir streng ins Auge gefaßt, und ohne den zukünftigen Bestimmungen einer Synode dadurch irgend vorgreifen zu wollen, ja ohne uns für berechtigt zu halten, für den von uns beschlossenen provisorischen Gottesdienst ohne Zustimmung der Generalversammlung bleibende Anordnungen zu treffen, wünschten wir nur den gegenwärtigen Gottesdienst als den wahrhaften Ausdruck des religiösen Bewußtseins unserer Genossenschaft erscheinen zu lassen. Wir erklären aufs Entschiedenste: Was wir von dem Bestehenden ausgenommen haben, wollen wir dadurch nicht für ein uothwendiges Element des Judenthums gehalten wissen; was wir nicht ausgenommen, erklären wir noch viel weniger für ausgeschlossen aus der zukünftigen Gestaltung des Judenthums; wir haben vielmehr das Bestehende überall zur Grundlage unsrer Auordtiungeu gemacht,, und es erhalten, insoweit wir es als ein Lebenselement in dem Neligionsbewußtsem unsrer Genossen erkannten, wir haben es aber nicht ausgenommen, sobald wir uns überzeugt hielten, daß es iw uns und. in denen, die mit amö. ftnb, nicht mehr lebendig sei und nicht belebend und erhebend auf das religiöse Gefühl zu wirken vermöge; wir haben nicht ausgenommen, was, seiner Bedeutung oder seiner Erscheinung nach, nicht in Einklang zu stehen schien mit unserer nicht minder im Boden unserer,Zeit, als im Boden unsrer Religion, wurzelnden/Denk- und Empfinduugsweise. - Wir sind in den äußeren Anordnungen unseres Gottesdienstes von den, jetzt freilich schon in großer Maünigftltigkeit bestehenden Formen nicht unwesentlich abgewichmtz desto mehr aber sind wir darauf bedacht gewesen, .Msere Gebete zum bestimmten und entschiedenen Ausdruck der-religiöser: Ueberzeugung zu machen, die sich im Judenthum und nur iur Judenthume kund giebt, und die Bedeutung dieser besonderen unserer Religion angehörmden Festtage zum lebendigen Bewußtsein zu bringen. Unser Gottesdienst sollte kein solcher seiü, der sich eine -möglichst allgemeine, Allen in gleicher Weise zugängliche GotteSverehmug zur Aufgabe stellt, sondern ein solcher, der lediglich in dem bestimmten Religionsbewnßtscin des Judenthums wurzelt, daS sich zwar von bcn letzten Spuren einer nationalen Besouderheit frei zu machen sucht, aber seine eigeuthumliche geschichtliche Entwickelung nicht ausgiebt, und darum eben so freudig zurückbtickt auf seine Vergangenheit, in der es zum Träger einer ewigen Wahrheit berufen wurde, als' es zuversichtlich miss die Verheißung der Zukunft schaut', in welcher die ganze Menschheit den einzigen und unsichtbaren Gott bekennen und.anbeten wird. Wir haben in der äußeren Erscheinung unseres Gottesdienstes der allgemeinen Denk- und Empfittduttgswel.se der Zeit ihr Recht werdet: lassen, in dein Inhalt unsrer. Gebete den einen und unveränderlichen Geist des Judenthums zur vollen Anerkennung zu bringen versucht. In diesem Sinne haben wir gewirkt und geschaffen, und wir sind uns bewußt, unsere Beschlüsse mit Besonnenheit mtb Gewissenhaftigkeit gefaßt und uns mit ausdauerndem Eifer ihrer Ausführung unterzogen juhaben. Möge es uns gelungen sein, dem religiösen Bedürfnisse unsrer Genossenschaft eben so sehr zu entsprechen, wie